Forscher finden Wollnashorn-DNA in fossilem HyÀnen-Kot
03.11.2023 - 08:10:31Sie gehörten zu den Tieren der Eiszeit: Wollnashörner (Coelodonta antiquitatis) lebten einst in den Steppen Europas und Asiens. Knochenfunde belegten, dass die Pflanzenfresser auch in Deutschland zu finden waren. Nun konnten Forscher in der NÀhe von Ulm auch DNA-Spuren der Vierbeiner nachweisen, wie die UniversitÀt Konstanz mitteilte.
Die Spuren seien in nahezu versteinerten bis zu 60.000 Jahre altem HyĂ€nen-Kot entdeckt worden. Die Hinterlassenschaften der Aasfresser seien schon vor Jahren bei Ausgrabungen des Landesamts fĂŒr Denkmalpflege Baden-WĂŒrttemberg in den Höhlen des Lonetals nordöstlich von Ulm entdeckt worden.
Forscher der Uni Konstanz werteten zusammen mit Kollegen der Uni TĂŒbingen und des Landesamts fĂŒr Denkmalpflege in Stuttgart die Spuren aus. Den Forschern nach haben die HyĂ€nen die Wollnashörner vor 45.000 bis 60.000 Jahren gefressen. Die genetischen Spuren wĂŒrden nun RĂŒckschlĂŒsse geben ĂŒber den Stammbaum des ausgestorbenen europĂ€ischen Wollnashorns und seine Verwandtschaftsbeziehungen zu seinen sibirischen Artgenossen.
Der HyÀnen-Kot ist voller Informationen
Wollnashörner gehören wie auch die Wollhaarmammuts oder Höhlenlöwen zur eiszeitlichen Megafauna. Ihr dichtes Fell sorgte fĂŒr WĂ€rme und schĂŒtzte sie damit vor der KĂ€lte. Ihre Schulterhöhe wird auf zwei Meter geschĂ€tzt. Die Tiere waren Experten nach etwa 1700 Kilogramm schwer und hatten zwei beeindruckende Hörner auf ihrem NasenrĂŒcken.
Das nun gefundene Erbgut der Tiere soll weiter untersucht werden. Es könnte nĂ€heren Aufschluss ĂŒber die PopulationsgröĂen und die Verwandtschaftsbeziehungen bringen. Der HyĂ€nen-Kot enthalte zudem viel Information zu Pflanzen und anderen Organismen der Umgebung und eigne sich sehr gut, um die alte Umwelt, in der unter anderem Neandertaler lebten, zu verstehen, erklĂ€rte die Konstanzer Umweltgenomikerin Laura Epp.
«Es ist ein bisschen verrĂŒckt, dass wir rein aus den fossilen Exkrementen einer HyĂ€ne das erste mitochondrielle Genom eines europĂ€ischen Wollnashorns rekonstruiert haben», so Professorin Epp weiter. «Es deutet aber darauf hin, woher wir alles genomische Daten beziehen können - auch aus Proben, die auf den ersten Blick scheinbar nichts mit den Organismen zu tun haben.»


