Fachärzte: 385 Millionen Fälle verschärfen die Warnung vor Versorgungskollaps
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Berufsverband der Niedergelassenen Gastroenterologen (bng) schließt sich der bundesweiten Kampagne „Versorgen statt Sparen" des Spitzenverbands Fachärztliche Versorgung (SpiFa) an.
Mit diesem Schritt machen die Fachärzte auf die zunehmenden Belastungsgrenzen in den Praxen aufmerksam und warnen vor einem drohenden Kollaps der ambulanten fachärztlichen Versorgung in Deutschland. Als zentrale Plattform der gemeinsamen Initiative dient das Portal versorgen-statt-sparen.de, über das über die Situation in den Praxen informiert wird.
Enorme Fallzahlen und wachsende Kritik an Kürzungsplänen
Nach Angaben des bng kommt der ambulanten fachärztlichen Versorgung eine fundamentale Rolle im deutschen Gesundheitssystem zu. Mit rund 385 Millionen Fällen bewältigen die niedergelassenen Fachärzte mehr als 25-mal so viele Fälle der gesetzlichen Krankenversicherung wie die Krankenhäuser. Zudem liegt das Fallaufkommen doppelt so hoch wie im hausärztlichen Bereich.
Vor diesem Hintergrund warnt der bng-Vorsitzende Dr. Ulrich Tappe vor den Folgen anhaltender Restriktionen. Er kritisiert eine gesundheitspolitische Spar- und Kürzungslogik, die ohne den notwendigen Blick für den künftigen Versorgungsbedarf agiere. Das Festhalten an solchen Maßnahmen gefährde die flächendeckende Betreuung der Patientinnen und Patienten nachhaltig.
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Fachärztliche Forderungen treffen auf gesundheitspolitische Agenda
Unterstützung für den Erhalt der ambulanten Strukturen kommt auch aus anderen medizinischen Disziplinen. Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) mahnt ebenfalls das Vorhalten ausreichender Ressourcen im Gesundheitssystem an, wie bdc.de am 28. September 2026 berichtete.
BDC-Präsident Prof. Dietmar Pennig verlangt eine gezielte Entlastung der Gesetzlichen Krankenversicherung von systemfremden Leistungen. Konkret nannte er hierbei die Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern. Gleichzeitig bezeichnete Pennig die wiederkehrende Debatte über eine Harmonisierung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung als reine Scheindebatte.
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Die Warnungen der Ärzteverbände fallen in eine Phase politischer Weichenstellungen im Bundesgesundheitsministerium. Minister Carsten Linnemann hatte am 23. September 2026 bei der Regierungsbefragung im Bundestag die Schwerpunkte seiner Reformvorhaben skizziert.
Auf seiner Agenda stehen eine verbesserte Patientensteuerung, sinkende Lohnnebenkosten sowie Verbesserungen bei der Rente für pflegende Angehörige. Im parlamentarischen Raum steht zudem Ende September der Beschluss über die Notfallreform im Bundestag an, während die Beratungen über das geplante Digitalgesetz für Oktober vorgesehen sind.
