Frakturtraining, Rimasys

Frakturtraining: Rimasys kann knapp 180 Bruchmuster simulieren

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zertifizierte Zentren, ambulante HĂŒftoperationen und Simulationstraining prĂ€gen die Versorgung; Marktanalysen erwarten weiteres Wachstum.

HĂŒftverletzungen: Kliniken setzen auf Spezialisierung und neue Verfahren
Ein moderner, heller Krankenhausflur mit minimalistischer Architektur und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung von HĂŒft- und Beckenverletzungen stellt das Gesundheitssystem vor wachsende Herausforderungen. Durch den demografischen Wandel steigt die Zahl der Betroffenen stetig, wĂ€hrend komplexe Vorerkrankungen und verĂ€nderte chirurgische Methoden neue Anforderungen an Kliniken, Spezialisten und medizintechnische Verfahren stellen.

Aktuelle Entwicklungen in Kliniken und der Forschung verdeutlichen, wie sich operative Eingriffe, interdisziplinÀre BetreuungsansÀtze und Trainingsmethoden derzeit verÀndern.

MultimorbiditÀt erfordert spezialisierte Zentren

Ältere Patienten, die eine Schenkelhalsfraktur erleiden, weisen hĂ€ufig erhebliche Vorerkrankungen auf. Wie aus Berichten des Krankenhauses Stolberg hervorgeht, leiden Betroffene oft zusĂ€tzlich an Herzleiden, Diabetes, Osteoporose oder Bluthochdruck. Bereits im Jahr 2015 reagierte die Gesundheitspolitik mit dem Krankenhausplan Nordrhein-Westfalen darauf und stĂ€rkte die Altersmedizin gezielt mit Blick auf die alternde Bevölkerung.

Um dieser KomplexitĂ€t gerecht zu werden, setzen Kliniken verstĂ€rkt auf zertifizierte Kooperationen. Das Klinikum Mutterhaus der BorromĂ€erinnen in Trier wurde im Jahr 2026 erneut von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Unfallchirurgie (DGU) als Alterstraumazentrum rezertifiziert.

Die Einrichtung, die seit 2020 das einzige zertifizierte Zentrum dieser Art in Trier und Umgebung darstellt, wird gemeinschaftlich von Volker Pickan, Chefarzt der Geriatrie, und Dr. med. Elmar Schwarz, Chefarzt fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie, geleitet. Die erhobenen Struktur- und Prozessdaten fließen in das AltersTraumaRegister DGU ein.

Parallel gewinnen hochspezialisierte Endoprothetikzentren an Bedeutung. Das AGAPLESION Markus Krankenhaus in Frankfurt erhielt die Zertifizierung als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZmax). Die Klinik unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. med.

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Yves Gramlich gehört bei HĂŒft- und Knieendoprothetik sowie Knochenbruchversorgung laut einer QualitĂ€tsbewertung der AOK zu den besten 20 Prozent aller KrankenhĂ€user und setzt unter anderem einen VELYS-Knieroboter mit einer PrĂ€zision im Zehntelmillimeterbereich ein.

Ambulante Eingriffe und innovative Trainingsmethoden

Neben der stationĂ€ren Spezialisierung gewinnen ambulante Verfahren an Raum. Am Ordensklinikum Linz fĂŒhrte der Leiter der OrthopĂ€die am Standort Barmherzige Schwestern, Primar Reinhold Ortmaier, die erste ambulante HĂŒftgelenksersatz-Operation in Oberösterreich durch.

Der Eingriff bei dem 41-jÀhrigen Patienten Mirzet Hurem dauerte zwischen 30 und 40 Minuten bei einer SchnittlÀnge von 8 bis 10 Zentimetern unter Kurznarkose oder Kreuzstich. WÀhrend Patienten zuvor oft bis zu zehn Tage stationÀr blieben, erfolgte die Entlassung noch am selben Tag.

Zu den Voraussetzungen fĂŒr ein solches ambulantes Vorgehen zĂ€hlen ein stabiler Gesundheitszustand ohne schwere Herz-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen sowie eine hĂ€usliche Betreuungsperson fĂŒr die ersten 24 Stunden.

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Um Operateure besser auf komplexe Bruchkonstellationen vorzubereiten, kommen neue Simulationsverfahren zum Einsatz. Das Kölner Unternehmen Rimasys entwickelte eine Vorrichtung, mit der an tiefgefrorenen menschlichen Körperspenden aus den USA gezielt Frakturen erzeugt werden können.

GeschĂ€ftsfĂŒhrer Henning Roet de Rouet erklĂ€rte, dass sich knapp 180 verschiedene Frakturmuster nachstellen lassen. Prof. Bertil Boullion vom Klinikum Köln-Merheim hob hervor, dass ein derartiges Training so viel medizinisches Wissen vermittle wie zehn Operationen an lebenden Patienten.

Marktperspektiven und Bedeutung der PrÀvention

Die Entwicklung spiegelt sich auch in Marktdaten wider. Marktanalysen von IndexBox prognostizieren fĂŒr den globalen Markt fĂŒr bipolare HĂŒftteilprothesen zwischen 2026 und 2035 eine jĂ€hrliche Wachstumsrate (CAGR) von 3,8 Prozent, was einem kumulierten Anstieg von 45 Prozent entspricht.

Auf KrankenhĂ€user entfallen 55 Prozent des Marktvolumens, auf ambulante Operationszentren 20 Prozent und auf orthopĂ€dische Praxen 10 Prozent. FĂŒr regenerative orthopĂ€dische Chirurgieprodukte wird im selben Zeitraum sogar ein jĂ€hrliches Wachstum von 6,8 Prozent erwartet, angetrieben durch Arthrose, Osteoporose und die Verlagerung in den ambulanten Sektor.

Trotz moderner Prothesen bleibt die frĂŒhzeitige Mobilisation zentral. Fachleute wie der Sportwissenschaftler Prof. Ingo Froböse betonen, dass lĂ€ngere Schonung zum Abbau biologischer Funktionen fĂŒhrt, und raten zu regelmĂ€ĂŸigen GleichgewichtsĂŒbungen wie dem tĂ€glichen Einbeinstand sowie mehrfach wöchentlichen Kniebeugen zur Sturzprophylaxe.

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