FMCSA-Ausnahme: Aurora darf fünf Jahre lang Warnleuchten statt Dreiecke nutzen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-Behörde für Verkehrssicherheit bei Nutzfahrzeugen (FMCSA) hat am 7. Oktober 2026 eine fünfjährige Ausnahmegenehmigung für das autonome Trucking-Unternehmen Aurora und weitere Betreiber selbstfahrender Lastwagen erteilt. Die Regelung erlaubt es, anstelle herkömmlicher, manuell am Fahrbahnrand platzierter Warndreiecke fahrzeugmontierte bernsteinfarbene Warnleuchten zu nutzen.
Die dem Verkehrsministerium (USDOT) untergeordnete Behörde begründete den Schritt damit, dass das System ein gleichwertiges oder höheres Sicherheitsniveau gewährleiste. Zudem verhindere die Technik, dass Menschen beim Aufstellen von Signalmitteln dem Risiko ausgesetzt seien, vom fließenden Verkehr erfasst zu werden.
Fünf Jahre Gültigkeit und strenge Auflagen
Die Ausnahmegenehmigung gilt vom 7. Oktober 2026 bis zum 7. Oktober 2031, sofern sie nicht vorzeitig widerrufen wird, und wurde am 9. Oktober 2026 im Federal Register veröffentlicht. Sie ersetzt vier befristete Dreimonatsausnahmen, die seit Oktober 2025 gewährt worden waren.
Berechtigt sind alle Betreiber hochautomatisierter Lastwagen nach SAE-Level 4, sofern sie die FMCSA vorab schriftlich in Kenntnis setzen. Neben Aurora schlossen sich auch die Unternehmen Kodiak, Waabi und Stack AV der Regelung an. Eine allgemeine Freigabe für konventionelle Lastwagen oder sämtliche Formen automatisierter Fahrten stellt der Beschluss jedoch nicht dar.
An den Betrieb sind detaillierte technische Vorgaben geknüpft. Die bernsteinfarbenen Signalleuchten müssen mindestens 100 Zoll über dem Boden an spezifischen Montageorten angebracht sein, den photometrischen Standards der Norm SAE J595 entsprechen und über eine redundante Stromquelle verfügen.
Nach einem Nothalt müssen die Leuchten innerhalb von fünf Minuten aktiviert werden – menschlichen Fahrern werden nach US-Recht zehn Minuten zugestanden – und während der gesamten Standdauer blinken.
Zudem greifen operative Beschränkungen: Die Fahrten müssen auf validierte Einsatzbereiche beschränkt bleiben. Ausgeschlossen sind Gefahrguttransporte, Passagierfahrten, Schulbusse sowie Langkombinationen mit drei Anhängern.
Den US-Bundesstaaten ist es untersagt, abweichende Regeln für den bundesstaatenübergreifenden Verkehr durchzusetzen. Tritt ein Unfall bei aktivierten oder erforderlichen Warnleuchten ein, muss dieser binnen fünf Tagen gemeldet werden. Darüber hinaus verlangt die Behörde jährliche Berichte über Systemausfälle.
Die FMCSA hat am 7. Oktober 2026 eine fünfjährige Ausnahmegenehmigung erteilt: Autonome Level-4-Lkw dürfen kabinenmontierte bernsteinfarbene Warnleuchten statt Warndreiecke nutzen — mit klaren technischen Auflagen. Wer als Flottenbetreiber von solchen Regelungen profitieren will, muss die Bedingungen kennen, bevor die Konkurrenz sie nutzt. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Kurswechsel nach juristischem Tauziehen
Mit dem Beschluss revidiert die FMCSA ihre Entscheidung vom Dezember 2024. Damals hatte die Behörde einen gemeinsamen Antrag von Aurora und Waymo für eine breite Klasse autonomer Speditionen abgelehnt. Als Begründung hieß es seinerzeit, ein gleichwertiges Sicherheitsniveau sei nicht belegt, zudem bestünden Fragen zur Sichtbarkeit an Steigungen oder in Kurven.
Aurora hatte bereits 2023 einen ersten Antrag eingereicht und im April 2026 ein separates Gesuch gestellt. Anfang 2025 klagte das Unternehmen zunächst gegen die Ablehnung der Behörde, zog die Klage jedoch zurück, nachdem ab Oktober 2025 vorläufige Ausnahmen bewilligt worden waren.
Zur Untermauerung der aktuellen Genehmigung dienten Betriebsdaten von 34 Lastwagen über mehr als 500.000 Meilen, bei denen die Signalleuchten rund 10 Stunden im Einsatz waren. Insgesamt gingen 402 öffentliche Stellungnahmen zu dem Verfahren ein.
Kritik von Fahrern und Expansionspläne der Branche
Aus der traditionellen Transportbranche regt sich Widerspruch gegen den Beschluss. Der Präsident des Fahrerverbands OOIDA, Todd Spencer, kritisierte die Genehmigung als eine Sonderregelung zugunsten von Konzernen, die einen bedenklichen Präzedenzfall schaffe.
Vier Dreimonats-Waiver, eine abgelehnte Klage, jetzt fünf Jahre Planungssicherheit: Die US-Regulierung für autonome Lkw bewegt sich schnell — und DACH-Flottenmanager, die heute keine belastbare Compliance-Struktur aufbauen, riskieren morgen den Anschluss. Der Report zeigt, welche Auflagen für Level-4-Betrieb gelten und wie Sie Ihr Audit aufsetzen. 5-Schritte-Compliance-Audit jetzt sichern
Aurora betreibt derzeit rund 20 autonome Lastwagen auf öffentlichen Straßen. Das in einem Aktionärsbrief im Juli formulierte Unternehmensziel sieht vor, bis Ende 2026 insgesamt 200 fahrerlose Lastwagen einzusetzen.
Behördenseitig wird der Ausbau der Technologie weiter begleitet: Auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hatte dem Anbieter Zoox kürzlich eine zweijährige Ausnahme für bis zu 5.000 autonome Fahrzeuge erteilt, während bis 2028 verbindliche Leistungsstandards für selbstfahrende Fahrzeuge erarbeitet werden sollen.
