Fettleber: Mayo Clinic entdeckt fünf Subtypen mit unterschiedlichen Risiken
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie metabolisch-assoziierte steatotische Lebererkrankung, kurz MASLD, galt in der klinischen Praxis lange Zeit als weitgehend einheitliches Krankheitsbild, das primär auf klassische metabolische Risikofaktoren zurückgeführt wurde.
Eine Forschungsarbeit der Mayo Clinic in Zusammenarbeit mit der Virginia Tech, die am 18. Oktober 2026 im Fachjournal Nature Communications publiziert wurde, liefert nun eine neue Perspektive auf diese Volkskrankheit.
Das Team identifizierte fünf biologisch distinkte Subtypen der Erkrankung. Da MASLD weltweit fast 30% der Erwachsenen betrifft, markiert diese systematische Differenzierung einen bedeutsamen Schritt hin zu einer zielgerichteteren Diagnostik und Versorgung.
Umfassende Genom- und Klinikdaten als Grundlage
Für ihre Untersuchung stützten sich die Forscher der Mayo Clinic und der Virginia Tech auf detaillierte Genom- und Klinikdaten von über 4.600 MASLD-Patienten. Die breitere Datengrundlage umfasste unter anderem die sogenannte Tapestry Study mit Exomdaten von über 100.000 Teilnehmern.
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Im Rahmen der Analysen verknüpften die Wissenschaftler Ergebnisse aus der Genomsequenzierung mit klinischen Parametern wie Leberenzymen, dem Body-Mass-Index (BMI) sowie Blutfettwerten. Darüber hinaus flossen Begleiterkrankungen wie Diabetes, Depression und Schlafapnoe in die Auswertung ein.
Aus dieser multi-dimensionalen Betrachtung kristallisierten sich fünf voneinander abgrenzbare Krankheitsgruppen heraus, die sich in ihrer biologischen Entstehung und ihrem Verlauf deutlich voneinander unterscheiden.
Genetische Treiber und unterschiedliche Risikoprofile
Die fünf identifizierten Subtypen gehen mit stark voneinander abweichenden Risiken für schwerwiegende Folgekomplikationen einher. Zu diesen zählen Leberversagen, Leberkrebs, Herzkrankheiten sowie die Notwendigkeit einer Lebertransplantation. Während einige Subtypen eng mit extremer Adipositas und Diabetes assoziiert sind, werden andere maßgeblich durch erbliche genetische Faktoren bestimmt.
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Auffällig ist dabei, dass genetisch geprägte Subtypen ein höheres Risiko für fortgeschrittene Leberschäden aufweisen, selbst wenn die Patienten keine typischen metabolischen Risikofaktoren zeigen. Zudem stieß das Forschungsteam erstmals auf statistische Assoziationen bestimmter Subtypen mit Depression, Schlafapnoe und Migräne. Ein kausaler Nachweis für diesen Zusammenhang liegt bislang jedoch nicht vor.
Perspektiven für gezielte Therapien
Die Aufschlüsselung der Fettleber in distinkte Kategorien könnte die Behandlungsstrategien nachhaltig verändern. Shulan Tian aus dem Bereich Bioinformatik an der Mayo Clinic erklärte, dass die Trennung der Subtypen eine Therapie ermögliche, die sich an der jeweils treibenden Biologie orientiere.
Übergeordnetes Ziel der Forschungsgruppe ist es, Hochrisikopatienten früher zu identifizieren, Screenings präziser zu gestalten und maßgeschneiderte Interventionen einzuleiten.
Für künftige Untersuchungen plant die Mayo Clinic gemeinsam mit der Virginia Tech eine Validierung der Ergebnisse in größeren Bevölkerungsgruppen. Zudem soll getestet werden, ob und wie die verschiedenen Subtypen unterschiedlich auf moderne medikamentöse Behandlungsansätze wie GLP-1-Rezeptoragonisten ansprechen.
