Euro-Office 1.0: Europas Open-Source-Alternative zu Microsoft
13.06.2026 - 19:06:35 | boerse-global.de
0 eine souverĂ€ne Open-Source-Alternative zu den dominierenden US-ProduktivitĂ€tsplattformen veröffentlicht. Die browserbasierte Suite fĂŒr Dokumente, Tabellen und PrĂ€sentationen markiert einen wichtigen Schritt in der EU-Strategie zur Verringerung der AbhĂ€ngigkeit von amerikanischen Softwareanbietern.
Ein Konsortium fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t
Die Entwicklung von Euro-Office wird von einem breiten BĂŒndnis europĂ€ischer Unternehmen getragen. Dazu gehören Nextcloud, IONOS, Eurostack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian, BTactic und Open-Xchange. Die Suite ist in Plattformen wie Nextcloud Hub 26 und Proton Docs integriert, wobei die Host-Plattform jeweils Speicherung und Dateifreigabe ĂŒbernimmt.
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Technisch basiert Euro-Office auf OnlyOffice, einer ProduktivitĂ€tssuite mit UrsprĂŒngen in Russland. Die Entscheidung zur Abspaltung des Codes begrĂŒndeten die Koalitionsmitglieder mit begrenzten externen BeitrĂ€gen zum Originalprojekt und sich Ă€ndernden geopolitischen Rahmenbedingungen. Die Software steht unter der AGPLv3-Lizenz.
Erste Nutzerberichte zeigen jedoch, dass in der stabilen Version noch OnlyOffice-Markenzeichen sichtbar sind. Auch die BenutzeroberflĂ€che weist veraltete MenĂŒs und teils komplexe Konfigurationsoptionen auf. Branchenbeobachter bezeichnen die aktuelle Version daher eher als technische Vorschau denn als ausgereiftes Verbraucherprodukt.
Streit um Dateiformate spaltet Open-Source-Gemeinde
Ausgerechnet das Ziel digitaler SouverĂ€nitĂ€t hat eine Debatte innerhalb der Open-Source-Community entfacht. Euro-Office 1.0 verwendet Microsofts Office Open XML (OOXML) als Standardformat â eine Entscheidung, die der KompatibilitĂ€t bei Migrationen von proprietĂ€ren Systemen dienen soll.
Scharfe Kritik kommt von der Document Foundation, der Organisation hinter LibreOffice. Deren Vertreter argumentieren, dass die Bevorzugung von OOXML gegenĂŒber dem offenen Open Document Format (ODF) Microsofts Marktdominanz weiter zementiere. Wahre SouverĂ€nitĂ€t erfordere die Kontrolle ĂŒber Dateistandards, nicht nur ĂŒber den Standort der Server.
Nextclouds Christoph Weissthaner rĂ€umte die HĂŒrden ein, die proprietĂ€re Formate schaffen. Das Projekt wolle die ODF-UnterstĂŒtzung jedoch schrittweise verbessern. In einem kĂŒnftigen groĂen Update soll ODF dann zum Standard werden.
SicherheitsprĂŒfung und öffentliche AuftrĂ€ge
Die AbhĂ€ngigkeit von Code aus russischen Zeitzonen â SchĂ€tzungen zufolge stammen mehr als 98 Prozent der Dokumenten-Engine aus dieser Quelle â hat Sicherheitsbedenken ausgelöst. Nextcloud kĂŒndigte an, den Code einer grĂŒndlichen PrĂŒfung zu unterziehen, um die EU-Sicherheitsstandards zu erfĂŒllen.
Das öffentliche Interesse ist bereits spĂŒrbar. Die Stadt MĂŒnchen plant, bis 2027 rund 5.000 Mitarbeiter auf die Suite umzustellen. Ein dreijĂ€hriges Förderpaket in Höhe von zwölf Millionen Euro unterstĂŒtzt das Vorhaben. In der ersten Woche nach der Veröffentlichung wurde die Software mehr als 80.000 Mal heruntergeladen.
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AusbauplĂ€ne und kommerzielle VerfĂŒgbarkeit
Aktuell ist Euro-Office ĂŒber spezifische Integrationen wie Nextcloud Hub 26 Spring nutzbar. Die Koalition arbeitet daran, die Reichweite zu vergröĂern. IONOS will die Integration bis SpĂ€tsommer 2026 abschlieĂen, XWiki soll im vierten Quartal folgen. FĂŒr Organisationen, die verwaltete Lösungen bevorzugen, steht unter der Domain Office.eu ein kommerzieller Hosting-Dienst bereit.
Die Veröffentlichung von Euro-Office reiht sich ein in andere europĂ€ische Bestrebungen, die AbhĂ€ngigkeit von US-Technologie zu verringern. Das EuropĂ€ische Parlament nutzt bereits die Suchmaschine Qwant, die niederlĂ€ndische Regierung hostet Code in eigenen Repositories statt auf GitHub. Ob die Strategie der âpragmatischen KompatibilitĂ€t" tatsĂ€chlich Nutzer von den etablierten US-Cloud-Suiten abziehen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
