Fibromyalgie, Regeln

Fibromyalgie: Mehr als 80 Prozent bleiben trotz neuer Regeln ohne Schutz

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der CReI plant regionale Anhörungen zu den Zugangshürden; mehr als 80 Prozent der Erkrankten bleiben laut Verband ohne Kostenübernahme.
Symbolbild: Wärmflasche, Handtuch und Kräutertee Illustration mit AI erstellt.

Die italienische Fachgesellschaft für Rheumatologie, das Collegio Reumatologi Italiani (CReI), drängt auf grundlegende Anpassungen bei der regionalen Umsetzung der neuen nationalen Versorgungsstandards für Fibromyalgie-Betroffene. Auf dem 29. CReI-Kongress in Bologna kündigte der Verband eine koordinierte wissenschaftlich-institutionelle Initiative in allen italienischen Regionen an.

Geplant sind Anträge auf offizielle Anhörungen vor den regionalen Gesundheitskommissionen sowie bei den jeweiligen Regionalassessoren für Gesundheit und Wohlfahrt, um die praktischen Auswirkungen des neu eingeführten Befreiungscodes darzulegen.

Hohe Hürden durch restriktive Kriterien

Hintergrund des Vorstoßes ist die Aufnahme der schweren Fibromyalgie in die neuen staatlichen Mindestversorgungsleistungen (Livelli Essenziali di Assistenza, LEA) unter dem sogenannten Codice 068. Über diese Einstufung garantiert der nationale Gesundheitsdienst Servizio Sanitario Nazionale (SSN) kostenfreie Leistungen, zu denen eine jährliche fachärztliche Kontrolluntersuchung sowie Maßnahmen der motorischen und gelenkbezogenen Rehabilitation gehören.

Das CReI, vertreten unter anderem durch Bentivenga und Marotto, kritisiert jedoch unter Einbindung seiner regionalen Delegierten die Zugangsbedingungen. Die Ticketbefreiung greift ausschließlich bei Vorliegen einer schweren Krankheitsform, die über einen Wert von mehr als 82 auf der Skala des Revised Fibromyalgia Impact Questionnaire (FIQR >82/100) definiert ist.

Nach Einschätzung der Fachgesellschaft führt dieser hohe Schwellenwert dazu, dass mehr als 80 % der Erkrankten weiterhin ohne institutionellen Schutz und Kostenübernahme bleiben.

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Patientenverbände und regionale Gesetzgebungsinitiativen

Auch Patientenorganisationen bewerten die Neuregelung differenziert. Die Präsidentin der Vereinigung CFU-Italia, Barbara Suzzi, verwies Mitte Oktober 2026 auf den Leistungsumfang der LEA, zu dem neben Kontrollterminen alle 12 Monate und einem Zyklus von 10 Gruppensitzungen motorischer Rehabilitation auch Thermalbehandlungen unabhängig vom Schweregrad sowie jährliche psychiatrische Visiten bei entsprechenden Begleiterkrankungen zählen.

Angesichts der restriktiven Kriterien forderte Suzzi eine legislative Gesamtlösung, welche die derzeit im italienischen Senat anhängigen Gesetzesentwürfe zusammenführt.

Zugleich zeigen sich regionale Unterschiede bei der Implementierung. Während Emanuele Monti als Vorsitzender der Welfare-Kommission der Lombardei eine rasche und einheitliche Anwendung in allen Regionen anmahnte, beschloss die Regionalregierung der Marken am 13. Oktober 2026 bereits die Übernahme der LEA-Aktualisierung.

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Dort gilt der Codice 068 für FIQR-Werte über 82 mit mindestens zweijähriger Befreiungsgültigkeit, ergänzt durch ein regionales Netzwerk und ein Referenzzentrum in Jesi. Am 15. Oktober 2026 thematisierte CFU-Vertreterin Valentina Lippolis in Apulien bei einer Fachtagung, dass die bloße Verankerung in Regelwerken erst der Auftakt für durchgängige Behandlungspfade sein könne.

Versorgungsdefizite und wirtschaftliche Belastung

Aus dem italienischen Gesundheitsministerium hob Unterstaatssekretär Marcello Gemmato hervor, dass der SSN wirksame Behandlungen für rund 10 Millionen Betroffene mit rheumatologischen Krankheiten bereithalte, die Betreuung und die Gleichbehandlung zwischen Nord- und Süditalien jedoch verbessert werden müssten.

Die Aktualisierung der LEA sei fast ein Jahrzehnt lang überfällig gewesen. Zudem bezifferte Gemmato die durchschnittlichen direkten Kosten für rheumatologische Patienten auf 1.245 € pro Person und plädierte dafür, diagnostische Doppeluntersuchungen abzubauen sowie Haus- und Kinderärzte verstärkt in die Frühdiagnose einzubinden.

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