Frauen sprechen Fehler in MĂ€nnerteams seltener offen an
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUngleichheit zeigt sich beim Umgang mit Fehlern
- Die Studie befragte 1.485 FachkrÀfte aus dem britischen Finanzsektor.
- In Teams mit mindestens 75 Prozent MĂ€nnern lag das SicherheitsgefĂŒhl von Frauen bei 5,46 von sieben Punkten.
- Mehr als 80 Prozent der Befragten waren Frauen, was die Ăbertragbarkeit der Ergebnisse einschrĂ€nkt.
Eine britische Studie zeigt, dass Frauen eigene Fehler in stark mÀnnerdominierten Teams negativer wahrnehmen als in Arbeitsgruppen mit geringerem MÀnneranteil.
Weniger Sicherheit beim Eingestehen
FĂŒr die Untersuchung im britischen Finanzsektor wurden 1.485 FachkrĂ€fte befragt. Die Forscherinnen Grace Lordan und Paris Will arbeiten an der London School of Economics; veröffentlicht wurde die Studie im Fachmagazin «Frontiers in Organizational Psychology».
In Teams, deren MĂ€nneranteil mindestens 75 Prozent betrĂ€gt, bewerteten Frauen ihr SicherheitsgefĂŒhl beim Eingestehen eines Fehlers im Durchschnitt mit 5,46 Punkten auf einer Skala von eins bis sieben. Bei MĂ€nnern im selben Umfeld lag der Wert bei 5,94 Punkten.
Fehler werden seltener als Lernchance gesehen
Auch die EinschÀtzung, aus Fehlern lernen zu können, fiel bei Frauen in diesen Teams niedriger aus. Sie erreichten im Mittel 4,20 Punkte, MÀnner 4,54. In Teams mit geringerem MÀnneranteil lag der Wert der Frauen bei 5,58 Punkten beim Eingestehen von Fehlern und damit nÀher an der EinschÀtzung der MÀnner.
Bei den erwarteten formalen Folgen, etwa einem Eintrag in der Personalakte, stellten die Forscherinnen keinen geschlechtsspezifischen Unterschied fest. Die Unterschiede zeigten sich vielmehr bei psychologischen und informellen Aspekten des Umgangs mit Fehlern.
Finanzbranche als besonders belastetes Umfeld
Die Forscherinnen verweisen auf frĂŒhere Untersuchungen, nach denen Frauen in stereotypisch mĂ€nnlichen Rollen fĂŒr Fehler tendenziell hĂ€rter beurteilt und als weniger kompetent angesehen werden. Die Finanzbranche sei zugleich von hohem Druck und geringer Fehlertoleranz geprĂ€gt.
Die Ergebnisse bezögen sich deshalb vor allem auf vergleichbare Arbeitsumfelder. Zudem basierten sie auf SelbstauskĂŒnften zu einem hypothetischen Szenario: Die Befragten sollten sich einen Fehler von mĂ€Ăiger Bedeutung vorstellen, der etwa Nacharbeit fĂŒr Kollegen oder eine kleinere verpasste Frist verursacht.
Offene Fehlerkultur als FĂŒhrungsaufgabe
Nach EinschĂ€tzung der Forscherinnen können extrem mĂ€nnerdominierte Teams unter hohem Druck ein Klima der Angst, des Perfektionismus oder einer Null-Fehler-Kultur fördern. Wenn Frauen Fehler weniger frei ansprechen, gingen Unternehmen Vertrauen und mögliche Erkenntnisse fĂŒr Verbesserungen verloren.
Als Gegenmittel empfehlen die Forscherinnen eine ArbeitsatmosphÀre, in der Fehler nicht automatisch als persönlicher Makel gelten, sondern sachlich ausgewertet werden. Eine solche Fehlerkultur könne allen Teammitgliedern zugutekommen.
Fehlerkultur entscheidet ĂŒber Lernchancen
Die Studie ordnet das Problem nicht primĂ€r formalen Sanktionen zu, sondern dem sozialen Klima im Team. Frauen erwarteten bei hohem MĂ€nneranteil keine anderen offiziellen Folgen, fĂŒhlten sich aber weniger sicher, einen eigenen Fehler anzusprechen. Das verweist auf einen Unterschied zwischen geschriebenen Regeln und gelebter Arbeitskultur.
FĂŒr Unternehmen ist das relevant, weil unausgesprochene Fehler Risiken verlĂ€ngern können. Werden Probleme spĂ€t gemeldet, fehlen FĂŒhrungskrĂ€ften Informationen fĂŒr Korrekturen und Teams verlieren Lernchancen. Besonders sensibel ist die Situation in Branchen mit hohem Leistungsdruck und geringer Fehlertoleranz, auf die sich die Untersuchung konzentriert.
FĂŒhrung prĂ€gt das SicherheitsgefĂŒhl
Eine offene Fehlerkultur entsteht nicht allein durch Leitbilder. Entscheidend ist, wie Vorgesetzte auf Hinweise reagieren, ob sie nach Ursachen fragen und ob aus RĂŒckmeldungen erkennbare Konsequenzen folgen. Praktisch bedeutet das, Fehler von bewussten RegelverstöĂen zu unterscheiden und konkrete Verbesserungen zu vereinbaren.
Die Aussagekraft bleibt zugleich begrenzt: Mehr als 80 Prozent der Befragten waren Frauen, und die Ergebnisse beruhen auf SelbstauskĂŒnften zu einem hypothetischen Fehler mittlerer Bedeutung. Die Studie liefert damit einen wichtigen Hinweis auf geschlechtsspezifische Wahrnehmungen, aber keinen vollstĂ€ndigen Nachweis fĂŒr alle Branchen oder Arbeitssituationen.
Merkur: âPsychologische Sicherheit: Warum ein Obstkorb Ihr Team nicht rettetâ (10.10.2026)
Der Beitrag erlĂ€utere psychologische Sicherheit als Möglichkeit, Fragen, Bedenken und Fehler ohne BloĂstellung oder Bestrafung anzusprechen. Anders als die Studie richte er den Schwerpunkt auf konkrete FĂŒhrungsmaĂnahmen: Vorgesetzte sollten RĂŒckmeldungen aktiv einladen, konstruktiv beantworten und transparent machen, was daraus folge.

