Finanzbildung: 32% der jungen Erwachsenen scheitern bei Geldtest
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verwaltung der eigenen Finanzen und die Digitalisierung behördlicher Dokumente stehen vor einem umfassenden Wandel. Aktuelle Berichte und Studien verdeutlichen dabei ein zweigeteiltes Bild: Während neue staatliche Anwendungen wie die EUDI-Wallet den Alltag technisch vereinfachen sollen, weisen Daten zur Finanzkompetenz insbesondere bei jüngeren Erwachsenen erhebliche Lücken auf.
Digitale Identität: Der geplante Start der EUDI-Wallet „d-you“
Ein zentraler Baustein der digitalen Transformation ist die Einführung der staatlichen EUDI-Wallet, die unter dem Namen „d-you“ geführt wird. Bundesdigitalminister Wildberger (CDU) stellte das Projekt vor, das auf einer EU-Verordnung basiert, die alle Mitgliedstaaten bis 2027 zur Bereitstellung einer staatlichen Ausweis-Anwendung verpflichtet. Die Einführung als Handy-App ist für den 2. Januar 2027 vorgesehen.
Ab diesem Datum sollen Nutzer ihren Personalausweis und Führerschein in der App speichern können. Die Verwendung bleibt freiwillig und umfasst zunächst einen digitalen Zwilling des Personalausweises sowie schrittweise weitere Dokumente wie Lichtbildnachweise.
Zum Start im Januar 2027 soll die Anwendung bereits bei rund 40 Anbietern nutzbar sein, darunter die Deutsche Post, die Arbeitsagentur, der Sparkassenverband sowie verschiedene Strom- und Telefonanbieter.
Technisch setzt die App ein Smartphone mit iOS oder Android, NFC-Funktionalität und aktuelle Sicherheitsupdates voraus; bei Apple-Geräten wird mindestens ein iPhone XS benötigt. Die Entwicklung erfolgt durch die Common Codes GmbH. Trotz des festgesetzten Termins gibt es Hinweise auf mögliche Verzögerungen.
Laut Berichten vom September 2026 seien Sicherheitsbedenken des BSI nicht hinreichend berücksichtigt worden, zudem sei eine entsprechende BSI-Richtlinie erst für Ende 2026 geplant. Die Bundesregierung wolle über den Start unter Berücksichtigung möglicher Restrisiken entscheiden. Experten wie Beckedahl erwarten für die Anfangsphase zudem lediglich minimale Funktionen.
Defizite in der Finanzbildung und neue politische Strategien
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Parallel zur technischen Aufrüstung rückt die finanzielle Handlungsfähigkeit der Bürger in den Fokus. Bundesfinanzminister Klingbeil (SPD) plant eine Finanzbildungsstrategie, die über 30 Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern umfasst.
Dazu gehören unter anderem eine Task Force Finanzbildung sowie Konzepte für ein Altersvorsorgedepot und eine gesetzliche Kapitalrente. Die Strategie richtet sich insbesondere an jüngere Menschen, Frauen und Geringverdiener.
Die Notwendigkeit solcher Maßnahmen unterstreichen verschiedene Studien. Laut einer Untersuchung von Omniquest und Gold.de konnten 32 Prozent der 16- bis 35-Jährigen in Deutschland höchstens eine von drei Finanzfragen korrekt beantworten. Zudem überschätzen 40 Prozent dieser Altersgruppe die Inflationsrate deutlich.
Eine Studie von Allianz-Research, für die 8.000 Personen in acht Ländern befragt wurden, zeigt zudem auf, dass Österreichern durch mangelnde Investitionen lebenslang im Schnitt rund 6.100 Euro entgehen. Während das Finanzbildungsniveau bei Babyboomern bei 22 Prozent liege, erreiche die Generation Z lediglich einen Wert von 12 Prozent.
Verschuldung und verändertes Konsumverhalten
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Die mangelnde Finanzkompetenz spiegelt sich auch in der Verschuldung wider. Eine Umfrage des Kreditportals Smava vom August 2026 ergab, dass fast 14 Prozent der Erwachsenen in Deutschland im Minus waren – ein neuer Höchststand.
Die durchschnittlichen Dispozinsen lagen dabei bei 11,46 Prozent. Auffällig ist zudem die regionale Verteilung: Während in Hamburg 18,4 Prozent der Befragten ihr Konto überzogen, waren es in Brandenburg lediglich 10 Prozent.
Im Bereich des Konsums zeigt sich bei der jüngeren Generation hingegen eine hohe Affinität zu neuen Technologien. Ein Report von Mastercard, für den im Sommer 2026 Daten erhoben wurden, belegt, dass 79,9 Prozent der deutschen Jugendlichen im vergangenen Jahr Künstliche Intelligenz zur Produktrecherche genutzt haben. Dies ist etwa doppelt so häufig wie bei ihren Eltern.
Wandel im Zahlungsverkehr: Kartenzahlung und KI-Agenten
Auch die Art des Bezahlens unterliegt regulatorischen und technischen Änderungen. Finanzminister Klingbeil bereitet Eckpunkte für eine Pflicht zur Kartenzahlung in Handel, Gastronomie und Dienstleistungssektor vor. Der Entwurf soll eine Umsetzung im Jahr 2027 vorsehen, wobei mindestens ein europäisches Verfahren akzeptiert werden muss. Laut Daten der Bundesbank waren bereits im Jahr 2025 rund 55 Prozent der Transaktionen bargeldlos.
Während etablierte Dienste wie PayPal in Deutschland rund 35 Millionen aktive Kundenkonten zählen, hat es der europäische Bezahldienst WERO noch schwer: Laut einer Umfrage von Verivox nutzen ihn lediglich rund 7 Prozent der Deutschen aktiv.
Dennoch prognostizieren Berichte wie der Mastercard-Report eine weitere Automatisierung: Bis 2030 wird erwartet, dass mehr als jeder zehnte Online-Käufer in Europa routinemäßig KI-Agenten für seine Einkäufe einsetzt.
