EU-Wallet, IDnow

EU-Wallet: IDnow warnt vor Sicherheitsrisiken bei Start 2026

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 01:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine IDnow-Umfrage zeigt ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber digitalen IdentitĂ€ten. Die EU-Kommission hĂ€lt dennoch am Start der EUDI-Wallet bis Ende 2026 fest.

IDnow warnt vor Akzeptanzproblemen bei geplanter EU-Wallet
Ein minimalistisches, leeres Atrium eines modernen öffentlichen GebÀudes mit polierten Steinböden und GlaswÀnden. Illustration mit AI erstellt.

Der IdentitĂ€tsspezialist IDnow hat öffentlich erhebliche Vorbehalte hinsichtlich der Sicherheit und des Vertrauensniveaus bei der geplanten EinfĂŒhrung der EU-Wallet geĂ€ußert.

In Berichten von Mitte September wurde deutlich, dass das Unternehmen die Akzeptanz der digitalen Lösung durch die BĂŒrger gefĂ€hrdet sieht. Philippe Morel, Chef von IDnow, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verbraucher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht von dem Konzept ĂŒberzeugt seien.

Umfrage belegt Skepsis der Verbraucher

Eine von IDnow durchgefĂŒhrte Untersuchung unter 2.000 Erwachsenen in Deutschland und Frankreich verdeutlicht die ZurĂŒckhaltung gegenĂŒber digitalen IdentitĂ€tssystemen. Bei der IdentitĂ€tsprĂŒfung zur Eröffnung eines Bankkontos bevorzugen demnach 24% der Befragten weiterhin die persönliche Identifikation.

Lediglich 14% gaben an, eine digitale IdentitĂ€ts-Wallet fĂŒr diesen Zweck zu favorisieren. Ein wesentlicher Grund fĂŒr die Skepsis scheint in der Nutzerfreundlichkeit zu liegen: Laut der Umfrage haben bereits 46% der Teilnehmer Transaktionen abgebrochen, weil ihnen die IdentitĂ€tsprĂŒfungen zu kompliziert erschienen.

Dennoch gibt es laut den Ergebnissen Bedingungen, unter denen die Akzeptanz steigen könnte. So erklĂ€rten 63% der Befragten, dass sie die sogenannte EUDI-Wallet (EU Digital Identity Wallet) eher nutzen wĂŒrden, wenn sie damit lediglich ihr Alter bestĂ€tigen könnten, ohne dabei sĂ€mtliche persönlichen Daten vollstĂ€ndig offenlegen zu mĂŒssen.

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Ambitionierter Zeitplan der EU-Kommission

Trotz der geĂ€ußerten Bedenken hĂ€lt die EU-Kommission an ihrem Ziel fest, die EUDI-Wallet bis Ende 2026 zu starten. GemĂ€ĂŸ der eIDAS-2.0-Verordnung muss jeder Mitgliedstaat bis zu diesem Zeitpunkt eine eigene App auf Basis gemeinsamer Standards bereitstellen.

Aktuell beteiligen sich rund 550 Unternehmen und Behörden aus der EU sowie aus Norwegen, Island und der Ukraine an sechs großangelegten Pilotprojekten, in denen mehr als 11 AnwendungsfĂ€lle erprobt werden.

Der Fortschritt in den einzelnen Mitgliedstaaten ist dabei sehr unterschiedlich. WĂ€hrend Italien, Frankreich, Finnland und Bulgarien als Vorreiter gelten und bereits weit fortgeschritten sind, befindet sich Deutschland gegenwĂ€rtig noch in der Prototypenphase. Schweden plant die Veröffentlichung der Wallet erst fĂŒr den Zeitraum 2028 oder 2029.

Kritik an technischer Struktur und Transparenz

Neben IDnow melden sich auch weitere kritische Stimmen zu Wort. Thomas Lohninger, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Organisation epicenter, warnte vor der Gefahr eines „Single Point of Failure“ und einer möglichen Über-Identifizierung der BĂŒrger durch das neue System.

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In der Schweiz reichte Richard Koller zudem Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Bern gegen die Informationspolitik zum E-ID-Gesetz ein. Er wirft den Behörden vor, die Stimmberechtigten einseitig informiert und Risiken der Bundeswallet „Swiyu“ verschwiegen zu haben.

Auch in Österreich sorgt die kĂŒnftige IdentitĂ€tspolitik fĂŒr Diskussionen. Ein aktueller Gesetzesentwurf zur Alterskontrolle bei Videoplattformen, der bis zum 22.09.2026 zur Begutachtung im Parlament liegt, sieht vor, dass Nutzer von Diensten wie Youtube, Tiktok und Instagram ihre Ausweisdaten bei IdentitĂ€tsprovidern hinterlegen mĂŒssen.

Die Organisation Epicenter.works kritisierte dieses Vorhaben als faktische Ausweispflicht im digitalen Raum. Dies sei angesichts der Reichweite dieser Plattformen – Youtube erreicht in Österreich mehr als 80% der Nutzer, wĂ€hrend Instagram dort ĂŒber 3 Mio. Accounts verzeichnet – ein weitreichender Eingriff.

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de | wissenschaft | 70107543 |