EU-SouverÀnitÀt, Kommission

EU-SouverÀnitÀt: Kommission plant 300 Mrd. Euro gegen Tech-AbhÀngigkeit

04.06.2026 - 08:51:12 | boerse-global.de

Die EU stellt ein umfassendes Paket vor, um AbhÀngigkeiten bei Cloud, KI und Halbleitern zu reduzieren und die digitale EigenstÀndigkeit zu stÀrken.

EU-SouverĂ€nitĂ€t: Kommission plant 300 Mrd. Euro gegen Tech-AbhĂ€ngigkeit - Bild: ĂŒber boerse-global.de
EU-SouverĂ€nitĂ€t: Kommission plant 300 Mrd. Euro gegen Tech-AbhĂ€ngigkeit - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Juni ihr umfassendes Maßnahmenpaket fĂŒr technologische EigenstĂ€ndigkeit vorgestellt. Ziel ist es, die AbhĂ€ngigkeit von außereuropĂ€ischen Anbietern in den Bereichen Cloud-Computing, KĂŒnstliche Intelligenz und Halbleiter drastisch zu reduzieren.

Über 80 Prozent der in der EU genutzten digitalen Produkte stammen derzeit aus Drittstaaten. Allein fĂŒr Technologie aus den USA geben die Mitgliedsstaaten jĂ€hrlich rund 264 Milliarden Euro aus. Das neue Paket umfasst drei zentrale Gesetzesvorhaben: den Cloud and AI Development Act (CADA), den Chips Act 2.0 und eine ĂŒberarbeitete Open-Source-Strategie.

Cloud-Ausbau und Risikobewertung fĂŒr kritische Dienste

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Ein KernstĂŒck der Initiative ist der Cloud and AI Development Act. Er sieht vor, die RechenzentrumskapazitĂ€t der EU in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Langfristig peilt BrĂŒssel eine KapazitĂ€t von 65 Gigawatt innerhalb eines Jahrzehnts an. Zum Vergleich: Aktuell verbrauchen Rechenzentren bereits rund 2,5 Prozent des gesamten EU-Stroms.

Das Gesetz fĂŒhrt ein vierstufiges Risikobewertungssystem fĂŒr Cloud- und KI-Dienste ein – von SEAL-0 bis SEAL-4. Die sensibelsten öffentlichen Dienste – etwa im Verteidigungs- und Gesundheitswesen, geschĂ€tzt rund ein Prozent aller öffentlichen Workloads – mĂŒssen kĂŒnftig vollstĂ€ndig auf Technologie aus Drittstaaten verzichten. FĂŒr die ĂŒbrigen öffentlichen Aufgaben bleibt die Kommission pragmatisch. EU-Kommissarin Virkkunen betonte, das System sei kein pauschaler Ausschluss auslĂ€ndischer Anbieter. Ziel sei es, Risiken wie einen möglichen „Kill Switch" in kritischer Infrastruktur zu managen.

Der europĂ€ische Cloud-Markt wird derzeit von US-Anbietern dominiert: Microsoft Azure, Amazon Web Services und Google Cloud halten gemeinsam rund 70 Prozent. Um Alternativen zu fördern, vergab die EU kĂŒrzlich einen 180-Millionen-Euro-Cloud-Auftrag an ein europĂ€isches Konsortium mit OVHcloud, CleverCloud und STACKIT.

Chips Act 2.0: Europas Halbleiter-Offensive

Der Chips Act 2.0 baut auf dem VorgĂ€nger auf und will den europĂ€ischen Anteil am globalen Halbleitermarkt bis 2030 auf 20 Prozent verdoppeln. DafĂŒr sind Investitionen von schĂ€tzungsweise 120 Milliarden Euro nötig. Der Markt erreichte 2025 ein Volumen von rund 595 Milliarden Euro – Analysten erwarten, dass er bis 2030 die Billionen-Euro-Marke ĂŒberschreitet. KI-Komponenten sollen dann mehr als 70 Prozent dieses Wertes ausmachen.

Das Gesetz fĂŒhrt zudem Kriseninterventionsmechanismen, schnellere Genehmigungsverfahren fĂŒr Chipfabriken und ein „Exzellenz-Label" fĂŒr Halbleiter-Regionen ein. Hintergrund sind die anhaltenden Sorgen um globale Lieferketten – zuletzt hatte eine Chipkrise mit asiatischen Zulieferern 2025 die Verwundbarkeit Europas offengelegt.

Milliardeninvestitionen und politische Umsetzung

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Die Kommission hat einen ambitionierten Investitionsfahrplan vorgelegt: 200 Milliarden Euro an privaten Investitionen bis 2036, ergĂ€nzt durch 100 Milliarden Euro speziell fĂŒr Cloud und KI. Ein symboltrĂ€chtiger Schritt zur digitalen UnabhĂ€ngigkeit ist bereits erfolgt: Das EuropĂ€ische Parlament hat seine interne Suche auf die französische Suchmaschine Qwant umgestellt.

KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen stellte klar, dass die AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischer Technologie fĂŒr KrankenhĂ€user, Stromnetze und öffentliche Dienste nicht lĂ€nger tragbar sei.

Das Paket geht nun an das EuropĂ€ische Parlament und den Rat zur Debatte. WĂ€hrend einige Abgeordnete die Regeln als zu nachsichtig gegenĂŒber auslĂ€ndischen Firmen kritisieren, warnen US-WirtschaftsverbĂ€nde vor Protektionismus bei öffentlichen AuftrĂ€gen. NĂ€chste Woche wollen die EU-Minister bei einem Treffen in Luxemburg weiter beraten.

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