Fettleber, Millionen

Fettleber: Über 20 Millionen Menschen in Deutschland sind von MASLD betroffen

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Bündnis verlangt politische Präventionsmaßnahmen und bundesweite FIB-4-Tests gegen die Verbreitung der Fettlebererkrankung.
Ein minimalistischer, heller medizinischer Untersuchungsraum mit sterilen Laborgeräten in einer Klinik. Illustration mit AI erstellt.

Die metabolische dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) entwickelt sich zu einer wachsenden gesundheitspolitischen Herausforderung. Laut Berichten von Fachmedien aus dem Oktober 2026 haben die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) sowie mehrere Partnerorganisationen in Berlin ein gemeinsames Strategiepapier vorgestellt.

Zu den beteiligten Institutionen zählen unter anderem die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG), die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng), die Deutsche Leberstiftung sowie die Deutsche Leberhilfe. Die Verbände fordern ein deutlich verstärktes Engagement gegen das Fortschreiten von Fettlebererkrankungen in Deutschland.

Nach Angaben der Fachgesellschaften lebt hierzulande mehr als jeder vierte Mensch mit einer Fettleber; insgesamt sind über 20 Millionen Menschen von MASLD betroffen. Unbehandelt reicht das Spektrum der Folgeerkrankungen von chronischen Entzündungen über die Leberzirrhose bis hin zu Leberkrebs und Leberversagen.

Präventionsforderungen und strukturierte Früherkennung

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, fordert das Bündnis eine Reihe verhältnispräventiver Maßnahmen auf politischer Ebene. Dazu zählen die Einführung einer verpflichtenden Nährwert-Ampelkennzeichnung, Werbeverbote für ungesunde Kinder-Lebensmittel, eine Zuckersteuer sowie Beschränkungen bei der Verfügbarkeit von Alkohol.

Darüber hinaus soll die Lebergesundheit fest in einer nationalen Präventionsstrategie verankert werden, flankiert durch mehr Bewegungsangebote in Kindertagesstätten, Schulen und der Arbeitswelt.

Für die klinische Versorgung verlangen die Organisationen die Etablierung des nicht-invasiven FIB-4-Scores als bundesweiten Standard zur Früherkennung. Der Score basiert auf den Parametern Alter, AST, ALT und Thrombozytenzahl. Zeigt der Wert Auffälligkeiten, soll ein breiterer Zugang zu ultraschallbasierter Leberelastographie gewährleistet werden.

Zudem sprechen sich die Verbände dafür aus, die Leberdiagnostik verbindlich in die Disease-Management-Programme (DMP) für Adipositas und Typ-2-Diabetes zu integrieren. Neben der Versorgung fordern sie den Ausbau vernetzter Forschung, klinischer Studien und gesundheitsökonomischer Analysen.

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Diagnostische Standards und klinische Risikokonstellationen

Klinische Experten weisen darauf hin, dass MASLD über lange Zeit symptomlos verläuft. Fachärzte für Gastroenterologie betonen, dass sich Risikogruppen mit Übergewicht, Diabetes, Hypertonie, Insulinresistenz oder erhöhten Blutfettwerten auch ohne Beschwerden untersuchen lassen sollten.

Ein FIB-4-Wert unter 1,3 signalisiert ein niedriges Fibroserisiko mit Kontrollintervallen von ein bis zwei Jahren, während Werte über 2,67 eine direkte Überweisung in die Gastroenterologie oder Hepatologie erfordern.

Hinsichtlich der apparativen Abklärung bewertete eine systematische Übersichtsarbeit im American Journal of Gastroenterology mit 9.480 Teilnehmenden den FAST-Score (FibroScan-AST) mit einer Ausschluss-Sensitivität von 0,871 und einer Einschluss-Spezifität von 0,900 als besonders praktikabel für eine breite Anwendung.

Die Relevanz der Erkrankung verdeutlichen auch Daten vom EASD-Kongress 2026: Rund 70 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes weisen eine MASLD auf, mindestens die Hälfte eine metabolische Steatohepatitis (MASH) und etwa 20 Prozent eine signifikante Fibrose ab dem Stadium F2. Die Leberfibrose gilt dabei als entscheidenderer Marker als die reine Steatose.

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Genetische Faktoren und medikamentöse Therapieansätze

Neben Lebensstilfaktoren wie übermäßigem Salzkonsum oder unausgewogener Ernährung spielen genetische Faktoren eine erhebliche Rolle. Eine Metaanalyse des Karolinska Institutet an 71.488 Personen der UK Biobank identifizierte 60 unabhängige Genregionen für den Leberfettgehalt, von denen 31 zuvor unbekannt waren.

Häufige Varianten erklären rund 25 Prozent der interindividuellen Unterschiede. Ein hoher polygener Risikoscore war in den Daten mit einer 2,71-fach höheren Wahrscheinlichkeit für Zirrhose und einer 7,47-fach höheren Quote für hepatozelluläre Karzinome assoziiert.

Auf therapeutischer Ebene stehen mit Resmetirom und Semaglutid (bis zu 2,4 mg wöchentlich) zwei von der EMA zugelassene Wirkstoffe zur Verfügung, die sich vorrangig an Patienten mit fortgeschrittener Fibrose richten.

Fachmediziner verweisen jedoch darauf, dass harte langfristige Leber- und kardiovaskuläre Endpunkte für diese Substanzen noch ausstehen und Lebensstiländerungen wie eine Gewichtsreduktion von 7 bis 10 Prozent eine zentrale Basissäule der Behandlung bleiben.

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