EZB-Netzwerk für den digitalen Euro: Zwei Konsortien erhalten Zehnjahresverträge
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Europäische Zentralbank (EZB) hat zwei Bietergemeinschaften als Netzwerkdienstleister für die Infrastruktur des digitalen Euro ausgewählt. Den Zuschlag erhielten zum einen eine temporäre Partnerschaft aus Nexi Payments S.p.A. und der Deutsche Telekom Business Solutions GmbH sowie zum anderen ein Konsortium bestehend aus Telefónica de España S.A.U., Telefónica Global Solutions S.L.U. und Indra Soluciones Tecnologías de la Informationen S.L.U. Durch die Doppelvergabe will die Notenbank Ausfallsicherheit gewährleisten und die Abhängigkeit von einzelnen Monopolen verhindern.
Zeitplan und Ausgestaltung der Zehnjahresverträge
Die beiden Dienstleister übernehmen den Aufbau und Betrieb der Kommunikationsnetze auf Basis von Zehnjahresverträgen. Die Vereinbarung mit dem erstplatzierten Konsortium aus Nexi und der Deutschen Telekom ist bereits seit dem 28. September 2026 in Kraft und deckt zunächst die anstehende Pilotphase ab. Der Vertrag mit der zweitplatzierten Gruppe um Telefónica und Indra beginnt am 3. Mai 2027.
Ab 2029 sollen beide Netzwerkdienstleister einsatzbereit sein, um eine mögliche Ausgabe des digitalen Euro technisch zu tragen, sofern der EZB-Rat einen entsprechenden Beschluss fasst.
Zuvor ist für die zweite Jahreshälfte 2027 eine zwölfmonatige Pilotphase vorgesehen, an der 36 Zahlungsdienstleister, ausgewählte Händler sowie Beschäftigte der EZB und der 19 nationalen Zentralbanken teilnehmen sollen. Parallel dazu wird der rechtliche Rahmen weiterhin im Europäischen Parlament verhandelt, wobei sich eine ursprünglich für Mai angesetzte Abstimmung verschieben könnte.
Der geschätzte Auftragswert für die Netzwerkdienste liegt bei 81,42 Millionen Euro ohne Mehrwertsteuer. Das vertraglich festgelegte Maximum beläuft sich auf 177,66 Millionen Euro, wobei die Vereinbarungen keine garantierten Mindesteinnahmen vorsehen.
Technische Infrastruktur und Aufgaben der Partner
Die Netzwerke verbinden die Rechenzentren der Digital Euro Service Platform und sichern den Zugriff für Geschäftsbanken, Zahlungsdienstleister und nationale Zentralbanken des Eurosystems. Alle Zahlungsdienstleister können künftig frei wählen, über welchen der beiden Dienstleister sie sich anbinden.
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Nexi und die Deutsche Telekom stellen eine elastische Plattform für End-to-End-Transaktionen und variable Volumina bereit. Nexi-Chef Bernardo Mingrone sprach von einem bedeutenden industriellen Meilenstein und sah darin die Rolle seines Unternehmens als strategischer Infrastrukturpartner im europäischen Zahlungsverkehr bestätigt. Die Deutsche Telekom verwies auf ihren Beitrag zur europäischen digitalen Souveränität.
Im spanischen Konsortium liefert Telefónica über spezialisierte Einheiten Netzwerklösungen wie MPLS, SD-WAN, VPN und Cybersicherheitsdienste. Minsait, ein Unternehmen der Indra-Gruppe, steuert Programmierschnittstellen, Systeme für digitale Identitäten, Zertifikatsverwaltungen und das Sicherheitskontrollzentrum bei. Neben Standardübertragungen soll die Technologie auch Offline-Zahlungen ermöglichen.
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Verringerung internationaler Abhängigkeiten
Mit der Bereitstellung einer europäischen Netzinfrastruktur verfolgt das Eurosystem strategische Ziele im Zahlungsverkehr. Laut Angaben der Notenbank hängen derzeit zwei Drittel aller Kartentransaktionen im Euroraum von internationalen Systemen ab, während 13 Euro-Länder über kein eigenes nationales Kartensystem verfügen.
Ein digitaler Euro, der über eine EZB-App bereitgestellt werden soll, zielt darauf ab, die Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern wie PayPal, Apple Pay, Mastercard und Visa zu verringern. Die Zentralbank betont dabei regelmäßig, dass das digitale Zentralbankgeld als Ergänzung zum bestehenden Bargeld konzipiert ist und dieses nicht ersetzen soll.
