Frühverrentung, Babyboomer

Frühverrentung: 85 Prozent der Babyboomer wollen früher raus

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 08:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Immer mehr Babyboomer gehen vorzeitig in Rente. Das IW sieht wachsende Kluft zwischen gesetzlicher Altersgrenze und tatsächlichem Renteneintrittsalter.

Babyboomer-Rente: 1,1 Millionen frühere Aussteiger 2024
Eine Gruppe glücklicher Senioren genießt Freizeitaktivitäten im Freien, die vorzeitigen Ruhestand und Freiheit symbolisieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

2024 gingen 1,1 Millionen Menschen dieser Alterskohorte vorzeitig in Rente – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Die Kluft zwischen Gesetz und Realität

Rund 19,3 Millionen Babyboomer leben derzeit in Deutschland. Von den etwa 6 Millionen, die bereits Rente beziehen, entschieden sich 1,1 Millionen für den vorzeitigen Ausstieg. 2023 waren es noch 0,9 Millionen bei insgesamt 4,5 Millionen Rentenbeziehern dieser Generation.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet mit weiter steigenden Zahlen. Der Grund: Die gesetzliche Regelaltersgrenze und das tatsächliche Renteneintrittsalter driften auseinander. Seit 2012 stieg die Regelaltersgrenze um zwölf Monate auf 66 Jahre (2024). Das tatsächliche Zugangsalter zur Rente legte im selben Zeitraum nur um acht Monate zu. Bis 2031 soll die Grenze auf 67 Jahre klettern.

Warum die Babyboomer früher gehen

Die Universität Wuppertal hat die Motive untersucht. Demnach planen 66 Prozent der Babyboomer, spätestens mit 64 Jahren in Rente zu gehen. Die Hauptgründe:

  • 85 Prozent wünschen sich mehr Freizeit
  • 45 Prozent fühlen sich beruflich überlastet
  • 41 Prozent nennen gesundheitliche Probleme

Experten warnen vor Ausweichbewegungen, falls legale Frühverrentungswege eingeschränkt werden. Bereits 2024 wechselte jeder zehnte Mann vor dem Renteneintritt in die Arbeitslosigkeit. Jährlich gibt es zudem rund 200.000 vorzeitige Altersrenten mit Abschlägen und etwa 160.000 Erwerbsminderungsrenten.

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Der Hinzuverdienst als Lockmittel

Seit Januar 2023 dürfen Frührentner unbegrenzt hinzuverdienen – und das wird rege genutzt. Bei besonders langjährig Versicherten (45 Beitragsjahre) stieg der Anteil derer, die trotz Rente sozialversicherungspflichtig arbeiten, von 18 Prozent (2022) auf 25 Prozent (2023). Bei langjährig Versicherten (35 Jahre) kletterte der Wert von 8 auf 14 Prozent.

Das IW kritisiert widersprüchliche politische Signale: Einerseits steigen die Altersgrenzen, andererseits werden Anreize für die Frühverrentung geschaffen. Seit 2026 gibt es zudem die Aktivrente – steuerfreie Weiterarbeit bis 2.000 Euro nach Erreichen der Regelaltersgrenze.

Was die Politik plant

Die Bundesregierung unter Kanzler Merz und Arbeitsministerin Bas will die Empfehlungen einer Expertenkommission umsetzen. Besonders umstritten: die mögliche Streichung der abschlagsfreien Frührente. Die Gewerkschaften laufen dagegen Sturm.

Weitere Vorschläge der Kommission:
- Eine gesetzliche Kapitalrente mit Zusatzbeiträgen zwischen 0,5 und 2 Prozent
- Die Einführung eines Altersvorsorgedepots

Die Versicherungswirtschaft warnt jedoch, dass neue garantiefreie Produkte bestehende Modelle der betrieblichen Altersvorsorge gefährden könnten.

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Härtere Regeln für Bürgergeld-Empfänger

Für Bezieher von Bürgergeld zeichnet sich eine Verschärfung ab. Bis zum 31. Dezember 2026 gilt noch ein Schutz vor Zwangsverrentung. Ab dem 1. Januar 2027 können Jobcenter bei 35 Versicherungsjahren eine vorzeitige Verrentung erzwingen.

Die Folge: dauerhafte Rentenkürzungen von bis zu 14,4 Prozent. Ausnahmen gibt es nur bei bestehender sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung oder drohender Grundsicherungsbedürftigkeit im Alter.

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