Frankfurt SEED: 5.000 Quadratmeter Grün für Stadtklima-Rettung
13.06.2026 - 13:50:44 | boerse-global.de
Architekten weltweit zeigen jetzt, wie aus diesen Altbauten großzüge Wohnträume werden. Die Rezepte: vertikale Raumkonzepte, clevere Materialwahl und nachhaltige Sanierung.
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Licht fängt oben an
Ein zentraler Trick: offene Grundrisse und doppelte Deckenhöhen. In Melbourne verwandelten Architekt Emlyn Olaver und das Interiorstudio Pasquale Cook ein dunkles Stadthaus radikal. Das Geheimnis? Eine offene Treppe, die Tageslicht tief ins Haus leitet. Nussbaum, Travertin und Edelstahl reflektieren die Helligkeit zusätzlich.
Noch ausgefallener wird es im indonesischen Surabaya. Dort baute das Büro KantorGG das „SE House“ mit einem doppelhohen Wohnzimmer. Die Fassade aus künstlichem Rattan dient nicht nur der Optik – sie sorgt für Querlüftung. Eine bronzene Wendeltreppe verbindet die Etagen mit einem Keller, der Kino und Wellnesszone beherbergt.
Alt trifft Neu: Symbiose mit Charakter
Die spannendsten Projekte verbinden historische Substanz mit modernen Anbauten. In Berlin-Prenzlauer Berg entstand mit dem „Helmhouse“ ein siebengeschossiges Gebäude. Fertiggestellt im September 2025, integrierten die Architekten von TCHOBAN VOSS zwei dreigeschossige Townhouses. Das Haus erreicht den BEG-Effizienzhaus-Standard 55 und setzt auf Fernwärme plus Regenwassermanagement.
In Kaiserswerth zeigt das Projekt „Kreuzberghof Front House“, wie ein moderner Holz-Innenhofbau direkt neben einem Gebäude aus den 1920er Jahren bestehen kann. Ähnlich in Brisbane: Ein Bungalow aus den 1930ern wurde zum „Bardon Treehouse“ umgebaut. Das CG Design Studio kombinierte französisches Bauernhaus-Flair mit einem industriellen Anbau aus Stahl, Naturstein und recyceltem Holz.
In Melbourne verbindet das „Lorne Road House“ ein Victorian Cottage von 1893 mit einem modernen Anbau. Thermische Bodenfliesen und Außenjalousien machen den Altbau fit für die Zukunft.
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Nachhaltigkeit ist kein Luxus, sondern Pflicht
Die energetische Modernisierung spielt eine Schlüsselrolle. In Ludwigsburg sanierten Architekten eine Villa aus den 1960er Jahren mit rund 350 Quadratmetern Fläche. Seit Projektbeginn 2014 installierten sie eine Luftwärmepumpe, Photovoltaik und Dreifachverglasung. Die Fassade bekam zudem Holzlamellen.
Damit solche Maßnahmen nicht jedes Mal Neuland sind, entwickelt das KIT Karlsruhe die Plattform NaiS (Nachhaltige intelligente Sanierungsmaßnahmen). Der Prototyp bewertet Sanierungspotenziale und soll in die Software der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) integriert werden. Das Ziel: den Planungsprozess für nachhaltige Sanierungen drastisch vereinfachen.
Grün statt Grau: Wie Pflanzen das Stadtklima retten
Vegetation in und an Gebäuden ist mehr als Dekoration. Das „SE House“ nutzt einen japanisch inspirierten Karesansui-Korridor und einen Innenhof mit Wasserfall. Im Frankfurter Europaviertel feierte das Projekt „SEED“ Mitte 2026 Richtfest. Rund 5.000 Quadratmeter Grünflächen sind geplant. Fertigstellung: Mitte 2027.
Die Wissenschaft untermauert den Trend. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert ein Projekt des Bundesverbands Gebäudegrün mit 135.000 Euro. Ziel ist ein Leitfaden für die Begrünung historischer Altstadtbauten. Unter Beteiligung der Universität Bayreuth untersuchen Forscher, wie Dach- und Fassadenbegrünungen als Schutz gegen Hitze und Starkregen in sensiblen historischen Kontexten wirken. Studien zeigen: Begrünte Gebäude leisten einen messbaren Beitrag zur Klimaanpassung in Städten.
