Exilby: Cannabis-Medikament senkt Rückenschmerzen stärker als Opioide
12.06.2026 - 20:50:50 | boerse-global.de
Ab September könnte ein neues Medikament auf Cannabis-Basis verschrieben werden – vorausgesetzt, die Preisverhandlungen laufen.
Exilby: Weniger Opioid, weniger Risiko
Das Münchner Pharmaunternehmen Vertanical erhielt am 11. Juni die Zulassung für Exilby in Deutschland und Österreich. Das Präparat ist ein standardisierter Cannabis-Extrakt mit festgelegten THC- und CBD-Anteilen. Es soll bei chronischen Rückenschmerzen mit neuropathischer Komponente sowie chronischen Kreuzschmerzen helfen.
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Die Zulassung basiert auf acht Jahren Forschung. In Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten zeigte sich: Exilby senkte die Schmerzen um 2,50 Punkte auf der Bewertungsskala. Eine Vergleichsgruppe unter Opioid-Behandlung erreichte 2,16 Punkte. Entscheidender Vorteil: Das Risiko für Verstopfung liegt viermal niedriger. Ein signifikantes Abhängigkeitsrisiko stellten die Forscher nicht fest.
Jährlich werden in Deutschland rund 20 Millionen Opioid-Rezepte ausgestellt. Die Hoffnung: Cannabinoide könnten einen Teil dieser Verschreibungen ersetzen.
Preisverhandlungen entscheiden über Marktstart
Der Marktstart ist für September 2026 geplant – aber nicht sicher. Exilby durchläuft das AMNOG-Verfahren (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz). Der Hersteller muss einen Zusatznutzen gegenüber bestehenden Therapien nachweisen, um einen Erstattungspreis zu rechtfertigen.
Unternehmensgründer Clemens Fischer (Healthcare-Gruppe Futrue) stellt klar: Die Markteinführung hängt von einer wirtschaftlich tragfähigen Einigung mit den gesetzlichen Krankenkassen ab. Das Problem: Viele etablierte Opioide sind als günstige Generika verfügbar. Das Bundesministerium für Gesundheit lehnte eine Einmischung in die Preisgestaltung ab und verwies auf die standardisierten Verhandlungswege.
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Nächster Schritt: USA und Großbritannien
Vertanical denkt global. Für den US-Markt läuft bereits eine Phase-3-Studie. Eine Zulassung durch die US-Behörden wird für 2028 oder 2029 erwartet. Auch Großbritannien bereitet sich auf die Marktzulassung vor.
Dort trifft Vertanical auf Konkurrenz: Vertex verkauft sein Produkt Journavx seit 2025 in den USA. Das Münchner Unternehmen plant zudem, die Indikationen auszuweiten – etwa auf diabetische Polyneuropathie und Arthrose.
Tilray bringt erste deutsche Premium-Marke
Parallel zu Exilby entwickelt sich der Markt für medizinisches Cannabis weiter. Am 10. Juni kündigte Tilray Medical Deutschland die Marke ARX an – nach eigenen Angaben die erste in Deutschland entwickelte und angebaute Premium-Marke für medizinisches Cannabis.
Die Produktion läuft in Neumünster unter europäischen Qualitätsstandards (EU-GMP). Der Trend ist klar: Medizinisches Cannabis wird als standardisierte Therapieoption etabliert, die Abhängigkeit von Importen sinkt.
Experten mahnen jedoch zur Besonnenheit. Trotz klinischer Fortschritte müsse die Erwartungshaltung sachlich bleiben – nur so sei langfristiger therapeutischer Erfolg möglich.
