EuGH-Urteil, Fahrtzeiten

EuGH-Urteil: Fahrtzeiten zĂ€hlen als Arbeitszeit fĂŒr zwei Millionen

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 10:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mikrozensus 2025 zeigt: 7,1 Prozent der VollzeitkrĂ€fte arbeiten ĂŒber 49 Stunden. Besonders SelbststĂ€ndige und Ältere sind betroffen.

Arbeitszeit in Deutschland: SelbststÀndige besonders betroffen
Ein moderner Schreibtisch in einem BĂŒro am spĂ€ten Abend mit Laptop und Unterlagen, symbolisch fĂŒr Überstunden und Arbeit. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

7,1 Prozent der VollzeiterwerbstĂ€tigen in Deutschland arbeiten mindestens 49 Stunden pro Woche. Das zeigen aktuelle Daten des Mikrozensus fĂŒr 2025. Besonders betroffen sind SelbststĂ€ndige.

SelbststÀndige tragen die Hauptlast

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit fĂŒr VollzeitbeschĂ€ftigte liegt bei 40,2 Stunden. Doch die Unterschiede sind gewaltig: 44,5 Prozent der SelbststĂ€ndigen mit BeschĂ€ftigten arbeiten mehr als 49 Stunden. Bei Solo-SelbststĂ€ndigen sind es immerhin 23 Prozent. Zum Vergleich: Nur 4,1 Prozent der abhĂ€ngig BeschĂ€ftigten erreichen solche Werte.

Auch abends wird lĂ€nger gearbeitet. Rund 30,8 Prozent der SelbststĂ€ndigen mit BeschĂ€ftigten sind regelmĂ€ĂŸig zwischen 18 und 23 Uhr im Einsatz. Bei Arbeitnehmern sind es nur 13,4 Prozent.

Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle. WĂ€hrend bei den 15- bis 24-JĂ€hrigen nur 1,4 Prozent ĂŒberlange Arbeitszeiten haben, steigt der Anteil bei den 55- bis 64-JĂ€hrigen auf 9,6 Prozent.

GehĂ€lter steigen – ProduktivitĂ€t stagniert

Das Median-Bruttomonatsentgelt fĂŒr VollzeitbeschĂ€ftigte liegt 2025 bei 4.217 Euro. Das ist ein Plus von 5,1 Prozent zum Vorjahr. Klingt gut – doch Ökonomen bleiben skeptisch. Grund: Die ProduktivitĂ€t ist zwischen 2022 und 2024 gesunken. Gleichzeitig stiegen die LohnstĂŒckkosten in der Industrie von 2018 bis 2024 um 18 Prozent.

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Die regionalen Unterschiede bleiben riesig. In Hamburg verdienen VollzeitkrÀfte im Median 4.768 Euro, in Mecklenburg-Vorpommern nur 3.497 Euro. Auch die Qualifikation entscheidet: Akademiker kommen auf 6.146 Euro, BeschÀftigte ohne Berufsabschluss auf 3.133 Euro.

In der Politik sorgte zuletzt ein Vergleich mit der Schweiz fĂŒr Diskussionen. Der Bundeskanzler hatte behauptet, dort werde jĂ€hrlich 200 Stunden mehr gearbeitet. Das stimmt nur bedingt. Schweizer VollzeitkrĂ€fte arbeiten zwar 42,5 Stunden pro Woche (Deutsche: 38,4). Rechnet man TeilzeitkrĂ€fte und das Renteneintrittsalter mit ein, schrumpft die Differenz auf unter 50 Stunden pro Jahr. Marktforscher warnen: LĂ€ngere Arbeitszeiten bedeuten nicht automatisch mehr ProduktivitĂ€t.

Alleinerziehende besonders gefordert

1,62 Millionen Alleinerziehende leben in Deutschland – 84,4 Prozent von ihnen sind MĂŒtter. Sie arbeiten hĂ€ufiger in Vollzeit als MĂŒtter in Paarfamilien: 38,6 zu 30,7 Prozent. Trotzdem bleiben sie armutsgefĂ€hrdet. Die Quote liegt bei 28,9 Prozent, bei Paaren mit Kindern bei 12,0 Prozent.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich im Juni 2026 mit einer Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent. 2,93 Millionen Menschen sind ohne Job, davon 1,13 Millionen langzeitarbeitslos. Gleichzeitig sind 41,3 Prozent der ErwerbstÀtigen ab 25 Jahren seit mindestens zehn Jahren beim selben Arbeitgeber.

EuGH-Urteil: Fahrtzeiten zÀhlen als Arbeitszeit

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Der EuropĂ€ische Gerichtshof hat eine wichtige Entscheidung getroffen: Fahrten im Firmenwagen zu wechselnden Einsatzorten mĂŒssen als Arbeitszeit gewertet werden – wenn der Arbeitgeber Treffpunkt, Fahrzeug und Abfahrtszeit vorgibt.

Davon könnten ĂŒber zwei Millionen BeschĂ€ftigte profitieren. Betroffen sind Branchen wie Bau, Handwerk oder Pflege-Außendienst. Bei einem Mindestlohn von 13,90 Euro (seit 1. Januar 2026) ergeben sich zusĂ€tzliche tĂ€gliche LohnansprĂŒche von 15 bis 20 Euro. Juristen weisen allerdings darauf hin: Tarifvertragliche Ausschlussfristen begrenzen rĂŒckwirkende AnsprĂŒche oft auf drei bis sechs Monate.

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