Fitness-Kennzahlen, Trainer

Fitness-Kennzahlen: Trainer setzt auf Schrittzahl statt Zone 2

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 09:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Experten empfehlen die tägliche Schrittzahl als einfachen Fitnessindikator. Studien belegen dennoch die Bedeutung der VO2max für die Lebenserwartung.

Fitness-Debatte: Schrittzahl als einfacher Indikator statt komplexer VO2max-Werte
Eine Person beim zügigen Gehen in einem sonnigen Park als einfaches Maß für die körperliche Fitness. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der Fitnessbranche zeichnet sich eine Neubewertung gängiger Leistungsindikatoren ab. Während komplexe Messgrößen wie die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) und das Training in der sogenannten Zone 2 in Sportwissenschaft und Medizin als zentrale Kennzahlen gelten, mehren sich Stimmen, die deren praktische Relevanz für die breite Bevölkerung hinterfragen. Experten plädieren stattdessen für einfachere, leichter zugängliche Messwerte wie die tägliche Schrittzahl.

Kritik an der Komplexität von Zone 2 und VO2max

Der Sportwissenschaftler Harley Pasternak, der unter anderem mit Musikgrößen wie Rihanna zusammenarbeitete, bewertet Parameter wie die VO2max und das Training in der Zone 2 für die Mehrheit der Menschen als irrelevant. Er empfiehlt stattdessen die tägliche Schrittzahl als verlässlichen und unkomplizierten Indikator für die allgemeine Leistungsfähigkeit.

Diese Einschätzung korrespondiert mit Daten zur Zuverlässigkeit von Berechnungsmodellen für Herzfrequenzzonen. Ein Vergleich von drei gängigen Algorithmen zur Ermittlung der Zone 2 bei einem 35-jährigen Probanden mit einer Ruhe-Herzfrequenz von 60 Schlägen pro Minute verdeutlicht erhebliche Abweichungen.

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Während die Berechnung basierend auf der maximalen Herzfrequenz einen Bereich von 111 bis 130 Schlägen ergab, lieferte die Tanaka-Formel Werte zwischen 110 und 129. Das Karvonen-Modell hingegen setzte die Spanne deutlich höher bei 135 bis 148 Schlägen an.

Solche Differenzen von bis zu 20 Schlägen erschweren eine präzise Trainingssteuerung ohne klinische Diagnostik. Ein Experten-Konsens von Juli 2026 definiert die Zone 2 allgemein als Bereich zwischen 67 und 82 Prozent der maximalen Herzfrequenz.

Die Bedeutung der Fitness für die Langlebigkeit

Trotz der Kritik an der praktischen Umsetzung im Breitensport bleibt die wissenschaftliche Bedeutung der VO2max für die Gesundheitsvorsorge hoch. Dr. Wallace Brucker vom Las Vegas Longevity Lab nutzt für die Messung spezialisierte Atemanalysen und sieht in dem Wert einen starken Prädiktor für Langlebigkeit.

Eine umfassende Analyse aus dem Jahr 2024, die auf 20 Millionen Beobachtungen basiert, belegt diesen Zusammenhang: Ein hohes Fitnessniveau korreliert mit einem um 53 Prozent geringeren Sterberisiko. Jeder Zuwachs von einem MET (metabolisches Äquivalent, entsprechend etwa 3,5 VO2max-Punkten) senke die Mortalität um 11 bis 17 Prozent.

In der kommerziellen Fitnesslandschaft reagieren Anbieter auf diesen Trend. Unternehmen wie EGYM und Wattbike gaben im August 2026 bekannt, ihre Systeme zu verknüpfen. Hierbei fließen Wattbike-Messwerte direkt in das digitale Ökosystem von EGYM ein, um ein biologisches Herz-Alter (Cardio BioAge) zu berechnen. Solche Tests werden bereits seit zehn Jahren von Organisationen wie der British Army oder privaten Gesundheitsdienstleistern genutzt.

Technologische Grenzen und Risiken

Sportwissenschaftler wie Robert Csapo von der Universität Wien mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz und Wearables im Hobbysport. Während Chatbots solide Basispläne erstellen könnten, stießen sie bei individuellen Datenmustern schnell an Grenzen.

Zudem seien die Algorithmen vieler Wearables für Nutzer oft nicht nachvollziehbar und bergen Datenschutzrisiken. Csapo empfiehlt als verlässliche Alternative eine klassische sportmedizinische Leistungsdiagnostik.

Gleichzeitig entwickelt sich die Technik zur Körperanalyse weiter. Ein Forschungsprojekt von Google namens PhotoScan zielt darauf ab, den Körperfettanteil sowie Insulinresistenz mittels Smartphone-Fotos zu ermitteln. Erste Tests mit 132 Personen zeigten eine Genauigkeit von 2,15 Prozentpunkten, was die Präzision klassischer Bioelektrischer Impedanzanalysen (BIA) von 2,91 Prozentpunkten übertraf.

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Neue Herausforderungen durch moderne Therapien

Ein weiterer Aspekt der aktuellen Fitness-Debatte betrifft den Erhalt der Muskelmasse, insbesondere im Kontext moderner medikamentöser Behandlungen. Kristina Norman vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und der Charité warnt vor den Folgen von GLP1-RA-Therapien, die oft zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.

Die SURPASS3-Studie belege eine signifikante Abnahme des Muskelvolumens unter dieser Behandlung. Als Gegenmaßnahme gelten Krafttraining und eine gezielte Proteinzufuhr als Goldstandard. Laut Professor Manfred Müller aus Kiel weisen zudem 17 bis 25 Prozent der Patienten unter entsprechenden Therapien Ernährungsdefizite auf, was die Bedeutung einer ganzheitlichen Überwachung unterstreicht.

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