Familienbetriebe: Deutsche Dachkrone für gelungene Unternehmensnachfolge
13.06.2026 - 20:34:26 | boerse-global.de
Aktuelle Beispiele aus Möbelindustrie, Handwerk und Landwirtschaft zeigen: Der Übergang zwischen den Generationen erfordert nicht nur strategisches Geschick, sondern auch emotionale Intelligenz und manchmal den Mut zur radikalen Neuausrichtung.
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Möbelbranche: Vielfältige Übergabemodelle
Beim Naturmöbelhersteller Team 7 vollzieht sich ein schrittweiser Wechsel. Georg Emprechtinger übergibt die Verantwortung an seine Kinder Stefan und Elisabeth. Auch bei Dibbern übernehmen mit Jan und Ben Dibbern die Söhne des Gründers.
Andere Betriebe setzen auf externe Impulse. Bei Richard Lampert übernahm Pauline Thill die Geschäftsführung – ein seltener Fall einer weiblichen Führungsposition in der Branche. Das Traditionsunternehmen Wittmann wird seit Anfang 2026 von Alice Wittmann geleitet, einer Ururenkelin der Gründer. Bei Gumpo fokussiert sich Sebastian Waibel nach der Übernahme von seinem Vater verstärkt auf zeitgenössisches Design. Bereits 2023 schlossen Melchior und Timon Grau den Generationswechsel beim Leuchtenhersteller Grau ab.
Handwerk: Auszeichnung für gelungene Übergabe
Der Dachdeckerbetrieb Jessat aus Lügde zeigt, wie eine schwierige Übergangsphase gelingen kann. Mitte Juni 2026 wurde das Unternehmen in Bielefeld mit dem ersten Platz der Deutschen Dachkrone ausgezeichnet – in der Kategorie für die erfolgreichste Unternehmensnachfolge. Unter der Leitung von Sandra und Julian Jessat gelang der Neuanfang. Die dritte Generation befindet sich bereits in der Ausbildung.
Wenn der Wechsel zum Innovationstreiber wird
Dass ein Generationswechsel oft als Katalysator für neue Ideen dient, beweist das Hofgut Klein Schneen. Marie von Schnehen übernahm den Betrieb 2019 von ihrem Vater und stellte die Bewirtschaftung komplett auf ökologischen Landbau um. In einem Vortrag Anfang Juni 2026 in Berlin erklärte sie ihren Ansatz: Durch den Anbau von Kichererbsen und deren Direktvermarktung erschloss sie neue Geschäftsfelder in der Region Göttingen.
Im Erzgebirge zeigt die Fleischerei Schramm, wie langfristige Stabilität gelingt. Der 1856 gegründete Betrieb wird in sechster Generation von drei Brüdern geführt. Der Vater hatte die Leitung bereits vor rund einem Jahrzehnt übergeben.
Die emotionale Seite der Nachfolge
Neben strukturellen Fragen spielen emotionale Faktoren eine entscheidende Rolle. Eine Analyse von Fallstudien zur Familiendynamik aus dem Herbst 2025 betont: Vertrauen und die Fähigkeit der Vorgänger, Verantwortung loszulassen, sind kritische Erfolgsfaktoren.
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Politik gefordert: Steuern und Reformen
Die Rahmenbedingungen für Familienunternehmen werden zunehmend kritisch diskutiert. Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands der Familienunternehmen, forderte Mitte Juni 2026 eine Beschleunigung von Reformen in den Bereichen Steuern, Rente und Krankenversicherung. Der political Stillstand gefährde die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Erbschaftsteuer. Kritiker argumentieren, sie gefährde die Kontinuität und zwinge Unternehmen im schlimmsten Fall zu Notverkäufen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sprach sich im Juni 2026 ebenfalls gegen eine Erhöhung aus. Sie fordert stattdessen eine Senkung der Abgabenlast und eine Steigerung des Arbeitsvolumens, um die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu sichern.
Internationale Perspektive: Restrukturierung nach Übernahme
Auch im internationalen Kontext führen Eigentümerwechsel oft zu strategischen Korrekturen. Nach der Übernahme des Europa-Geschäfts von Woolrich durch die italienische Basicnet Ende 2025 – für über 100 Millionen Euro – leitet das neue Management unter CEO Lorenzo Boglione umfassende Veränderungen ein. Dazu gehören die Verlagerung des Sitzes nach Turin und die Straffung des Markenportfolios. Die erste eigene Kollektion ist für das Frühjahr 2027 geplant. Ziel: die Marke nach Umsatzverlusten in den Vorjahren wieder zu stärken.
