FAST-2-Studie: Vier Minuten Training täglich verbessern Kraft und Balance
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deFür ältere Menschen in stationären Einrichtungen oder Rehabilitationskliniken stellt der Verlust der körperlichen Selbstständigkeit ein erhebliches Risiko dar.
Um dieser Entwicklung gezielt entgegenzuwirken, hat ein studentisches Team der Pflegewissenschaft an der südkoreanischen Chosun-Universität ein adaptiertes Bewegungsprogramm erarbeitet. Das unter dem Projektnamen „Glocal Well-Aging Care4U“ konzipierte Konzept richtet sich speziell an Senioren, die auf einen Rollstuhl oder Stuhl angewiesen sind.
Vorgestellt wurde das Vorhaben im Rahmen der 64. Koreanischen Sportwissenschaftlichen Konferenz 2026, wie aus einem Bericht vom 22. Oktober 2026 hervorgeht.
Struktur und methodischer Aufbau des Konzepts
Das Bewegungsprogramm entstand während des Glocal-University-Well-Aging-Projekt-Semesters 2026. Entwickelt wurde es von den Studierenden Kim Daeyoung, Kim Mingyo, Park Dahyun, Baek Daesik, Lee Seungjin und Lee Jinyoung unter der Leitung von Professorin Kim Haeran. Das übergeordnete Ziel liegt darin, funktionelle Kraft, geistige Fähigkeiten sowie die soziale Interaktion der Teilnehmer aufrechtzuerhalten.
Methodisch stützt sich die Initiative auf Penders Modell der Gesundheitsförderung. Das Programm umfasst vier standardisierte Einheiten von jeweils 30 Minuten Dauer.
Die Übungsabfolge gliedert sich in vier aufeinander aufbauende Stufen: einleitendes Aufwärmen, gezielte Bewegungen für Ober- und Unterkörper, die Verknüpfung kognitiver und motorischer Aufgaben sowie einen strukturierten Abschluss. Um Überlastungen zu vermeiden und individuelle Voraussetzungen zu berücksichtigen, wird die Intensität an das jeweilige Funktionsniveau der Senioren angepasst.
Prävention von Funktionsverlust im stationären Alltag
Der Ansatz, körperliche Aktivität direkt im institutionellen Umfeld niedrigschwellig zu verankern, gewinnt international an Bedeutung. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass während eines akuten Krankenhausaufenthalts zwischen 35 und 70 Prozent der älteren Patienten einen funktionellen Abbau erleiden.
Vor diesem Hintergrund integriert etwa das Hospital San Juan de Dios de Sevilla mit dem Raumkonzept „Sala Impulso“ ein gezieltes therapeutisches Training in die Akutgeriatrie.
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In Kleingruppen von rund sechs Personen absolvieren Patienten dort ab dem ersten Aufnahmetag Kraft-, Gleichgewichts- und Gehtraining kombiniert mit kognitiver Stimulation. Die dortige Medizinerin Cristina Garzón verwies darauf, dass der Erhalt der alltäglichen Handlungskompetenz dabei im Mittelpunkt stehe.
Erkenntnisse zu kurzen und funktionellen Trainingseinheiten
Dass bereits geringe Trainingsvolumina messbare Effekte erzielen können, zeigt zudem die FAST-2-Studie der Penn State, die im Fachjournal PLOS One veröffentlicht wurde.
In der Untersuchung absolvierten 97 Teilnehmer mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren über einen Zeitraum von 12 Wochen ein tägliches, vierminütiges Widerstandstraining. Die Übungen bestanden aus Liegestützen, Aufstehen vom Stuhl, beidarmigem Rudern und Treppensteigen, jeweils aufgeteilt in 30 Sekunden Belastung und 30 Sekunden Pause.
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Die Probanden nahmen an 81 Prozent der Studientage teil. Nach Abschluss der 12 Wochen verbesserten sich die Werte im Schnitt um 4,2 zusätzliche Stuhl-Aufsteh-Wiederholungen in 30 Sekunden, die Einbeinstand-Dauer stieg um 3,6 Sekunden, während sich die Sit-to-Stand-Zeit um 2,3 Sekunden verkürzte.
Ähnliche Tendenzen belegt eine im Journal European Geriatric Medicine publizierte Studie der Universität von São Paulo und der University of Manitoba: Dort nahmen 60 Personen an einem sechsmonatigen, dreimal wöchentlich durchgeführten 30-minütigen Körpergewichts-Intervalltraining teil, woraufhin 80 Prozent der anfangs gebrechlichen Probanden ihren Zustand auf prä-gebrechlich verbesserten.
Konzepte wie das an der Chosun-Universität entwickelte Programm verdeutlichen, dass strukturierte, an die individuellen Einschränkungen angepasste Übungen im Sitzen eine praktikable Möglichkeit bieten, um Mobilitätsverluste in Rehabilitationsphasen abzufedern.
