Appell, Verlage

Frankfurter Appell: 120 Verlage fordern Offenlegung von KI-Trainingsdaten

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 22:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Börsenverein verlangt Transparenz bei KI-Trainingsdaten und setzt sich zugleich für verbindliche Lesezeiten an Schulen ein.

Frankfurter Buchmesse: 120 Verlage fordern klare KI-Regeln
Leere Regale in einer historischen Bibliothek mit warmem, natürlichem Licht und Fokus auf die Textur alter Buchrücken. Illustration mit AI erstellt.

Zum Auftakt der 78. Frankfurter Buchmesse hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den sogenannten Frankfurter Appell vorgestellt, den nach Angaben des Branchenverbands 120 Verlage unterzeichnet haben. Neben den Forderungen der Verlage nach klaren gesetzlichen Vorgaben für Künstliche Intelligenz sorgte die Historikerin Jill Lepore für Aufmerksamkeit: Sie warnte vor einem künstlichen Staat unter der Kontrolle marktbeherrschender KI-Konzerne.

Die gemeinsame Erklärung der Buchbranche richtet sich direkt an die Europäische Kommission, das Europäische Parlament sowie die deutsche Bundesregierung. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach einer umfassenden Offenlegung konkreter KI-Trainingsdaten, fairen Lizenzmodellen und einer wirksamen Durchsetzung des Urheberrechts.

Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz wies darauf hin, dass Technologieunternehmen geschützte Werke ohne vorherige Einwilligung und ohne Vergütung nutzten, um ihre KI-Modelle zu trainieren.

Viele Verlage sähen sich dabei strukturell benachteiligt, da ihnen schlicht das Geld und die Zeit für langwierige juristische Auseinandersetzungen fehlten. Guggolz verlangte daher verbindliche politische Rahmenbedingungen für den Umgang mit KI.

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Nachfragerückgang und Defizite bei der Lesekompetenz

Der Vorstoß fällt in eine wirtschaftlich angespannte Lage für den Buchmarkt. Nach Angaben des Börsenvereins ging der Buchabsatz in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent zurück, während der Umsatz ein Minus von 3 Prozent verzeichnete.

Besonders drastisch entwickelte sich zuletzt das Segment der jüngeren Leserschaft: Im Jahr 2025 sank die Zahl der Buchkäuferinnen und Buchkäufer im Alter von 10 bis 15 Jahren gegenüber 2024 um 30,6 Prozent. Zudem belegen die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie, dass ein Drittel der 15-Jährigen nicht ausreichend lesen kann.

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Vor diesem Hintergrund beschränken sich die Anliegen des Branchenverbands nicht allein auf das Urheberrecht. Um dem Leseschwund und bildungspolitischen Defiziten entgegenzuwirken, sprachen sich sowohl der Börsenverein als auch Vorsteher Sebastian Guggolz für strukturelle Maßnahmen an Schulen aus.

Konkret forderten sie die Einführung täglicher verbindlicher Lesezeiten sowie die Verankerung von Medienkompetenz als eigenständiges Pflichtfach im Unterricht. Die Buchmesse auf dem Frankfurter Messegelände findet vom 7. bis zum 11. Oktober 2026 statt.

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