EU-Kommission: Microsoft Azure und AWS werden Gatekeeper
25.06.2026 - 14:25:06 | boerse-global.de
Die EU-Kommission hat Microsoft Azure und Amazon Web Services vorläufig als Gatekeeper eingestuft – ein massiver Eingriff in den 220 Milliarden Euro schweren Cloud-Markt.
Die vorläufige Entscheidung vom 25. Juni 2026 ist das Ergebnis einer siebenmonatigen Marktuntersuchung, die im November 2025 begann. Obwohl die Cloud-Dienste nicht alle quantitativen Schwellenwerte für den Gatekeeper-Status erfüllen, begründet die Kommission ihren Schritt mit der zentralen Rolle der Plattformen als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden, hohen Wechselkosten für Nutzer und der wachsenden Bedeutung integrierter KI-Tools.
Scharfe Auflagen für die Tech-Riesen
Wird die Einstufung endgültig bestätigt, müssen Microsoft und Amazon strenge DMA-Auflagen erfüllen. Dazu gehören das Verbot der Selbstbevorzugung eigener Produkte, die Sicherstellung besserer Interoperabilität mit Drittanbietern und verbesserte Datenportabilität für Kunden, die zu anderen Anbietern wechseln wollen.
Tech-Kommissarin Henna Virkkunen betonte, dass Cloud-Dienste das Rückgrat der europäischen Wirtschaft bilden und eine notwendige Voraussetzung für die KI-Entwicklung sind. Nach der vorläufigen Benachrichtigung haben beide Unternehmen Zeit, formelle Stellungnahmen einzureichen. Eine endgültige Entscheidung wird für November 2026 erwartet. Bei Bestätigung hätten die Konzerne sechs Monate Zeit, die erforderlichen Änderungen umzusetzen.
Amazon-Vertreter argumentierten, dass die Bewertung der Kommission die breite Natur von Cloud-Diensten außer Acht lasse, und warnten vor möglichen Investitionsrückgängen. Microsoft zeigte sich besorgt, dass die Entscheidung die wachsende Marktmacht von Google Cloud nicht berücksichtige.
Parallelverfahren in Großbritannien
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Das EU-Verfahren fällt mit verstärktem regulatorischem Druck in Großbritannien zusammen. Am 24. Juni 2026 reichten Wettbewerber wie Google und Mozilla Stellungnahmen bei der britischen Wettbewerbsbehörde CMA ein – im Rahmen einer Untersuchung von Microsofts Geschäftssoftware-Ökosystem.
Die CMA prüft derzeit Fragen zu Software-Bündelung, KI-Integration und Lizenzierungspraktiken. Ein Entscheidungsentwurf wird für Oktober 2026 erwartet, der Abschlussbericht soll im Februar 2027 folgen.
Partnerschaften und Sicherheitsoffensive
Trotz der regulatorischen Gegenwinde baut Microsoft sein Geschäft weiter aus. Am 24. Juni 2026 schloss der Konzern eine mehrjährige Partnerschaft mit Commvault für Datensicherheit und Cyber-Recovery als nativen Dienst innerhalb von Azure. Der Dienst soll im Sommer 2026 in die öffentliche Vorschau gehen.
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Bereits Mitte Juni hatte Oracle Berichte über einen möglichen Drei-Milliarden-Euro-Rechenzentrumsdeal mit Microsoft dementiert. Oracle bezeichnete die Behauptungen, der Deal sei an Sicherheits- und Compliance-Bedenken gescheitert, als unzutreffend.
Im Bereich Cybersicherheit arbeitete Microsoft am 24. Juni 2026 mit Europol und weiteren Partnern zusammen, um die Cybercrime-Tools Amadey und StealC zu zerschlagen. Die Operation Endgame zielte auf über 200 Kommando-und-Kontroll-Server ab und identifizierte mehr als 18.000 infizierte Rechner. Europol meldete die Sicherstellung von 27 Millionen gestohlenen Zugangsdaten und Kryptowährungen im Wert von rund 47 Millionen Euro. Die Aktion legte zudem den Schadcode SocGholish lahm, der mit der Hackergruppe Evil Corp in Verbindung steht.
