Fehltage, Erkrankungen

Fehltage durch psychische Erkrankungen: 2026 erstmals häufigste Ursache

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 06:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Erkrankungen verursachen mehr Arbeitsausfälle; zugleich steigt bei Kindern und Jugendlichen die Nachfrage nach Unterstützung.

Psychische Belastungen nehmen zu: Mehr Fehltage und wachsender Hilfebedarf
Ein minimalistischer, ruhiger Raum bei Dämmerung mit einer einsamen Pflanze am Fenster, der die Atmosphäre psychischer Erschöpfung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte machen auf eine deutliche Zunahme psychischer Belastungen in der Bevölkerung aufmerksam, die durch anhaltende Krisen verstärkt werden. Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen betonen in diesem Zusammenhang die wachsende Bedeutung frühzeitiger Vorsorgeangebote sowie stabiler sozialer Netzwerke, um die mentale Widerstandskraft nachhaltig zu stärken.

Steigende Belastungen und Ausfälle im Berufsleben

Die Auswirkungen der multiplen Belastungen spiegeln sich deutlich in den Arbeitsstatistiken wider. Laut dem WIdO-Fehlzeiten-Report fühlten sich 74,8 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in den vorangegangenen vier Wochen erschöpft. Ebenfalls 74,8 Prozent ärgerten sich beruflich, und mehr als die Hälfte der Befragten fühlte sich niedergeschlagen.

Bei rund 2.500 Befragten stieg der Anteil jener, die in der Freizeit an berufliche Probleme dachten, von 25,1 Prozent im Vorjahr auf 33,8 Prozent. Zudem sorgten sich 51,9 Prozent um die Wirtschaftslage, 16,5 Prozent um ihre Finanzen und 5,3 Prozent vor Arbeitslosigkeit.

Bei AOK-versicherten Beschäftigten stiegen die psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage binnen zehn Jahren um knapp 42 Prozent: von 284 Tagen je 100 Mitglieder im Jahr 2016 auf 403 Tage im Jahr 2025. Burnout-Ausfalltage kletterten von 2016 bis 2025 um 77 Prozent von 11,0 auf 19,5 je 100 Mitglieder.

Im Jahr 2025 wurden 14,1 psychische Fälle je 100 Mitglieder erfasst, wobei die durchschnittliche Falldauer 28,5 Tage betrug – gegenüber 5,7 Tagen bei Atemwegserkrankungen. Besonders betroffen waren Beschäftigte im Dialogmarketing mit 39,0 psychischen Fällen je 100 Mitglieder sowie in der Haus- und Familienpflege mit 25,6 Fällen.

Eine IGES-Studie im Auftrag der DAK ergab zudem, dass psychische Erkrankungen im ersten Halbjahr 2026 erstmals die häufigste Ursache für Fehltage waren. Bei der DAK stiegen psychische Leiden im ersten Halbjahr 2026 um 9 Prozent.

Anzeige

Wer sich mit der Zunahme von Belastungen im Berufsleben befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber wirksame Strategien für mehr Ausgeglichenheit. Diese 5 Sofortmaßnahmen helfen Ihnen dabei, beruflichen Erfolg und persönliches Glück wieder in Einklang zu bringen. Work-Life-Balance E-Book kostenlos herunterladen

Nach Angaben von Statista haben sich die Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen von 2000 bis 2024 mehr als verdoppelt. Im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung beliefen sich die vorläufigen Krankengeldausgaben im Jahr 2025 auf 21,6 Milliarden Euro, was 6,1 Prozent der gesamten GKV-Ausgaben entsprach. Psychisch bedingte Krankengeldfälle stiegen von 2021 bis 2025 um knapp 25 Prozent, die Ausgaben hierfür kletterten um 54 Prozent.

Daten zur seelischen Gesundheit in Deutschland und Ă–sterreich

Umfragen des Robert Koch-Instituts verdeutlichen den Trend: 2024 berichteten rund 22 Prozent der Erwachsenen in Deutschland depressive Symptome, nachdem die ambulanten Diagnosen 2023 bei etwa 17 Prozent gelegen hatten. 28 Prozent bewerteten 2024 ihr Wohlbefinden als eher schlecht. Jüngere Erwachsene, insbesondere junge Frauen, sind laut RKI stärker betroffen.

Laut Meyer-Lindenberg weist jährlich etwa 30 Prozent der Bevölkerung eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung auf. In einer internationalen Erhebung von Ipsos in 30 Ländern sahen 45 Prozent der Befragten psychische Leiden als das größte Gesundheitsproblem an, noch vor Krebs mit 41 Prozent.

In Österreich verwies Gesundheitsreferentin Beate Prettner darauf, dass fast ein Drittel der Bürger im Lebensverlauf mindestens eine psychische Erkrankung erfahre. Nach Angaben des ORF Kärnten verursachen psychische Leiden 12 Prozent aller Krankenstandstage und stellen den häufigsten Grund für Frühpensionierungen dar.

Anzeige

Der tägliche Druck im Hamsterrad führt bei vielen Menschen zu einer dauerhaften mentalen Erschöpfung. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie versteckte Zeitdiebe identifizieren und Ihre innere Ruhe im stressigen Alltag bewahren. Gratis-Ratgeber für mehr Ausgeglichenheit sichern

Die Österreichische Ärztekammer warnte vor einem erheblichen Mangel an Kassenpsychiatern sowie Fachärzten und hob hervor, dass Einsamkeit und soziale Isolation auch die körperliche Gesundheit gefährden. Zudem forderte ÖÄK-Präsident Steinhart, rund 1.500 Ärzte anderer Fachrichtungen mit Psy-Diplomen angemessen in die Finanzierung entsprechender Leistungen einzubinden.

Hoher Druck auf Kinder, Jugendliche und Versorgungseinrichtungen

Besonders ausgeprägt zeigt sich der Hilfebedarf bei jungen Menschen. Einem Bericht von WHO/Europa zufolge haben mehr als zwei Drittel der jungen Menschen in Europa belastende Kindheitserfahrungen gemacht; mehr als jeder Fünfte erlebte mindestens vier solcher Ereignisse. In dieser hochbelasteten Gruppe benötigten 76,3 Prozent im Vorjahr professionelle Unterstützung, verglichen mit 36,7 Prozent ohne solche Erfahrungen.

Die Wiener Universitätsambulanzen der SFU führten von Jänner bis August 2026 bei Kindern und Jugendlichen 260 Erstgespräche durch – rund 60 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 161 Gesprächen.

Am Kinderpsychologischen Zentrum machten Autismus-Abklärungen etwa ein Drittel der Anfragen aus, bei einer Wartezeit von rund 32 Wochen. Fachorganisationen wie die ÖGPP fordern vor diesem Hintergrund den kontinuierlichen Ausbau von Früherkennung, dauerhaften Forschungsprogrammen und niederschwelligen Hilfen, um Betroffene rechtzeitig aufzufangen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70271591 |