Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hochzeitsnacht fĂŒr Feldhamster - «Wir simulieren FrĂŒhling»

02.04.2026 - 04:30:08 | dpa.de

Feldhamster sind vom Aussterben bedroht und vielerorts bereits aus der Natur verschwunden. Letzte Chance fĂŒr den Erhalt der Art ist die Nachzucht. Das ist bei den EinzelgĂ€ngern gar nicht einfach.

  • Geht das gut? Ein paarungsbereites Weibchen und ein ausgewĂ€hltes MĂ€nnchen sollen fĂŒr Feldhamster-Nachwuchs sorgen. - Foto: David Ebener/dpa
  • Ein Weibchen und ein MĂ€nnchen kommen sich im NRW-Artenschutzzentrum nĂ€her, in dem Feldhamstern nachgezĂŒchtet werden. - Foto: David Ebener/dpa
  • Projektleiterin Anika Hirz achtet bei den Verpaarungen von Feldhamstern auf die genetische Vielfalt. - Foto: David Ebener/dpa
  • Das Weibchen ist auf die noch verschlossenen BehĂ€lter gesprungen. Sie bekundet damit ihr Interesse an dem MĂ€nnchen. - Foto: David Ebener/dpa
  • Vorsichtige AnnĂ€herung. Ein Weibchen und ein MĂ€nnchen sind im NRW-Artenschutzzentrum fĂŒr die Verpaarung vorgesehen. - Foto: David Ebener/dpa
  • In Großboxen werden im NRW-Artenschutzzentrum in Metelen rund 160 Feldhamster fĂŒr die Zucht gehalten. - Foto: David Ebener/dpa
  • Tierpfleger Jörg Kritschker bringt die fĂŒr die Verpaarung vorgesehenen Weibchen und MĂ€nnchen zusammen. - Foto: David Ebener/dpa
  • Ein einjĂ€hriger Feldhamster schaut sich in seiner Großbox im NRW-Artenschutzzentrum um. - Foto: David Ebener/dpa
Geht das gut? Ein paarungsbereites Weibchen und ein ausgewĂ€hltes MĂ€nnchen sollen fĂŒr Feldhamster-Nachwuchs sorgen.  - Foto: David Ebener/dpa Ein Weibchen und ein MĂ€nnchen kommen sich im NRW-Artenschutzzentrum nĂ€her, in dem Feldhamstern nachgezĂŒchtet werden.  - Foto: David Ebener/dpa Projektleiterin Anika Hirz achtet bei den Verpaarungen von Feldhamstern auf die genetische Vielfalt.  - Foto: David Ebener/dpa Das Weibchen ist auf die noch verschlossenen BehĂ€lter gesprungen. Sie bekundet damit ihr Interesse an dem MĂ€nnchen.  - Foto: David Ebener/dpa Vorsichtige AnnĂ€herung. Ein Weibchen und ein MĂ€nnchen sind im NRW-Artenschutzzentrum fĂŒr die Verpaarung vorgesehen.  - Foto: David Ebener/dpa In Großboxen werden im NRW-Artenschutzzentrum in Metelen rund 160 Feldhamster fĂŒr die Zucht gehalten.  - Foto: David Ebener/dpa Tierpfleger Jörg Kritschker bringt die fĂŒr die Verpaarung vorgesehenen Weibchen und MĂ€nnchen zusammen.  - Foto: David Ebener/dpa Ein einjĂ€hriger Feldhamster schaut sich in seiner Großbox im NRW-Artenschutzzentrum um. - Foto: David Ebener/dpa

Der Flirt kann fĂŒr das MĂ€nnchen unter UmstĂ€nden böse ausgehen. «Ich muss vorwarnen, Hamster sind nicht ohne. Wenn wir die gleich zusammensetzen, kann es auch sein, dass sie sich mal fetzen», sagt der Tierpfleger Jörg Kritschker. 

Einen Paarungskandidaten hat es im Vorjahr ĂŒbel erwischt. «So richtig verbissen, so schnell kam ich auch gar nicht dazwischen», schildert der Tierpfleger. Zwei «Macken», die das Weibchen hinterlassen hat, mussten in der Tierarztpraxis genĂ€ht werden.

Sichtbare Verletzungen sind aber die Ausnahme. Um den Stress der Tiere zu reduzieren, geht das Team nach einem Stufenplan vor. Die Nachzucht hier im MĂŒnsterland und anderswo soll den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Art sichern. 

Bevor es losgeht, stehen Untersuchungen an. So gilt es abzuschÀtzen, ob der Zyklus des Weibchens passt, ob es paarungsbereit ist. «Das MÀnnchen darf den Bau des Weibchens nur betreten, wenn dieses den Eisprung hat. Andernfalls wird es ausgebissen, die sind da schon recht ruppig», beschreibt Kritschker.

Kaum etwas wird dem Zufall ĂŒberlassen. Rund 160 Feldhamster werden in Großboxen gehalten. Das Team von Projektleiterin Anika Hirz wĂ€hlt in diesem Jahr 72 Tiere fĂŒr die Verpaarung aus. Wichtigstes Kriterium ist die genetische Vielfalt. Eine Wandtafel zeigt, wer mit wem in einer Großbox zusammenkommt. 

Nachzuchten sollen Feldhamster retten 

Das Artenschutzzentrum in Metelen in Nordrhein-Westfalen ist eine von drei großen Einrichtungen in Deutschland, in denen Feldhamster zur Erhaltung der Art in der Region nachgezĂŒchtet werden. Alleine in NRW werden pro Jahr zwischen 200 und 300 Tiere ausgewildert. Von den Jungtieren bleiben 160 fĂŒr die Zucht im Folgejahr zurĂŒck.

In Ă€hnlichen GrĂ¶ĂŸenordnungen werden Feldhamster nachgezĂŒchtet im Zoo Leipzig fĂŒr Sachsen und im Zoo Heidelberg fĂŒr die Rhein-Neckar-Region. Weitere Initiativen machen mit. So wird in der ehrenamtlich betriebenen Artenschutzstation Koldingen bei Hannover ein Zuchtstamm fĂŒr Niedersachsen aufgebaut. 

In vielen Regionen vom Aussterben bedroht 

Wie viele Feldhamster es in Deutschland noch gibt, lĂ€sst sich nach EinschĂ€tzung des Bundesamtes fĂŒr Naturschutz nicht beziffern. In vielen BundeslĂ€ndern ist der Feldhamster vom Aussterben bedroht. Niedersachsen, ThĂŒringen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz listet das Bundesamt dabei auf. 

In Nordrhein-Westfalen und Sachsen war der Feldhamster den Angaben zufolge kurzzeitig ausgestorben und kommt nun mit kleinen BestÀnden wieder vor - dank Nachzuchten und Wiederansiedlungsprojekten. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gilt die Art schon lÀnger als ausgestorben.

Warum geht es dem Feldhamster schlecht? 

Das Image des Feldhamsters ist denkbar schlecht. Er macht sich die dicken Backentaschen voll. Von HamsternkÀufen ist die Rede, wenn Waren aus Angst vor Knappheit stark nachgefragt, gebunkert werden. Als SchÀdling bekÀmpft und wegen seines Fells gejagt, ging es dem Feldhamster lange an den Kragen. 

Erntemethoden, bei denen Felder teilweise bereits im frĂŒhen Hochsommer abgeerntet und ohne Stoppelphase umgebrochen werden, verschlechterten die Lebensbedingungen, erklĂ€rt das Landesamt fĂŒr Natur, Umwelt und Klima NRW. Pflanzenschutzmittel verringerten Zusatznahrung wie Insekten und KrĂ€uter.

SpĂ€ter stellten VertrĂ€ge mit Landwirten dann sicher, dass auf AuswilderungsflĂ€chen auf Ernten verzichtet wird, Getreide erst im Oktober abgemĂ€ht und erst dann der Boden fĂŒr die neue Einsaat bereitet wird. So hĂ€tten Feldhamster genĂŒgend Zeit, Nahrung zu sammeln und in ihrem Bau fĂŒr den Winter einzubunkern.

Wie geht es bei der Zucht weiter?

Im NRW-Artenschutzzentrum steht die entscheidende Phase fĂŒr zunĂ€chst zwölf Paare an: Kritschker setzt jeweils ein MĂ€nnchen im verschlossenen BehĂ€lter in die Großbox eines Weibchens. Die Tiere sollen sich erstmal nur beschnĂŒffeln, kennenlernen. Sie bekommen eine halbe Stunde dafĂŒr, das Team macht Pause. Klettert sie auf den BehĂ€lter mit dem MĂ€nnchen, gilt das als gutes Zeichen. 

Der Deckel wird geöffnet. Es kann hektisch und laut werden. «Wie gesagt, wenn sie absolut nicht will, dann greift sie auch gleich an, und dann mĂŒssen wir sofort trennen», unterstreicht der Tierpfleger. Bei 36 Verpaarungen kommt das in wenigen FĂ€llen vor. Die Tiere paaren sich zumeist abends oder nachts. 

«Meistens ist das in der ersten Nacht. Ich kann das ungefÀhr sehen, weil 19 Tage ist Tragzeit», schildert Kritschker. Vier NÀchte dauert das Stelldichein der 36 Feldhamster-Paare in Metelen, um eine Erfolg sicherzustellen. Wenn Wochen spÀter Fiepsen aus den Bauen zu hören ist, sind es im Schnitt acht Jungtiere.

Warum sind Feldhamster wichtig?

Viel Nachwuchs ist schon deshalb erforderlich, um die Verluste in der Natur auszugleichen. Der Feldhamster steht auf dem Speiseplan vieler Tiere von geschĂŒtzten Arten, von Rotmilan ĂŒber Eule bis zu Fuchs und Wiesel. Und wo es dem Feldhamster gut geht, finden auch andere Lebewesen Unterschlupf oder Nahrung - vom Rebhuhn ĂŒber Reptilien bis hin zu Insekten. 

Vorgezogene Paarung fĂŒr mehr Nachwuchs

Die Feldhamster im NRW-Artenschutzzentrum sind frĂŒher dran mit der Paarung als ihre Artgenossen in der Freiheit. Das Projektteam steuert den Biorhythmus mit WĂ€rme und dem kĂŒnstlichen Licht in den Hallen. Die Zeitschaltuhren sind eigentlich auf die SonnenuntergĂ€nge und -aufgĂ€nge fĂŒr die Region Köln eingestellt - wo die Feldhamster voraussichtlich spĂ€ter leben werden. 

Nach dem Winterschlaf wird hier die Dosis aber schneller als in der Natur gesteigert. «Dann fangen wir schon im Februar an, die LichtlĂ€nge zu erhöhen auf 14 Stunden», erklĂ€rt Kritschker. Das entspreche bereits dem Stand Mitte April. «Die Tiere werden aktiv, realisieren das Licht. Ich fange an, die Heizung leicht aufzudrehen. Wir simulieren so ein bisschen den FrĂŒhling.» 

«Die Tiere kommen frĂŒher in Stimmung bei uns, und so können wir frĂŒher zĂŒchten», verdeutlicht der Tierpfleger. Ihr erster Wurf im Artenschutzzentrum könne sich dann in der Natur noch im selben Jahr reproduzieren. Die Weibchen könnten nach dem Nachwuchs in der Station im selben Jahr noch zwei weitere WĂŒrfe in der Natur aufziehen - bei ausreichender Nahrung.

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