Studie: Frauen profitieren stÀrker von Sport als MÀnner
28.10.2025 - 09:07:39Frauen halten sich seltener an die empfohlene Zeit fĂŒr Sport als MĂ€nner. Wenn sie es tun, profitiert zumindest ihr Herz jedoch stĂ€rker davon. Das belegt eine Studie im Fachjournal «Nature Cardiovascular Research».Â
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen pro Woche mindestens 150 Minuten körperliche AktivitĂ€t moderater IntensitĂ€t oder 75 Minuten intensiven Sport oder eine Kombination von beiden. Nach Studienangaben senkte moderater bis intensiver Sport von 150 Minuten pro Woche bei Frauen die Wahrscheinlichkeit fĂŒr die koronare Herzkrankheit um 22 Prozent, bei MĂ€nnern aber nur um 17 Prozent.Â
Bei der Krankheit lagern sich Plaques in den Herzkranzarterien ab, die das Organ mit Blut und damit Sauerstoff versorgen. Das macht sich bei Betroffenen etwa mit Schmerzen in der Brust bemerkbar, der sogenannten Angina Pectoris. Die Ablagerungen können aber auch zum Herzinfarkt und Herztod fĂŒhren.Â
Die Studie zeigte auch einen groĂen Nutzen von lĂ€ngerem Training: Mit etwa 250 Minuten moderat bis intensivem Sport pro Woche können Frauen das Risiko fĂŒr die koronare Herzkrankheit sogar um rund 30 Prozent senken. Um den gleichen Wert zu erreichen, mĂŒssen MĂ€nner rund 530 Minuten investieren â mehr als doppelt so viel Zeit.Â
GroĂe Unterschiede bei Herz-Kreislauf-Krankheiten
Dass sich die Geschlechter in Bezug auf Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich unterscheiden, haben in den vergangenen Jahren viele Untersuchungen gezeigt. Nicht nur haben Frauen bei einem Herzinfarkt mitunter gĂ€nzlich andere Symptome als MĂ€nner. Sie sprechen auch auf Therapien und VorsorgemaĂnahmen anders an. Trotzdem erhalten alle Menschen meist einheitliche Empfehlungen fĂŒr prĂ€ventive Bewegungsangebote. Die neue Studie liefere nun deutliche Belege dafĂŒr, dass dieser Ansatz nicht ausreichend sei, schreibt die Kardiologin Emily S. Lau vom Massachusetts General Hospital in Boston in einem begleitenden Kommentar.
Das Team um den Bioinformatiker Jiajin Chen von der Xiamen University in China hat Daten aus der seit 2006 laufenden «UK Biobank»-Kohortenstudie ausgewertet. Ăber 85.000 Teilnehmende auf GroĂbritannien hatten dafĂŒr einen Bewegungssensor getragen. Diese Informationen kombinierten die Forschenden mit spĂ€teren Gesundheitsdaten. WĂ€hrend einer mittleren Beobachtungszeit von etwa acht Jahren von etwa 80.000 Menschen, die zu Beginn keine koronare Herzkrankheit hatten, traten 3.764 Ereignisse einer solchen Erkrankung ein.Â
Die Forscher untersuchten auch die Sterblichkeit. Die Analyse von rund 5000 Menschen mit koronarer Herzkrankheit zu Beginn der Studie ergab: MĂ€nner mussten etwa 1,7-mal so viel Sport treiben wie Frauen, um im Beobachtungszeitraum eine vergleichbare relative Reduktion des Sterblichkeitsrisikos wie Frauen zu erreichen.
Es gibt bereits Erfolge
Frauen seien weltweit gesehen weniger sportlich aktiv als MĂ€nner, schreibt das Autorenteam mit Verweis auf eine frĂŒhere Studie. Demnach treiben 33,8 Prozent der Frauen zu wenig Sport, im Vergleich zu 28,7 Prozent der MĂ€nner. Das unterstreiche die Notwendigkeit, Bewegungsempfehlungen genauer auf Frauen zuzuschneiden, argumentiert die Kommentatorin Lau. «Investitionen in geschlechtsspezifische Herz-Kreislauf-Forschung haben bereits zu einer 30-prozentigen Senkung der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit bei Frauen beigetragen â ein wichtiger Meilenstein, wenn man bedenkt, dass weltweit jede dritte Frau an Herz-Kreislauf-Erkrankungen stirbt.»
«Die Studie ist methodisch solide und in einem hochrangigen Journal publiziert», kommentierte Kardiologin Christina Magnussen vom UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die Ergebnisse zeigen signifikante GeschlechtsÂunterschiede in den Effekten der körperlichen AktivitĂ€t auf das Auftreten der koronaren Herzkrankheit und der Sterberate.» Die Richtung und GröĂenordnung der ZusammenhĂ€nge seien auch fĂŒr Deutschland möglich.Â
Allerdings betont sie, dass eine ĂberprĂŒfung der Ergebnisse in deutschen Kohortenstudien wĂŒnschenswert sei, da die UK Biobank nicht gĂ€nzlich reprĂ€sentativ fĂŒr die Allgemeinbevölkerung sei. Sie enthalte ĂŒberwiegend weiĂe Teilnehmende sowie tendenziell gesĂŒndere und eher wohlhabendere und bildungsnahe Menschen.





