Europas Umwelt krÀnkelt - und das hat Folgen
29.09.2025 - 04:30:13Trotz groĂer Fortschritte im Kampf gegen hohe Emissionen und Luftverschmutzung steht es um die Umwelt in Europa insgesamt nicht gut. Zu dieser EinschĂ€tzung kommt die EuropĂ€ische Umweltagentur (EEA) in einem neuen Bericht. Die europĂ€ische Natur mĂŒsse unter anderem mit zunehmend schlechteren Umweltbedingungen, Ăberbeanspruchung und Artensterben fertig werden, warnt die in Kopenhagen ansĂ€ssige EU-Behörde. Eine weitere groĂe Herausforderung seien die Folgen des zunehmenden Klimawandels.
Dem Bericht zufolge sind die Aussichten fĂŒr die Umwelt in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. Dies bringe auch groĂe Gefahren fĂŒr den wirtschaftlichen Wohlstand, die Sicherheit und den Lebensstandard in Europa mit sich. Die Umsetzung von bereits vereinbarten Richtlinien und MaĂnahmen mĂŒsse daher dringend beschleunigt werden.
Gefahren fĂŒr Wohlstand, Sicherheit und Lebensstandard
JĂŒngste Extremwetterereignisse hĂ€tten gezeigt, wie anfĂ€llig Wohlstand und Sicherheit seien, wenn die Natur zerstört werde und sich die Klimawandelfolgen verstĂ€rkten, erklĂ€rte die VizeprĂ€sidentin der EU-Kommission, Teresa Ribera. Der Schutz der Natur sei daher kein Kostenpunkt, sondern eine Investition in WettbewerbsfĂ€higkeit, WiderstandsfĂ€higkeit und Wohlbefinden der BĂŒrger.
«Wir können es uns nicht leisten, unsere Ambitionen bei Klima, Umwelt und Nachhaltigkeit zu senken», forderte die EEA-Exekutivdirektorin Leena YlĂ€-Mononen. Der Umweltbericht zeige deutlich auf, warum man handeln mĂŒsse.Â
Darum ist die EU ein Vorreiter bei Klima- und Umweltschutz
Der Bericht ist die europaweit umfassendste Analyse zur aktuellen Lage von Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit in der Region. Er fuĂt auf Daten aus 38 Staaten aus der EU und darĂŒber hinaus und wird von der EEA nur alle fĂŒnf Jahre veröffentlicht. Auch umfassende Daten aus Deutschland sind in den Bericht eingeflossen.
Die Autoren machen kein Geheimnis daraus, dass die EuropĂ€ische Union ein globaler Vorreiter in Sachen Klimaschutz ist. Die klimaschĂ€dlichen Treibhausgasemissionen seien in der EU vor allem dank der Verringerung des Gebrauchs von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Ăl und Gas seit 1990 um 37 Prozent zurĂŒckgegangen, wĂ€hrend sich der Anteil der erneuerbaren Energien seit 2005 verdoppelt habe.
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Gut voran sei es auĂerdem bei der Verbesserung der LuftqualitĂ€t, beim Recyceln von MĂŒll und der Ressourceneffizienz gegangen. Weitere Fortschritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit, darunter etwa Innovationen und Jobs in grĂŒnen Branchen, geben demnach ebenfalls Grund zur Hoffnung.
Diese Probleme machen der europĂ€ischen Umwelt zu schaffenÂ
Das ist die positive Seite der Medaille. Zugleich ringt Europa mit einer ganzen Reihe an komplexen Umweltproblemen, wie der Bericht auflistet: Die Artenvielfalt ist sowohl an Land als auch im Wasser auf dem RĂŒckzug, weil ihr unnachhaltige Produktions- und Konsummuster vor allem im ErnĂ€hrungssystem zu schaffen machen. Gleichzeitig stehen die Wasserressourcen krĂ€ftig unter Druck - vor allem, aber nicht nur, in SĂŒdeuropa.Â
Auch die MobilitÀt wird im Bericht - neben der Landwirtschaft - als Sorgenkind betrachtet. Der Verkehrssektor sei noch immer stark von fossilen Brennstoffen abhÀngig, moniert die EEA.
Europa ist zudem der Kontinent, der sich im Zuge der Klimakrise am schnellsten aufheizt - dem Bericht zufolge zweimal so schnell wie der globale Durchschnitt. «Das Klima verĂ€ndert sich in einem alarmierenden Tempo, was Sicherheit, die öffentliche Gesundheit, Ăkosysteme, Infrastruktur und die Wirtschaft bedroht», wird in dem Bericht gewarnt.
Angesichts dieser Herausforderungen mĂŒsse ein Umdenken beim Zusammenspiel zwischen Wirtschaft und Umwelt stattfinden. Nur durch die Wiederherstellung der natĂŒrlichen Umwelt werde es Europa möglich sein, eine wettbewerbsfĂ€hige Wirtschaft aufrechtzuerhalten - und mit ihr eine hohe LebensqualitĂ€t fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger.
Europaabgeordnete: Artensterben bedroht unsere Lebensgrundlagen
«Europa erlebt ein stilles Massensterben und damit eine der gröĂten Bedrohungen fĂŒr unsere Wirtschaft, unsere Heimat und unsere Sicherheit», erklĂ€rte die umweltpolitische Sprecherin der Europafraktion der GrĂŒnen, Jutta Paulus. Allein in Deutschland sei bereits jede vierte Tier- und Pflanzenart vom Aussterben bedroht. «Mit jeder totgedĂŒngten Wiese, jedem sterbenden Wald und jedem ausgetrockneten Fluss verlieren wir nicht nur ein StĂŒck Natur, sondern auch das Fundament unserer ErnĂ€hrungssicherheit», so Paulus.Â
Intakte Ăkosysteme bezeichnete sie als «unsere Ăberlebensversicherung». Sie lieferten saubere Luft, trinkbares Wasser und fruchtbare Böden. «Wer Arten schĂŒtzt, sichert mit der Vielfalt der Natur auch unser Ăberleben», betonte die Europaabgeordnete.
Die Umweltschutzorganisation WWF Deutschland bezeichnete den EEA-Bericht als einen «erneuten Weckruf» sowohl an die EU-Kommission als auch an die EU-Staaten, Umwelt- und Naturschutz jetzt konsequent umzusetzen. «Die StabilitĂ€t unserer Wirtschaft und damit unserer Gesellschaft hĂ€ngt massiv von gesunden WĂ€ldern, Meeren, Böden oder FlĂŒssen ab», betonte der WWF-BiodiversitĂ€tsexperte Matthias MeiĂner. Die steigende Anzahl an klimawandelbedingten Extremwetterbedingungen wirke sich zusĂ€tzlich destabilisierend auf Deutschland und Europa aus.
Deutschland mit Problemen beim Artenschutz und Verkehr
Apropos Deutschland: Die Bundesrepublik habe seine Klima- und UmweltschutzbemĂŒhungen intensiviert, heiĂt es im entsprechenden EEA-LĂ€nderprofil. Besonderes Augenmerk werde hierzulande auf erneuerbare Energien und die Artenvielfalt gelegt. Trotz Fortschritten bei der ökologischen Landwirtschaft und beim Schutz natĂŒrlicher Gebiete setze sich der Artenverlust aber weiter fort. Und trotz der Tatsache, dass sich die Energiewende beschleunige, werde im Verkehr und beim Heizen nach wie vor zu stark auf fossile Brennstoffe gesetzt.Â
Dank des Deutschlandtickets nutzten die BundesbĂŒrger zwar hĂ€ufiger öffentliche Verkehrsmittel. «Echte VerĂ€nderung braucht aber bessere Infrastruktur», heiĂt es.







