Frauen-Schutzräume, Boobs

Frauen-Schutzräume: 700 feiern „Bier, Boobs, Brezn“ auf der Wiesn

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Separate Angebote stärken Sicherheitsgefühl und Vernetzung; zugleich zeigen Zahlen Lücken bei Schutz und wirtschaftlicher Teilhabe.

Frauen-Schutzräume: Wiesn, Fitnessstudios und Städte setzen neue Akzente
Die historische Trennmauer am Strandbad Pedocìn in Triest bei ruhigem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Gesellschaftliche Relevanz geschlechtsspezifischer RĂĽckzugsorte

Die Diskussion über die Notwendigkeit und den Nutzen exklusiver Schutzräume für Frauen sowie unterstützender Gemeinschaftsstrukturen hat in den letzten Monaten an Intensität gewonnen. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit solche Angebote zur mentalen Stabilität und zum Sicherheitsgefühl beitragen können.

Ein markantes Beispiel für diese Entwicklung zeigte sich im September 2026 auf dem Münchener Oktoberfest. Erstmals in der 191-jährigen Geschichte der Wiesn fand im Bräurosl-Festzelt eine Veranstaltung statt, die sich ausdrücklich an lesbische Frauen und Personen aus dem Flinta-Spektrum richtete.

Unter dem Titel „Bier, Boobs, Brezn“ feierten am 21. September 2026 rund 700 Frauen. Die Organisatorinnen Sina Scherer, Silke Völling und Ricarda Hofmann betonten das Ziel, Wiesntraditionen weiblich zu interpretieren und einen sogenannten „Safe Space“ zu schaffen.

Teilnehmerinnen berichteten in diesem Rahmen von einem geringeren Risiko für Übergriffe im Vergleich zum regulären Festbetrieb. Gleichzeitig machten sie auf fehlende Angebote für queere Frauen in Großstädten wie München, Köln oder Düsseldorf aufmerksam. Die Veranstaltung stieß jedoch nicht nur auf Zustimmung, sondern wurde von zahlreichen Hasskommentaren in sozialen Netzwerken begleitet.

Räumliche Trennung im Freizeit- und Fitnesssektor

Modelle für geschlechtergetrennte Räume finden sich auch im europäischen Ausland und im Breitensport. Das Strandbad Pedocìn in Triest verzeichnete im Sommer 2026 über 100.000 verkaufte Tickets innerhalb von drei Monaten.

Eine Besonderheit dieses Bades ist eine 74 Meter lange Mauer, die den Frauenbereich physisch abschirmt. Auch in Österreich gab es ähnliche Bestrebungen, wie etwa die einmalige Aktion eines „Frauen*Strandes“ im Grazer Margaretenbad im Sommer 2023.

In der Fitnessbranche setzen Ketten wie Fitinn und McFit verstärkt auf separate Damenbereiche. Nico Hartwig, VP Marketing & Sales bei McFit, konstatierte an entsprechenden Standorten einen deutlichen Anstieg des Frauenanteils.

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Diese Entwicklung korrespondiert mit Bestrebungen im öffentlichen Raum: Im Jahr 2024 schlug die Berliner Grünen-Abgeordnete Antje Kapek die Einführung von U-Bahn-Waggons speziell für Frauen vor. Hintergrund sind Sicherheitsaspekte im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Laut einer parlamentarischen Anfrage fĂĽr das Jahr 2025 sind zwar die Gewaltdelikte insgesamt zurĂĽckgegangen, die Zahl der Sexualdelikte stieg jedoch an, wobei 90 Prozent der Betroffenen weiblich waren.

Sicherheit und Prävention im kommunalen Raum

In Städten wie Offenbach werden spezifische Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit ergriffen. Die dortige kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Dr. Inga Halwachs verwies für das Jahr 2025 auf 70 Anzeigen wegen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, was eine Steigerung gegenüber den Vorjahren (2024: 58 Fälle; 2023: 66 Fälle) darstellt.

Seit 2025 besteht in Offenbach zudem eine Partnerschaft mit dem Berliner Heimwegtelefon, das bundesweit erreichbar ist und fĂĽr September und Oktober 2026 eine Begleitung bis 1 Uhr nachts anbietet.

Zusätzlich entstehen neue Begegnungsorte mit kulturellem Fokus. In Aalen-Hirschbach ist für den 10. Oktober 2026 die Eröffnung des „Jägerinnenhauses“ geplant. Die Betreiberinnen Monika Theiss, Prisca Hummel und Julia Stark von der JH Collective GmbH haben das seit zwei Jahren leerstehende Gebäude gepachtet, um dort einen Veranstaltungs- und Kreativort für rund 60 Gäste zu schaffen.

Vernetzung und wirtschaftliche Teilhabe

Neben physischer Sicherheit rückt die Förderung von Frauen in der Wirtschaft in den Fokus. Beim vierten „Female Investors' Dinner“ in Berlin wies Initiatorin Jeannine Koch darauf hin, dass lediglich 1 Prozent des Risikokapitals an von Frauen geführte Start-ups fließt, obwohl ihr Anteil an den Neugründungen in Berlin bei 19,8 Prozent liegt.

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In Wien bekräftigte zudem eine Studie der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) im September 2026 die Bedeutung von Quoten in Aufsichtsräten. Der Visionärinnen-Club forderte in diesem Zusammenhang transparentere Zugänge zu Entscheidungspositionen und bessere Rahmenbedingungen für weibliche Führungskräfte, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken.

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