Fachkräftemangel, Millionen

Fachkräftemangel: Vier Millionen Arbeitskräfte fehlen bis 2036

16.06.2026 - 23:51:48 | boerse-global.de

Trotz Konjunkturflaute bleibt der Fachkräftemangel das zentrale Problem. Firmen investieren in KI, Führungskompetenz und Weiterbildung.

Fachkräftemangel: Unternehmen setzen auf KI und Weiterbildung
Fachkräftemangel - Eine vielfältige Gruppe von Geschäftsleuten arbeitet in einem modernen Büro zusammen, wobei eine Person auf ein holografisches HR-Interface zeigt. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Unternehmen müssen umdenken – bei Technologie, Führung und Weiterbildung.

Anzeige

Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen dazu, neue Mitarbeiter nicht nur zu finden, sondern vom ersten Tag an zu begeistern. Diese kostenlose Checkliste zeigt Ihnen, wie Sie mit einem strukturierten Onboarding-Prozess die Fluktuation in der Probezeit massiv senken. Bewährte Muster-Checkliste für erfolgreiches Onboarding jetzt gratis herunterladen

Fachkräftelücke wächst trotz Wirtschaftsschwäche

Der Anteil der von Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen sank im zweiten Quartal 2026 auf 21 Prozent. Das meldet das KfW-Ifo-Fachkräftebarometer. Klingt nach Entspannung – ist aber trügerisch. Experten der KfW führen den Rückgang vor allem auf die aktuelle Wirtschaftsschwäche zurück.

Langfristig sieht es düster aus. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) warnt in einer Analyse vom Juni 2026 vor einer Lücke von über vier Millionen Arbeitskräften bis 2036. Rund 16,5 Millionen Babyboomer gehen in den Ruhestand – nur 12,5 Millionen Nachwuchskräfte rücken nach. Das Erwerbspersonenpotenzial könnte bis Mitte des nächsten Jahrzehnts auf etwa 51,2 Millionen Personen sinken.

KI spaltet den Arbeitsmarkt

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Jobs, sondern auch Gehälter. Das „2026 Global AI Jobs Barometer“ von PwC zeigt eine Entwicklung in zwei Geschwindigkeiten: Unternehmen in KI-intensiven Branchen steigerten ihre Beschäftigung seit 2018 um 52 Prozent. In anderen Bereichen waren es nur 36 Prozent. Noch deutlicher wird der Unterschied beim Gehalt: Für Positionen mit spezifischen KI-Kenntnissen zahlen Firmen im Schnitt 62 Prozent mehr.

Doch die Belegschaft sieht die Technologie ambivalent. Laut einer Deloitte-Umfrage nutzen bereits 74 Prozent der Millennials KI täglich. Gleichzeitig klagen viele über zusätzliche Arbeitsbelastung statt der erhofften Entlastung. Die Erwartungen an die Produktivität steigen parallel zu den technologischen Möglichkeiten.

Führungskräfte im Burnout – Empathie wird zum Wirtschaftsfaktor

Die Ansprüche an Chefs verändern sich radikal. Millennials stellen laut Glassdoor in den USA bereits die größte Gruppe im Management. Sie bevorzugen flache Hierarchien und lehnen autoritäre Führung ab. Eine Studie der Zurich Versicherung mit der Stanford University zeigt: Fehlendes Einfühlungsvermögen kostet richtig Geld. Laut einer YouGov-Umfrage vom Juni 2026 meiden 57 Prozent der deutschen Verbraucher Unternehmen, die sie als empathielos wahrnehmen.

Gleichzeitig steigt der Druck auf die Führungsetagen. Der Gallup Engagement Index offenbart: Jeder f?nfte deutsche Manager f?hlt sich häufig oder dauerhaft ausgebrannt. Nur noch elf Prozent der Führungskräfte haben eine starke emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber – im Vorjahr waren es noch 18 Prozent.

Anzeige

Wenn Führungskräfte unter Druck geraten, leidet oft die Kommunikation mit dem Team und die Motivation sinkt. Dieser kostenlose Ratgeber stellt 5 moderne Führungsstile vor und hilft Ihnen dabei, in jeder Situation den passenden Ansatz für mehr Teamzufriedenheit zu finden. Gratis E-Book: Den passenden Führungsstil finden und anwenden

Millionen für Weiterbildung

Großkonzerne reagieren mit massiven Investitionen. Der Versicherer Generali gründete eine Excellence Academy im italienischen Triest, um die Weiterbildung seiner weltweit über 90.000 Mitarbeiter zu steuern. Bereits 2025 flossen rund 74 Millionen Euro in entsprechende Maßnahmen.

Dass sich Personalentwicklung lohnt, zeigt der Spezialitätenchemie-Konzern Sika. In einer globalen Mitarbeiterbefragung 2026 erreichte das Unternehmen einen Engagement-Score von 88 Indexpunkten – und übertraf damit sein eigenes strategisches Ziel für 2028. Solche Erfolge ermöglicht zunehmend spezialisierte HR-Software, die von der Bedarfsanalyse bis zum Kompetenzmanagement Qualifizierungslücken datenbasiert identifiziert.

Gesetzgeber zieht nach

Auch rechtlich tut sich etwas. Der Referentenentwurf zum Jahressteuergesetz 2026, Ende Mai veröffentlicht, sieht Änderungen bei der Lohnsteuer-Nachschau und der Definition der ersten Tätigkeitsstätte vor. Die Neuerungen sollen schrittweise ab 2027 in Kraft treten.

An der Spitze der Personalabteilungen setzen Unternehmen zunehmend auf Erneuerung. Die Viebrockhaus AG berief mit Kerstin Gerß erstmals eine Frau als Personalvorständin. Sie tritt zum 1. Juli 2026 die Nachfolge von Wolfgang Werner an. Die Personalie zeigt: Erfahrene HR-Expertinnen rücken direkt in die strategische Unternehmensführung – mit Themen wie Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf Vorstandsebene.

de | wissenschaft | 69557340 |