Excel: Microsoft hebt die 40 Jahre alte Regel âeine Zelle, ein Wertâ auf
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 16:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer AnkĂŒndigung vom 24. September 2026 hat Microsoft eine grundlegende Ănderung an der Architektur von Excel vorgestellt. Die neue Version, die sich derzeit in einer Testphase befindet, erlaubt erstmals die Speicherung und Verarbeitung mehrerer Werte innerhalb einer einzelnen Zelle. Damit bricht das Unternehmen mit dem seit 40 Jahren bestehenden Prinzip der Software, nach dem pro Zelle lediglich ein einzelner Datenpunkt zulĂ€ssig war.
Excel-Produktmanager Jake Armstrong erlĂ€uterte in einem Blogbeitrag am Tag der AnkĂŒndigung, dass die Geschichte der Tabellenkalkulation bislang fest an die Regel âeine Zelle, ein Wertâ gebunden gewesen sei. Diese BeschrĂ€nkung werde nun aufgehoben, um komplexere Datenstrukturen wie Listen, Arrays und sogar verschachtelte Arrays direkt in einer Zelle zu ermöglichen.
Listenfunktion und neue Bearbeitungsmöglichkeiten
Die EinfĂŒhrung von Listen innerhalb von Zellen markiert einen zentralen Bestandteil der Aktualisierung. Nutzer können diese ĂŒber das MenĂŒ âEinfĂŒgen > Listeâ oder das TastenkĂŒrzel Strg+J erstellen. Die Trennung der einzelnen Werte erfolgt je nach regionaler Einstellung durch Kommata oder Semikolons; in Testphasen wurden zudem Trenner wie Doppelpunkte oder vertikale Striche (Pipes) erprobt.
Zellen, die eine Liste enthalten, werden durch ein spezielles Listen-Icon gekennzeichnet. Die Bearbeitung der Inhalte erfolgt per Doppelklick oder ĂŒber die Taste F2. Ein wesentlicher funktionaler Fortschritt zeigt sich in der Filterfunktion: Diese ermöglicht es nun, einzelne Elemente innerhalb einer Liste auszuwĂ€hlen, anstatt nur den gesamten Textstring der Zelle zu filtern. Zudem sind die ListeneintrĂ€ge individuell berechenbar.
Arrays und verschachtelte Strukturen
Neben einfachen Listen unterstĂŒtzt die neue Excel-Version auch Arrays innerhalb von Zellen. So bleibt eine Eingabe wie â={1;2;3}â in einer einzigen Zelle erhalten, ohne dass die Werte in benachbarte Zellen flieĂen. Dies verhindert unter anderem den sogenannten â#SPILL!â-Fehler in Tabellen. Diese Arrays können eine beliebige GröĂe und Form annehmen und wiederum weitere Arrays enthalten.
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Bisher fĂŒhrten solche verschachtelten Strukturen hĂ€ufig zu verkĂŒrzten Ergebnissen oder Fehlermeldungen wie â#CALC!â. In der neuen Version wird die vollstĂ€ndige Struktur beibehalten. Um diese komplexen Daten zu verarbeiten, fĂŒhrt Microsoft vier neue Funktionen ein: âFLATTENâ zum Entfernen von Verschachtelungsebenen sowie âHASâ, âHASANYâ und âHASALLâ zur ĂberprĂŒfung von Array-Inhalten.
Technische Spezifikationen und EinschrÀnkungen
Die KapazitĂ€t der neuen Zellinhalte ist durch das allgemeine Excel-Limit von 32.767 Zeichen pro Zelle begrenzt. Ăberlaufende Daten werden ohne Fehlermeldung abgeschnitten. Die Funktion âType()â gibt fĂŒr Zellen mit Listen oder Arrays den Wert 64 zurĂŒck, was dem Standard fĂŒr Arrays entspricht. Eine spezifische Funktion âIsList()â steht derzeit nicht zur VerfĂŒgung.
Trotz der erweiterten FlexibilitĂ€t bestehen erhebliche funktionale EinschrĂ€nkungen in der aktuellen Beta-Version. So werden Pivot-Tabellen, Power Query, Diagramme und die Datenvalidierung fĂŒr die neuen Strukturen nicht unterstĂŒtzt.
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Auch die Funktion âSuchen und Ersetzenâ fĂŒr einzelne Elemente innerhalb einer Liste sowie die bedingte Formatierung â sofern sie nicht formelbasiert ist â lassen sich derzeit nicht anwenden. Berechnungen mit verschachtelten Arrays setzen zudem die âCompatibility Version 3â voraus, was Auswirkungen auf bestehende Formelergebnisse haben kann.
VerfĂŒgbarkeit und KompatibilitĂ€t
Die neue FunktionalitĂ€t ist als Opt-in-Vorschau zunĂ€chst ausschlieĂlich fĂŒr Microsoft 365 Insider im Beta-Kanal verfĂŒgbar. Voraussetzung ist fĂŒr Windows-Nutzer die Version 2610 (Build 20520.20000 oder höher) und fĂŒr Mac-Nutzer die Version 16.114 (Build 26092111 oder höher). Im regulĂ€ren Excel-Abonnement ist das Feature noch nicht enthalten.
Da die interne Darstellung im XML-Format der .xlsx-Dateien noch nicht abschlieĂend geklĂ€rt ist, bleibt die KompatibilitĂ€t mit Drittanbietersoftware wie Google Sheets, LibreOffice oder Datenanalyse-Tools wie pandas und openpyxl ungewiss.
Microsoft weist darauf hin, dass der Rollout schrittweise erfolgt und Funktionen wĂ€hrend der Testphase geĂ€ndert, pausiert oder entfernt werden können. Das Unternehmen rĂ€t daher ausdrĂŒcklich davon ab, die neuen Funktionen bereits in kritischen Arbeitsmappen einzusetzen. Nach Abschluss der Testphase ist eine allgemeine Veröffentlichung fĂŒr alle Nutzer geplant.
