Futtermittel, Vitamine

Futtermittel: EU importiert 70% der Vitamine aus China

16.06.2026 - 17:24:51 | boerse-global.de

Die EU importiert 70 Prozent ihrer Tierfutter-Vitamine aus China. FEFAC fordert Maßnahmen zur Verringerung der AbhĂ€ngigkeit.

EU-Tierfutter: 70% Vitaminimporte aus China als Risiko
Futtermittel - Nahaufnahme von Vitaminkapseln und -tabletten, einige verschĂŒttet, mit angedeuteter chinesischer Flagge im Hintergrund. 16.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Das zeigt eine aktuelle Analyse des europĂ€ischen Mischfutterverbandes FEFAC. Besonders brisant: China ist weltweit das einzige Land, das alle relevanten Vitamine fĂŒr die TierernĂ€hrung produziert. Die AbhĂ€ngigkeit birgt erhebliche Risiken fĂŒr die Versorgungssicherheit und PreisstabilitĂ€t in der EU.

Chinas Monopolstellung bei FuttermittelzusÀtzen

Noch drastischer fĂ€llt die Lage bei bestimmten Wirkstoffen aus. Bei den Vitaminen B1, B6, B9, B12 und C sowie bei Biotin kommen mehr als 80 Prozent der weltweiten Produktion aus chinesischen Werken. Auch bei den Vitaminen A und E liegt der Anteil bei ĂŒber 40 Prozent. Insgesamt importiert die EU zwischen 70 und 80 Prozent der benötigten AminosĂ€uren aus China.

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Die Folgen dieser Konzentration sind bekannt. ProduktionsausfĂ€lle bei europĂ€ischen Herstellern in den Jahren 2017 und 2024 fĂŒhrten bereits zu EngpĂ€ssen und Preissteigerungen. Besonders hart trifft es die GeflĂŒgelmast: Rund 40 Prozent des EU-weiten Vitaminverbrauchs entfallen auf diesen Sektor.

ImportabhÀngigkeit ist systemisch

Die AbhĂ€ngigkeit beschrĂ€nkt sich nicht auf Vitamine. Bei Sojaschrot lag die Importquote 2022 bei 97 Prozent – Hauptlieferanten sind Brasilien und Argentinien. Auch bei Rohstoffen fĂŒr DĂŒngemittel, Rohöl und Eisenerz fĂŒr Landtechnik bewegt sich die Importquote zwischen 74 und 97 Prozent.

Der Verband FEFAC fordert daher in seinen Empfehlungen fĂŒr eine EU-Viehstrategie vom 20. Mai 2026 eine Modernisierung der Futtermittelgesetzgebung. Zentrales Ziel: ein EU-Plan zur Verringerung der AbhĂ€ngigkeit von China. Das hĂ€tte auch Klimavorteile. Berechnungen von DSM-Firmenich zufolge wĂ€re die Produktion dieser Stoffe in Europa mit einem rund 70 Prozent geringeren CO2-Fußabdruck verbunden als der Import aus Asien.

Regionale Alternativen im Test

Praktische LösungsansĂ€tze gibt es bereits. Das Projekt „GrashĂ€hnchen" startet am 1. Juli 2026 unter Leitung der Hochschule OsnabrĂŒck. Partner sind das Deutsche Institut fĂŒr Lebensmitteltechnik und die AGRAVIS AG. Ziel ist es, durch Pressen und Trocknung hochwertiges Protein aus heimischem Gras zu gewinnen – als Ersatz fĂŒr importiertes Soja.

Solche Projekte könnten die deutsche Selbstversorgungsrate von aktuell rund 85 Prozent auf ein stabileres Fundament stellen. Branchenexperten warnen allerdings, dass diese Zahl angesichts der hohen ImportabhÀngigkeit bei Vorprodukten oft ein falsches Bild der tatsÀchlichen UnabhÀngigkeit zeichnet.

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Handelspolitischer Druck wÀchst

Die Diskussion um die Vitaminversorgung fĂ€llt in eine Zeit wachsender Spannungen. Das EU-Handelsdefizit gegenĂŒber China belĂ€uft sich auf rund eine Milliarde Euro pro Tag. Die EU-Kommission prĂŒft daher Schutzzölle oder ein Diversifizierungsgesetz, um die europĂ€ische Industrie vor ÜberkapazitĂ€ten und einseitigen AbhĂ€ngigkeiten zu schĂŒtzen.

Hinzu kommen globale WetterphĂ€nomene. Warnungen vor einem starken El-Niño-Ereignis im Jahr 2026 lassen steigende Preise fĂŒr Weizen und Soja erwarten. Der wirtschaftliche Druck auf europĂ€ische Landwirte wĂ€chst – sie kĂ€mpfen bereits mit schwankenden Erzeugerpreisen bei Schweinefleisch und Milch sowie steigenden Anforderungen an Tierschutz und NĂ€hrstoffmanagement.

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