EU-Kreditrichtlinie, Bonitätsprüfung

EU-Kreditrichtlinie: Bonitätsprüfung künftig schon ab 20 Euro Pflicht

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ende 2025 hatten 8,1 Prozent der Erwachsenen einen Negativeintrag; Kleinkredite und Privatinsolvenzen nahmen ebenfalls zu.

Schufa-Daten: Mehr Zahlungsprobleme und Kleinkredite in Deutschland
Ein minimalistisch eingerichteter Wohnraum mit einem leeren Tisch bei gedimmtem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die finanzielle Situation vieler Privathaushalte in Deutschland spannt sich spürbar an. Auswertungen der Auskunftei Schufa zum Stichtag 31. Dezember 2025, die Daten von rund 69 Millionen Verbrauchern umfassen, zeigen einen wachsenden Anteil von Personen mit Zahlungsstörungen.

Demnach wiesen Ende 2025 8,1 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einen Negativeintrag auf, nachdem der Anteil ein Jahr zuvor noch bei 7,9 Prozent gelegen hatte. Die Zahl der Menschen, die erstmals mit solchen Zahlungsschwierigkeiten konfrontiert waren, kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent.

Schufa-Chefin Tanja Birkholz konstatierte, dass ein zunehmender Teil der Verbraucher finanziell unter Druck gerate. Die Belastungen verfestigten sich bei wachsenden Teilen der Bevölkerung, wenngleich die Lage zwar angespannt, aber nicht krisenhaft sei; von einer Verschuldungskrise oder Pleitewelle könne man nicht sprechen.

Treiber Kleinkredite und Konsumfinanzierung

Ausschlaggebend für die Zunahme von Verbindlichkeiten ist vor allem das Segment der Kredite unter 1.000 Euro, zu denen auch Bezahlmodelle wie der spätere Ratenkauf gehören. Nach Angaben der Schufa ging das gesamte Marktwachstum bei Ratenkrediten auf diese Kleinkredite zurück.

Im Jahr 2025 wurden 7,5 Millionen derartige Neuverträge registriert, ein Zuwachs von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Jahresende liefen 4,5 Millionen dieser Verträge – mehr als dreimal so viele wie noch 2020. Im Schnitt beliefen sich diese Kredite auf 329 Euro bei einer Laufzeit von neun Monaten.

Rund 1,7 Millionen Verbraucher bedienten zeitgleich mindestens drei Kredite, was einem Plus von 55 Prozent entspricht. Etwa 74.000 Menschen zahlten sogar mehr als zehn Ratenkredite parallel ab – 28-mal so viele wie fünf Jahre zuvor. Zudem markierten 2,82 Millionen Pfändungsschutzkonten einen neuen Höchststand.

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Diese Entwicklung fällt in ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld: Die Verbraucherpreise lagen 2025 um 22 Prozent über dem Stand von 2020, während die Tariflöhne im selben Zeitraum lediglich um 15 Prozent stiegen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2025 nur um 0,2 Prozent, während die Arbeitslosenquote mit 6,3 Prozent den höchsten Wert seit 2016 erreichte.

Laut Erhebungen zahlen 15 Prozent aller Befragten einen Einkauf im Wert von 1.000 Euro bevorzugt in Teilbeträgen ab, womit sich dieser Anteil binnen zwei Jahren nahezu verdoppelt hat. Gleichzeitig nutzen viele Verbraucher Kontowechsel oder Überziehungen: Im Juli wiesen 6,8 Prozent ein Minus bis 1.000 Euro auf, 1,1 Prozent zwischen 1.001 und 2.000 Euro und 4,1 Prozent über 2.000 Euro.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ermittelte für August einen Dispozins von durchschnittlich 11,42 Prozent, bei geduldeten Überziehungen verlangten Banken im Schnitt 13,22 Prozent, während Ratenkredite laut Bundesbank bei 8,35 Prozent lagen.

Zunahme von Privatinsolvenzen und regionale Diskrepanzen

Parallel stiegen die Privatinsolvenzanträge 2025 laut Schufa um 8,3 Prozent auf 88.000 Fälle, der höchste Stand seit 2021, wenn auch deutlich unter den Werten der Jahre 2006 bis 2012 von jeweils über 100.000. Demnach entfielen über 50 Prozent der neuen Insolvenzverfahren auf 30- bis 49-Jährige, 13 Prozent auf die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen und 1 Prozent auf über 74-Jährige. Männer stellten 58 Prozent der Betroffenen, Frauen 42 Prozent.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Bei den Schufa-Negativeinträgen registrierte Duisburg mit 19,9 Prozent den bundesweit höchsten Wert, gefolgt von Gelsenkirchen mit 19,4 Prozent, während der bayerische Landkreis Eichstätt mit 3,6 Prozent die geringste Quote aufwies.

Die Auswertungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Schuldneratlas 2025 stützen dieses Bild: Nach sechs Jahren des Rückgangs stieg die Gesamtzahl überschuldeter Erwachsener bundesweit um 111.000 auf 5,67 Millionen. Spitzenreiter bei der Überschuldungsquote waren Bremerhaven mit 18,33 Prozent, Gelsenkirchen mit 17,07 Prozent und Pirmasens mit 16,86 Prozent.

Bayern verzeichnete eine Quote von 6,05 Prozent, wobei Eichstätt bei 3,66 Prozent lag. Für Nordrhein-Westfalen wies IT.NRW bei der Insolvenzdichte je 100.000 Einwohner Spitzenwerte für Herne (347,8), Leverkusen (257,9) und Wuppertal (250,6) aus.

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Kritik von Verbraucherschützern und neue Regulierung

Der Verbraucherzentrale Bundesverband und die Verbraucherzentrale NRW kritisieren seit Längerem eine Intransparenz beim Bonitäts-Scoring sowie lange Speicherfristen, die Betroffene bei Wohnungs- und Vertragssuchen benachteiligen. Claudio Zeitz-Brandmeyer von der Verbraucherzentrale warf Anbietern wie Klarna und PayPal vor, die Bonität der Kunden im Vorfeld nicht ausreichend geprüft zu haben.

Vor diesem Hintergrund greift ab dem 20. November 2026 eine reformierte EU-Verbraucherkreditrichtlinie: Anbieter müssen künftig bereits ab einem Einkaufswert von 20 Euro Bonitätsprüfungen durchführen, etwa über automatisierte Schufa-Abfragen, und säumige Kunden an Schuldenberatungen verweisen.

Ausgenommen bleibt der klassische 14-tägige Rechnungskauf ohne Zahlungsdienstleister. Paul Huber von der Verbraucherzentrale Sachsen begrüßte die Neuerung, während Jörg Buschan vom Bankenverband zusätzlichen bürokratischen Aufwand befürchtet.

Gleichzeitig warnte Ines Moers von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung, die Beratungsstellen seien bereits am Limit; lediglich etwa jeder zehnte Überschuldete erhalte Unterstützung, und Wartezeiten von mehreren Monaten seien keine Ausnahme.

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