FrĂŒhe, Menopause

FrĂŒhe Menopause: Diabetesrisiko steigt laut DDG um rund 30 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 06:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die DDG empfiehlt regelmĂ€ĂŸige Kontrollen, wĂ€hrend Studien VerĂ€nderungen bei Stoffwechsel, Körperfett und Knochen rund um die Menopause zeigen.
Frisches, gesundes GemĂŒse und NĂŒsse auf einem hölzernen Schneidebrett als Symbol fĂŒr eine bewusste ErnĂ€hrung. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem Beginn der hormonellen Umstellung in der Lebensmitte durchlaufen viele Frauen spĂŒrbare körperliche VerĂ€nderungen. Da mit den sinkenden Hormonspiegeln hĂ€ufig Muskelmasse verloren geht, sich viszerales Bauchfett anlagert und die Empfindlichkeit gegenĂŒber Insulin nachlĂ€sst, rĂŒckt die FrĂŒherkennung von Stoffwechselstörungen verstĂ€rkt in den Fokus.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) empfiehlt Frauen in der Lebensmitte daher einen regelmĂ€ĂŸigen Stoffwechsel-Check, um das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes und kardiovaskulĂ€re Folgeerkrankungen frĂŒhzeitig zu erkennen und abzufedern.

Hormonelle Dynamik und das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes

Rund um den Weltmenopausentag wies die DDG darauf hin, dass sinkende Östrogenspiegel die Entstehung von Bauchfett, Insulinresistenz und ungĂŒnstigen Blutfettwerten begĂŒnstigen. Diese Faktoren treiben nicht nur das Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes nach oben, sondern belasten auch Leber und GefĂ€ĂŸe.

DDG-PrĂ€sidentin Prof. Julia Szendrödi erklĂ€rte unter Verweis auf internationale Studien, dass Frauen mit einer frĂŒhen Menopause vor dem 45. Lebensjahr ein um rund 30 Prozent höheres Risiko fĂŒr Typ-2-Diabetes aufweisen.

Zu den von der DDG empfohlenen Kontrollparametern gehören die PrĂŒfung von NĂŒchternglukose und dem Langzeitblutzuckerwert HbA1c sowie Blutdruck, Blutfette, Körpergewicht, Taillenumfang und Leberwerte.

Eine solche ÜberprĂŒfung sei besonders ratsam, wenn Risikofaktoren wie Übergewicht, eine familiĂ€re Belastung oder ein frĂŒherer Schwangerschaftsdiabetes vorliegen. Zudem veranstaltet die DDG ihre diesjĂ€hrige Herbsttagung vom 13. bis 14. November in Dresden.

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Physiologische Mechanismen hinter der Fettumverteilung

Die biochemischen Ursachen fĂŒr diese VerĂ€nderungen sind vielfĂ€ltig. ErnĂ€hrungsmedizinerin Viktoria Schelle erlĂ€utert, dass sich das Fettgewebe durch das Absinken des Östrogenspiegels von HĂŒfte und Oberschenkeln in den Bauchraum verlagert. Das gleichzeitig ansteigende Follikelstimulierende Hormon (FSH) aktiviert Enzyme, die Zucker in Fett umwandeln, wĂ€hrend der Fettabbau im Bauchbereich blockiert wird.

Eine relative Testosteron-Dominanz und eine geringere Insulinempfindlichkeit verstĂ€rken diesen Effekt zusĂ€tzlich. Chronischer Stress und Schlafmangel fĂŒhren zudem zu einer erhöhten AusschĂŒttung von Kortisol, was Heißhungerattacken und viszerales Bauchfett weiter befeuert. Viszerales Fettgewebe gilt als relevanter Risikofaktor fĂŒr GefĂ€ĂŸerkrankungen, Diabetes, Demenz und Krebs.

Dass die hormonelle Transformation kein plötzlicher Abbruch, sondern ein langwieriger Prozess ist, belegen auch internationale Laboruntersuchungen. Ein Team um Uri Alon am Weizmann Institute wertete in einer Studie in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ ĂŒber 300 Millionen Labordaten von mehr als einer Million Frauen aus den USA und Israel aus.

Bei einem ermittelten Durchschnittsalter bei der Menopause von rund 51 Jahren zeigten sich in US-Daten bei 52 von 90 Laborwerten signifikante VerĂ€nderungen, darunter Marker fĂŒr Leber- und Nierenfunktion, Knochenstoffwechsel und Blutfette.

Bereits rund 15 Jahre vor der Menopause fĂ€llt das Anti-MĂŒller-Hormon stĂ€rker ab, das Östradiol etwa zwölf Jahre davor, wĂ€hrend der FSH-Wert rund 14 Jahre vor dem Ereignis ansteigt. Begleitend wurden ein beschleunigter Verlust der Knochendichte sowie höhere Raten von Gicht, Arthritis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt.

Lebensstil und Bewegung als therapeutische Hebel

Bereits etwa zwei Jahre vor der letzten Menstruation verdoppelt sich laut einer in „JCI Insight“ veröffentlichten Untersuchung die Rate der Fettansammlung, wĂ€hrend Magermasse abnimmt – hĂ€ufig ohne dass sich das Gesamtgewicht auf der Waage zunĂ€chst stark verĂ€ndert. Eine Langzeitstudie mit 3.000 Frauen zwischen 42 und 52 Jahren zeigte eine durchschnittliche Gewichtszunahme von rund 700 Gramm pro Jahr.

Der Endokrinologe Tim Hollstein ordnet diese Zahl so ein, dass der Stoffwechsel mit 40 Jahren nicht plötzlich abstĂŒrze; diese Zunahme entspreche als reines Fett gerechnet einem tĂ€glichen EnergieĂŒberschuss von rund 15 Kilokalorien. Zu den Hauptursachen zĂ€hlen neben hormonellen Faktoren vor allem ein RĂŒckgang der spontanen Alltagsbewegung und schwindende Muskelmasse.

Gegenmaßnahmen setzen daher primĂ€r an der Erhaltung der Muskulatur an. Eine Metaanalyse klinischer Studien aus dem Jahr 2024 zeigte, dass gezieltes Krafttraining die Muskelkraft postmenopausaler Frauen sowohl an den oberen als auch an den unteren ExtremitĂ€ten verbessert.

Ein systematischer Review von 2025 mit 690 Teilnehmerinnen dokumentierte zudem positive Effekte auf die Knochendichte an LendenwirbelsÀule und Femurhals. Die DDG empfiehlt Frauen daher zwei- bis dreimal wöchentliches Muskeltraining.

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Neben Bewegung spielt die ErnÀhrungsweise eine zentrale Rolle. Fachleute und GynÀkologen wie Prof. Marion Kiechle verweisen auf die Vorteile einer mediterranen Kost mit ausreichend Proteinen und Ballaststoffen, kombiniert mit Ausdauersport und Entlastungsphasen.

Bei ausgeprÀgtem Leidensdruck durch Wechseljahresbeschwerden stuft Kiechle eine Àrztlich begleitete Hormonersatztherapie als vorrangige Option ein, welche auch metabolische und knochenbezogene VerÀnderungen abmildern kann.

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