Stopfleber, Labor

Stopfleber aus dem Labor: Foie Gras ohne TierquÀlerei

06.04.2025 - 04:00:46

FĂŒr Stopfleber werden GĂ€nse und Enten extrem gequĂ€lt. Nun haben Forschende eine Methode entwickelt, eine Art Foie Gras ohne die umstrittene Stopfmast herzustellen.

  • Ein Metzger schneidet eine Scheibe französische GĂ€nsestopfleber. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

    picture alliance / dpa

  • GĂ€nse werden fĂŒr die Produktion von Foie Gras (Stopfleber) mit Nahrungsbrei gestopft. (Archivbild) - Foto: Virginie Lefour/BELGA/dpa

    Virginie Lefour/BELGA/dpa

Ein Metzger schneidet eine Scheibe französische GĂ€nsestopfleber. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpaGĂ€nse werden fĂŒr die Produktion von Foie Gras (Stopfleber) mit Nahrungsbrei gestopft. (Archivbild) - Foto: Virginie Lefour/BELGA/dpa

Manche schÀtzen sie als kulinarische SpezialitÀt, andere lehnen sie wegen der damit verbundenen TierquÀlerei rigoros ab. Zur Herstellung von Foie Gras, in Deutschland auch Stopfleber genannt, wird Enten und GÀnsen massenhaft kalorienreiche Nahrung durch ein Rohr in den Magen gepresst. Das lÀsst die Leber stark anschwellen und ihren Fettgehalt steigen. In vielen LÀndern ist diese Praxis verboten - darunter auch Deutschland und die Schweiz. Ein deutsch-dÀnisches Forschungsteam prÀsentiert nun eine Methode, eine Foie-Gras-Àhnliche Pastete ohne Stopfmast zu erzeugen.

«Es war schon immer ein Ziel, den Geschmack und die Textur von echter Foie Gras zu reproduzieren und dabei das Wohl der Tiere nicht aus den Augen zu verlieren», erlĂ€uterte Studienleiter Thomas Vilgis vom Max-Planck-Institut fĂŒr Polymerforschung in Mainz. Mit seinem Team wollte der Physiker, selbst Hobbykoch, nicht nur den Geschmack von Enten- und GĂ€nsestopfleber imitieren, sondern auch die Konsistenz und das MundgefĂŒhl beim Essen. 

Das ist nach seiner Darstellung nun nach fĂŒnfjĂ€hriger Forschung gelungen. «Die von uns hergestellte Foie Gras ist von dem herkömmlichen Produkt nicht unterscheidbar», sagte Vilgis der Deutschen Presse-Agentur. Schließlich schmecke auch nicht jede Foie Gras identisch, betonte er. Das hĂ€nge von vielen Faktoren ab - nicht zuletzt vom in die Tiere gestopften Futter. 

Enzyme von GĂ€nsen als SchlĂŒsselfaktor

ZunĂ€chst analysierte die Gruppe die Zusammensetzung von konventioneller Foie Gras - etwa den Fettgehalt und den Anteil an Kollagenfasern - sowie das Aussehen und die mechanischen Eigenschaften. Danach stellten die Forschenden aus kollagenreichem Gewebe wie Haut oder Knochen ein Gel her, das sie mit Fett und Leber von GĂ€nsen oder Enten vermischten, wie sie im Fachblatt «Journal of Fluids» berichten. Doch das genĂŒgte nicht.

Der SchlĂŒssel zum Geschmack wie auch zur Konsistenz der hergestellten Pastete bestand letztlich darin, das Fett mit bestimmten Enzymen zu behandeln, die denen von Enten und GĂ€nsen stark Ă€hneln. Diese sogenannten Lipasen sind wichtig fĂŒr die Fettverdauung und sorgen auch fĂŒr die Bildung jener großen Fettaggregate, die fĂŒr Foie Gras typisch sind. «Durch das fettverdauende Enzym werden die FettsĂ€uren abgespalten», erlĂ€uterte Vilgis.

Der Forscher hat fĂŒr das Verfahren ein Patent angemeldet. Glaubt er also, dass sich dieses Vorgehen etablieren wird? «Ich denke schon», antwortete er. Weniger fĂŒr die kleinbĂ€uerlichen Betriebe etwa in Frankreich, die das Produkt wohl weiter wie bisher herstellen. Doch fĂŒr die Großproduktion biete sich die nun vorgestellte Methode an - insbesondere in den vielen LĂ€ndern, in denen die Stopfmast verboten sei. «Das ist nun eine Alternative», so Vilgis. «Ich bin mir sicher, dass Konsumenten keinen Unterschied feststellen werden.»

@ dpa.de