Ganztagsbetreuung, Schulen

Ganztagsbetreuung ab August 2026: Schulen planen mehr Raum fĂŒrs Mittagessen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Ganztagsanspruch erhöht den Anpassungsbedarf an Schulen; EU-Programme und ErnÀhrungsbildung ergÀnzen die Versorgung.

Schulverpflegung: Kommunen prĂŒfen Lösungen fĂŒr KĂŒchen und Essenszeiten
Heller, moderner Speisesaal in einer Schule mit leeren Holztischen und StĂŒhlen bei natĂŒrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Der Bundeskongress Kita- und Schulverpflegung, veranstaltet vom Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegung im Auftrag des Bundesministeriums fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Heimat, widmet sich von 8:30 bis 17:30 Uhr in Berlin sowie digital zentralen Fragestellungen der Gemeinschaftsverpflegung.

Im Mittelpunkt stehen eine ausgewogene ErnĂ€hrung und der Abbau von Barrieren fĂŒr sozial gerechte ZugĂ€nge zu Mahlzeiten in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Wesentlicher Treiber der Debatte ist der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung, der ab dem 1. August 2026 greift. Im Rahmen der Veranstaltung leiten Alois Rainer und Mareike Wulf um 13:15 Uhr das FachgesprĂ€ch Alle an einen Tisch.

Kommunale Umsetzung und bauliche EngpÀsse

Die praktische Realisierung flĂ€chendeckender Verpflegungskonzepte stellt viele Kommunen vor logistische Aufgaben. Wie Beratungen in der fĂŒnften Sitzung des Ausschusses fĂŒr Schule und Bildung in Bochum zeigen, bewĂ€ltigen die dortigen Standorte die aktuelle Zahl an Mittagessen im Offenen Ganztag zwar grundsĂ€tzlich, dennoch melden mehrere Schulen Anpassungsbedarf an.

Laut der Bochumer Verwaltung bestehen spezifische Herausforderungen bei KĂŒchen, Ausstattung oder der Organisation von Essensausgabe und -einnahme an der Waldschule, der Grundschule Westenfeld, der Amtmann-Kreyenfeld-Schule, der Grundschule Laer, der Kirchschule Höntrop, der Schule am Volkspark sowie der GrĂ€fin-Imma-Schule. Als LösungsansĂ€tze werden vor Ort bauliche Anpassungen, flexible Mehrfachnutzungen von RĂ€umen und verĂ€nderte Essenszeiten geprĂŒft.

Bildungsinitiativen und gesundheitliche Ausgangslage

ErgĂ€nzend zur reinen Essensausgabe rĂŒckt die ErnĂ€hrungsbildung in den Fokus. FĂŒr Programme wie die GemĂŒseAckerdemie und AckerRacker erhielt der Verein Acker e. V. den mit 40.000 Euro dotierten Hauptpreis des HanseMerkur Preises fĂŒr Kinderschutz. Diese Initiativen vermitteln Kindern ab drei Jahren Grundlagen des Anbaus und der LebensmittelwertschĂ€tzung.

Nach Angaben des Vereins entstanden seit 2014 rund 2.000 Lernorte, ĂŒber die mehr als 500.000 Kinder und Jugendliche erreicht wurden; zudem wurden rund 400 ehrenamtliche AckerCoaches ausgebildet. Bis 2030 strebt die Organisation an, jedem Kind eine Naturerfahrung zu ermöglichen.

Anzeige

Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung greift ab dem 1. August 2026 — und viele Standorte melden bereits Anpassungsbedarf bei KĂŒchen, Ausstattung und Essensausgabe. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in 3 Schritten, wie Sie Raumumbau, Essenszeiten und Förderzugang strukturiert angehen. Praxisleitfaden Schulverpflegung jetzt anfordern

Den Hintergrund dieser Initiativen bilden gesundheitliche Erhebungen, auf die der Verein verweist: Laut der Weltgesundheitsorganisation verfehlen rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen die empfohlene tÀgliche Bewegungszeit von einer Stunde.

Befunde der MoMo-Studie belegen, dass die Alltagsbewegung der Vier- bis 17-JĂ€hrigen binnen zwölf Jahren um 37 Prozent sank. Daten des Robert Koch-Instituts aus den Erhebungsjahren 2014 bis 2017 weisen zudem darauf hin, dass 15,4 Prozent der Drei- bis 17-JĂ€hrigen als ĂŒbergewichtig und 5,9 Prozent als adipös eingestuft wurden.

Finanzierung und europÀischer Rahmen

Auf ĂŒbergeordneter Ebene wird die Versorgung durch europĂ€ische Initiativen gestĂŒtzt. Laut einer Mitteilung der EuropĂ€ischen Kommission erhielten im Schuljahr 2024/25 Kinder an mehr als 143.000 Schulen in der EuropĂ€ischen Union insgesamt 61.570 Tonnen frisches Obst und GemĂŒse, 107 Millionen Liter Trinkmilch sowie 2.620 Tonnen KĂ€se und Quark.

Ein Viertel der Kinder in Kitas, Vorschulen und Schulen nahm daran teil, wobei Grundschulkinder 70,2 Prozent der Teilnehmenden stellten. Zudem besuchten 1,3 Millionen Kinder landwirtschaftliche Betriebe, und 2,8 Millionen waren in Schulgarten-AktivitÀten eingebunden.

Anzeige

Sozial gerechter Zugang zum Mittagessen ist keine Frage des Budgets allein: Gestaffelte Essenszeiten, flexible Raumnutzung und ein klarer Förderfahrplan entscheiden, ob alle Kinder erreicht werden. Der Leitfaden bĂŒndelt die konkreten Planungsschritte fĂŒr TrĂ€ger und Verpflegungsverantwortliche. Planungsschritte fĂŒr gerechte Schulverpflegung sichern

Die Gesamtausgaben des EU-Programms beliefen sich auf 356 Millionen Euro. Davon entfielen 188 Millionen Euro auf EU-Mittel und 168 Millionen Euro auf nationale Mittel, was bei den nationalen BeitrĂ€gen einem Zuwachs von rund 33 Millionen Euro gegenĂŒber dem Vorjahr entsprach.

FĂŒr den nĂ€chsten langfristigen EU-Haushalt schlĂ€gt die Kommission vor, das Programm mit mehr nationalem Spielraum, aber verbindlicher Verankerung in nationalen PlĂ€nen fortzusetzen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70254577 |