Flora-Suite von Nvidia: Annotation kostet rechnerisch 0,72 Dollar pro Stunde
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Forschungseinheit Nvidia GEAR hat am 20. Oktober 2026 die Flora-Suite vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine quelloffene Daten-Engine zur automatisierten Annotation von Videoaufnahmen menschlicher Bewegungen und robotischer AblÀufe.
Das System dient dem gezielten Training humanoider Roboter und basiert auf drei feinjustierten Modellen der Architektur Qwen3.5. Das offizielle Datum der Modellkarten auf der Plattform Hugging Face war bereits der 15. Oktober 2026.
Dreigliedrige Modellarchitektur fĂŒr Segmentierung und Bewertung
Die Werkzeugreihe gliedert sich in spezialisierte Komponenten mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen. FĂŒr die zeitliche Aktionssegmentierung setzt Nvidia GEAR auf Flora-TempSeg mit 9 Milliarden Parametern, das mittels LoRA auf Qwen3.5-9B trainiert wurde.
Die detaillierte Beschreibung ĂŒbernimmt der Flora-Captioner mit 27 Milliarden Parametern auf Basis von Qwen3.5-27B. Dieses Modell generiert zeitgestempelte AblauferklĂ€rungen unter BerĂŒcksichtigung des Vor- und Nachkontexts. Die Textausgaben sind gegenwĂ€rtig auf Englisch beschrĂ€nkt.
Als dritter Baustein fungiert der Flora-Rewarder, der ebenfalls 27 Milliarden Parameter umfasst. Das Modell beurteilt HandlungsablÀufe mit einem Episoden-Score auf einer Skala von 1 bis 5. Zudem klassifiziert es einzelne Abschnitte im Takt von 0,5 Sekunden als normal, suboptimal oder fehlerhaft und liefert standardisierte Kriterienbewertungen.
Trainiert wurden die Systeme laut Herstellerangaben auf weniger als 10.000 Videostunden. Intern setzt das Unternehmen die Werkzeuge bereits im Rahmen des GR00T-Robotiktrainings ein, um dichte Prozessbelohnungen fĂŒr das bestĂ€rkende Lernen zu gewinnen sowie Kriterienbewertungen fĂŒr Realeinsatz-Tests zu erstellen.
Berechnete Kostenvorteile und Benchmark-Ergebnisse
In eigenen Modellrechnungen schĂ€tzt Nvidia GEAR die Annotationskosten fĂŒr den Captioner auf 0,72 US-Dollar pro Videostunde. Das Unternehmen stellt dem Kosten von 88,49 US-Dollar bei GPT-6 Astra gegenĂŒber, was einem rund 125-fachen Preisunterschied entspricht. FĂŒr Claude Opus 5 werden rund 42 US-Dollar pro Stunde veranschlagt.
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Bei dem Wert von 0,72 US-Dollar handelt es sich jedoch um eine Hochrechnung auf Basis eines angenommenen GPU-Mietpreises von 10 US-Dollar pro Stunde (mit einer Spanne von 0,51 bis 1,26 US-Dollar ohne Speicher- und Nebenkosten) und nicht um eine im Realbetrieb gemessene Summe.
Der Wert fĂŒr Astra geht dagegen auf protokollierte Schnittstellennutzung zurĂŒck. Zudem betont das Unternehmen, dass auf einer Konfiguration aus 512 GB300-Grafikprozessoren rechnerisch bis zu 200.000 Videostunden tĂ€glich annotiert werden könnten, was die RechenkapazitĂ€t der Hardware beziffere.
In vergleichenden Tests ergab sich ein gemischtes Leistungsbild. Bei einer Stichprobe von 50 Videos erzielte Flora laut Nvidia GEAR eine AnnotationsqualitÀt von 57,1 Prozent, wÀhrend GPT-6 Astra mit vollem Denkprozess 53,7 Prozent erreichte. Gemini 3.8 Flash lag bei 38,3 Prozent, Claude Opus 5 bei 30,4 Prozent.
Im WGO-Benchmark fĂŒhrte Flora bei der Bestimmung von Aktionsgrenzen mit einem Segmentierungs-F1-Wert von 50,3 bei einem Schwellenwert von 0,75 tIoU gegenĂŒber 46,0 bei Astra. Astra behauptete sich dagegen beim Gesamtergebnis sowie bei der Beschreibungsgenauigkeit; Gemini 3.8 Flash erzielte bei der reinen Textgenauigkeit die beste Leistung.
Weitere Werte auf dem WGO-Benchmark wiesen fĂŒr Astra eine Genauigkeit im Zielfenster von 77,4 gegenĂŒber 64,7 bei Flora aus. Der gemeinsam semantische F1-Wert lag bei 39,0 fĂŒr Astra und 34,5 fĂŒr Flora. Die Instruktionsgenauigkeit des Flora-Captioners betrug 64,7 Prozent.
Auf dem DenseCaptionBench erzielte Flora bei Videos mit menschlichen Akteuren Spitzenwerte, lag bei Robotervideos jedoch auf dem zweiten Platz hinter Astra. Bei der Messung der PunktqualitĂ€t fĂŒr 200 RoboterablĂ€ufe kam Astra auf 80,2 Punkte, Flora auf 73,7. Im Rahmen des RoboRewardBench lag Floras Fehlerrate um 27,8 Prozent unter jener von Astra.
Das Belohnungsmodell identifizierte 53,3 Prozent der Fehlerschritte, wĂ€hrend Wettbewerber maximal 11,7 Prozent und Astra null Prozent erreichten. Zugleich stufte Flora jedoch rund 11 Prozent regulĂ€rer AusfĂŒhrungsschritte fĂ€lschlicherweise als Fehler ein.
Der DenseRewardBench ergab einen Makro-F1-Wert von 46,2 fĂŒr den Flora-Rewarder. Der mittlere absolute Fehler beim RoboReward lag bei Flora bei 40,0 im Vergleich zu 55,4 bei Astra. Beim RubricBench verzeichnete Astra 3,6 Fehler gegenĂŒber 6,5 bei Flora.
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In einem dokumentierten Fallbeispiel extrahierte Flora 37 von 34 definierten Referenzaktionen, wĂ€hrend Astra lediglich 4 erfasste. Allerdings neigte das Modell dazu, zusammenhĂ€ngende Aktionen zu fein zu zergliedern oder fehlerhaft zu benennen. Branchenbeobachter merken zudem an, dass Astra bei der qualitativen Beschreibungsbewertung als PrĂŒfmodell fungierte und unabhĂ€ngige externe Validierungen der Herstellerdaten bislang ausstehen.
Lizenzierung und VerfĂŒgbarkeit
Die Modelle sind ĂŒber das Repository nvidia/flora weltweit zugĂ€nglich. Nvidia GEAR stellt die Software unter der proprietĂ€ren Lizenz NVIDIA OneWay Noncommercial bereit. Diese Bestimmung gestattet ausschlieĂlich die wissenschaftliche Nutzung und Evaluation, schlieĂt kommerzielle Anwendungen aus und bindet auch daraus abgeleitete Weiterentwicklungen an dieselben Restriktionen.
Strategisch ordnet das Unternehmen die Veröffentlichung als Teil seiner Bestrebungen ein, zentrale Schnittstellen der Wertschöpfungskette in der Robotikentwicklung zu besetzen.
