EZB startet TIPS-System: Euro-Zahlungen in zehn Sekunden
28.06.2026 - 20:31:46 | boerse-global.de
Finanzdienstleister und Technologieplattformen treiben die Modernisierung grenzüberschreitender Zahlungen mit Hochdruck voran. Die Integration von Stablecoins und dezentraler Infrastruktur verspricht schnellere Abwicklungen und niedrigere Kosten – ein Thema, das auch für deutsche Unternehmen und Verbraucher zunehmend relevant wird.
MoneyGram und Ripple setzen auf eigene Stablecoins
MoneyGram hat mit MGUSD einen eigenen, an den US-Dollar gekoppelten Stablecoin auf der Stellar-Blockchain eingeführt. Das digitale Zahlungsmittel ist zunächst in den USA verfügbar und soll über eine Self-Custodial-Wallet in die MoneyGram-App integriert werden. Unterstützt wird das Projekt von Partnern wie Bridge, M0 und Fireblocks. Ziel ist es, Abwicklungszeiten zu verkürzen, Transparenz zu erhöhen und Devisenkosten zu senken. MoneyGram plant, den Dienst schrittweise auf seine weltweit mehr als 60 Millionen Kunden auszuweiten.
Im asiatisch-pazifischen Raum launchte Ripple seinen Stablecoin RLUSD am 24. Juni 2026 in Japan. Die japanische Finanzaufsicht (JFSA) hatte zuvor grünes Licht gegeben. Der Vertrieb erfolgt über SBI VC Trade. Interessant: Auch Japans drei größte Banken – MUFG, SMBC und Mizuho – planen eigene Yen-Stablecoins noch in diesem Geschäftsjahr.
Ergänzend dazu unterzeichneten Nomura Holdings und Circle Internet Financial am 26. Juni 2026 eine Absichtserklärung. Gemeinsam wollen sie Stablecoin-basierte Abwicklungen und Collateral-Management von der Testphase in den operativen Betrieb überführen.
Bankenallianzen beschleunigen Devisenhandel
Die Modernisierung der grenzüberschreitenden Infrastruktur gewinnt auch durch groß angelegte Bankenkooperationen an Fahrt. Am 27. Juni 2026 stieß Chainlink zu Project Pangea, einem Konsortium aus über 47 europäischen und südkoreanischen Banken. Das Projekt strebt die Same-Day-Abwicklung (T+0) für den Handelskorridor Europa–Südkorea an, der ein jährliches Volumen von über 150 Milliarden US-Dollar umfasst. Das System nutzt regulierte Stablecoins, behält aber die bestehenden SWIFT-Nachrichtenstandards bei. Live-Transaktionen sind für Mitte 2027 geplant.
Die Europäische Zentralbank startet am 4. Juli 2026 ihr TARGET Instant Payment Settlement (TIPS)-System. Die Plattform wickelt Euro-Transaktionen in zehn Sekunden oder weniger ab – zu Kosten von gerade einmal 0,002 Euro pro Überweisung. Acht Banken aus Deutschland, Frankreich und Spanien haben sich bereits angeschlossen. Die erste Zahlung wird zwischen CaixaBank und Natixis erwartet.
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Soziale Medien als Zahlungsplattform
Die Plattform X (ehemals Twitter) rollt seit dem 26. Juni 2026 ihren Dienst „X Money“ für ausgewählte Premium+-Nutzer aus. Die Infrastruktur stammt von der Cross River Bank, einem langjährigen Ripple-Partner. Nutzer erhalten digitale Wallets, Peer-to-Peer-Zahlungen und Visa-Debitkarten. Die Einlagen sind bis zu zehn Millionen US-Dollar FDIC-versichert, und Guthaben werden verzinst. Eine direkte Kryptowährungsintegration gibt es bislang nicht.
Auch regionale Banken optimieren bestehende digitale Korridore. Die DBS Bank verzeichnet seit dem Start ihres Weixin-Pay-Wallet-Dienstes für Singapur-Nutzer im Februar 2026 einen achtfachen Anstieg der Transaktionsvolumina. Der durchschnittliche Überweisungsbetrag über DBS Remit liegt bei über 800 Singapur-Dollar.
Regulierung: Europa geht voran
Die Expansion digitaler Zahlungsdienste fällt mit einer Verschärfung der Regulierung in Europa zusammen. Seit dem 27. Juni 2026 hat die EU rund 230 Lizenzen unter der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets) vergeben. Deutschland führt bei den Genehmigungen für Krypto-Dienstleister und Stablecoin-Emittenten. Die Übergangsfrist für nicht lizenzierte Anbieter läuft aus.
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Kosten bleiben eine Herausforderung
Trotz aller technologischen Fortschritte bleiben die Kosten für internationale Überweisungen eine große Hürde. Weltweit liegen die Gebühren für Überweisungen im Durchschnitt bei rund sechs Prozent – fast doppelt so hoch wie das Drei-Prozent-Ziel der Vereinten Nationen. Zwar deutet ein Papier der US-Notenbank aus diesem Jahr darauf hin, dass Stablecoins grenzüberschreitende Reibungsverluste reduzieren könnten. Doch Branchenexperten betonen: Die Interoperabilität zwischen verschiedenen Netzwerken ist der entscheidende nächste Schritt, um die G20-Ziele bis 2027 zu erreichen.
Um die Risiken digitaler Transfers zu bekämpfen, setzen Unternehmen zunehmend auf automatisierte Compliance-Lösungen. Thunes arbeitet dazu mit Tookitaki zusammen und nutzt eine KI-gestützte Anti-Geldwäsche-Suite. Hintergrund: Illegale Finanzströme sind zuletzt jährlich um rund 20 Prozent gestiegen und erreichten 2025 ein Volumen von 4,4 Billionen US-Dollar.
