GedÀchtnistraining: 45 Prozent der DemenzfÀlle hÀngen mit 14 Risiken zusammen
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deEinfache Denkaufgaben, GedĂ€chtnisĂŒbungen und Gesellschaftsspiele können Senioren dabei unterstĂŒtzen, Konzentration sowie MerkfĂ€higkeit im Alter gezielt zu trainieren. Fachleute und Studien weisen darauf hin, dass solche AktivitĂ€ten dazu beitragen können, das Risiko kognitiver BeeintrĂ€chtigungen zu verringern.
Zugleich betonen wissenschaftliche Untersuchungen, dass sogenannte Transfereffekte auf die allgemeine Intelligenz begrenzt bleiben: Wer spezifische Denkmuster ĂŒbt, verbessert meist vor allem die Leistung in genau diesen Aufgabenbereichen.
Aufgabenbezogene Effekte und neuronale PlastizitÀt
Die wissenschaftliche Studienlage, unter anderem aus Fachjournalen wie Nature und Psychological Science in the Public Interest, verdeutlicht, dass Spiele wie Schach, Sudoku, Memory, Puzzles oder Go vorrangig aufgabenbezogene Fortschritte erzielen.
Um kognitive FĂ€higkeiten breiter zu stimulieren, empfehlen Experten, verschiedene Spieltypen zu kombinieren, den Schwierigkeitsgrad schrittweise zu steigern, Fehler zu analysieren und bevorzugt in Gemeinschaft zu spielen.
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Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts fĂŒr Wissensmedien und der UniversitĂ€t TĂŒbingen, die 2018 im Journal Cortex erschien, zeigte zudem, dass bereits fĂŒnf Einheiten eines kurzen, intensiven Rechentrainings bei Erwachsenen messbare neuronale PlastizitĂ€t auslösten.
Wie die beteiligte Forscherin Elise Klein anhand von diffusionsgewichteter Magnetresonanztomografie darlegte, ging der Lernerfolg mit einer verstÀrkten strukturellen Anbindung Hippocampus-assoziierter Nervenfasern einher. Auch bei digitalen Klassikern wie Tetris wies eine Untersuchung aus dem Jahr 2009 hirnstrukturelle VerÀnderungen nach, ohne jedoch eine Steigerung der allgemeinen Intelligenz zu belegen.
Risikofaktoren und ganzheitliche PrÀvention
GedĂ€chtnistraining allein reicht fĂŒr den langfristigen Erhalt geistiger FĂ€higkeiten meist nicht aus. Nach EinschĂ€tzung von Prof. Emrah DĂŒzel vom Institut fĂŒr Kognitive Neurologie und Demenzforschung in Magdeburg lassen sich laut der Lancet-Kommission 45 Prozent aller DemenzfĂ€lle mit 14 teilweise beeinflussbaren Risikofaktoren verknĂŒpfen.
Dazu zĂ€hlen unter anderem Bluthochdruck, Ăbergewicht, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel, Depressionen, soziale Isolation, Hörverlust, Alkoholkonsum und Luftverschmutzung.
Da biologische Vorzeichen im Blut bereits 15 bis 20 Jahre im Voraus erkennbar sein können, rĂ€t DĂŒzel insbesondere zu regelmĂ€Ăiger Bewegung, stabilen sozialen Kontakten und Optimismus. Als Richtwert gelten zwei Stunden moderate körperliche AktivitĂ€t pro Woche kombiniert mit Krafttraining sowie der Aufenthalt in neuen Umgebungen.
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TrĂ€ger des genetischen Risikofaktors ApoE4 sollten zudem verstĂ€rkt auf Cholesterinwerte und ErnĂ€hrung achten. Eine Ăbersichtsarbeit von Ben Singh und Kollegen im British Journal of Sports Medicine bestĂ€tigt, dass körperliche BetĂ€tigung exekutive Funktionen und das Denkvermögen messbar fördert.
VielfÀltige AnsÀtze im Alltag und in der Pflege
In der Praxis lassen sich geistige und körperliche Anreize auf vielfĂ€ltige Weise verknĂŒpfen. Die Sebastian-Kneipp-Akademie stellte Anfang November 2026 auf einem Bewegungskongress Ăbungen wie Ăber-Kreuz-Gehen, das Zeichnen einer Acht mit dem Finger oder Geh-Varianten wie leises Gehen und Becken-Schulter-Rotationen vor.
Zudem riet die Akademie, Einkaufszettel aus dem Kopf abzurufen und bei Hörproblemen konsequent HörgerĂ€te zu nutzen. Im Bereich der stationĂ€ren Betreuung setzen Einrichtungen wie das Haus Stephanus auf strukturierte Interventionen wie MĂ€rchenprojekte, bei denen ErzĂ€hlungen mit sensorischen Erfahrungen wie dem Bau von LebkuchenhĂ€usern verknĂŒpft werden.
Ein Leitfaden fĂŒr Pflegeheime empfiehlt darĂŒber hinaus bis zu 20 verschiedene Aktivierungsformen, darunter Reminiszenzarbeit mit Erinnerungskisten, Tast- und GeruchsĂŒbungen sowie sanfte Musikgymnastik, die an die individuellen FĂ€higkeiten der Senioren angepasst werden.
