Fixkombinationen senken Therapieabbruch um 39%: JAMA-Metaanalyse
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 06:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweit leiden ĂŒber 800 Millionen Menschen an chronischer Nierenerkrankung (CKD). Das TĂŒckische: Die Nieren kompensieren einen Funktionsverlust von bis zu 80 Prozent, bevor erste Symptome auftreten. FrĂŒherkennung und vorbeugende Medikation sind daher entscheidend â besonders zur Senkung kardiovaskulĂ€rer Risiken.
Statine: Weniger LDL, mehr Schutz
Die aktuellen KDIGO-Richtlinien empfehlen Statine bei CKD-Patienten primĂ€r auf Basis des kardiovaskulĂ€ren Risikos â nicht allein nach LDL-Cholesterinwerten. FĂŒr Patienten ab 50 Jahren ohne Nierenersatztherapie ist der Einsatz generell indiziert. Bei JĂŒngeren unter 50 Jahren kommt eine Therapie infrage, wenn zusĂ€tzliche Risiken wie Diabetes, Bluthochdruck oder Albuminurie bestehen.
Bevorzugt wird oft Atorvastatin. Bei Rosuvastatin gilt: Liegt die Kreatinin-Clearance unter 30 ml/min, sind maximal 10 mg pro Tag erlaubt. Vorsicht ist geboten bei Wechselwirkungen mit Makroliden, Azol-Antimykotika oder Ciclosporin. Die Kombination mit Gemfibrozil ist kontraindiziert.
Forscher des Weizman Institute entdeckten zudem einen ĂŒberraschenden Nebeneffekt: Sildenafil kann die Cholesterinverwertung in Krebszellen bremsen â und Statine verstĂ€rken diesen Effekt. Statistische Analysen deuten auf ein verbessertes Ăberleben bei Krebspatienten hin, die beide Wirkstoffklassen einnahmen.
Neue Zulassungen: Atrasentan und Obicetrapib
Die Pharmakotherapie fĂŒr Nierenpatienten macht Fortschritte. Am 2. April 2025 erhielt der selektive ETA-Antagonist Atrasentan die FDA-Zulassung zur Behandlung der primĂ€ren IgA-Nephropathie. Das Medikament wird in einer Dosierung von 0,75 mg tĂ€glich eingesetzt und soll die Proteinurie reduzieren. Die Phase-3-Studie ALIGN lĂ€uft voraussichtlich bis Mitte Dezember 2026.
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Auch beim Lipidmanagement tut sich etwas: Der CHMP hat eine positive Stellungnahme fĂŒr Obicetrapib und seine Fixkombination mit Ezetimib abgegeben. Phase-3-Studien zeigen eine LDL-C-Senkung von bis zu 40 Prozent in der Monotherapie und bis zu 50 Prozent in der Kombination. Die EU-Kommission entscheidet voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2026.
Eine Metaanalyse im Juli 2026 in JAMA unterstreicht den Wert von KombinationsprĂ€paraten. Die Auswertung von Daten ĂŒber 159.000 Probanden ergab: Fixkombinationen aus Sartanen und Kalziumkanalblockern senken das Risiko eines Therapieabbruchs um 39 Prozent. Alleinige Kalziumkanalblocker oder Kombinationen aus Betablockern und Thiaziddiuretika schnitten deutlich schlechter ab.
Forschung: STAREE-Studie und Kardio-CT
Mit Spannung erwartet werden die Ergebnisse der STAREE-Studie. Sie untersucht den Einsatz von 40 mg Atorvastatin bei ĂŒber 9.900 Senioren ab 70 Jahren. Ziel ist es, den Einfluss auf kardiovaskulĂ€re Ereignisse sowie das Ăberleben ohne Demenz oder Behinderungen zu klĂ€ren. Die PrĂ€sentation ist fĂŒr den ESC-Kongress Ende August 2026 in MĂŒnchen geplant.
In der Diagnostik hat sich das Kardio-CT als primÀres Instrument bei Verdacht auf koronare Herzkrankheiten etabliert. Es bietet hohe diagnostische Sicherheit und gilt als kosteneffizient. Die Grenze: Bei schwerer NierenschwÀche ist der Einsatz aufgrund der benötigten Kontrastmittel eingeschrÀnkt.
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Transplantation: Dritte Niere erfolgreich verpflanzt
Trotz aller medikamentösen Fortschritte bleibt die Transplantation die effektivste Therapie bei terminaler Niereninsuffizienz. Ende Juli 2026 gelang in Vietnam ein medizinischer Erfolg: Einem 57-jĂ€hrigen Patienten mit GefĂ€Ăanomalien wurde erfolgreich eine dritte Niere transplantiert. Der Fall zeigt die chirurgischen Möglichkeiten bei komplexen Vorerkrankungen â auch wenn die LangzeitĂŒberlebensraten nach Mehrfachtransplantationen niedriger liegen. Experten beziffern das FĂŒnf-Jahres-Ăberleben nach einer dritten Transplantation auf etwa 55 bis 70 Prozent.
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