GeDIG, Apotheken

GeDIG ab Juli: Apotheken erhalten 7 Tage ePA-Zugriff statt 3

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Digitalgesetze und KI-Tools verändern die Gesundheitsbranche. Traditionelle Apotheken kämpfen ums Überleben, während Versandhändler boomen.

KI und Digitalisierung: Umbruch im Apotheken- und Gesundheitsmarkt
Digitale Schnittstelle mit vernetzten medizinischen Daten, Apotheke, Arztpraxis und Patientengerät. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während in Deutschland neue Gesetze den Weg für mehr elektronische Gesundheitsdienste ebnen, kämpfen traditionelle Apotheken ums Überleben. Ein Überblick über die aktuellen Entwicklungen.

KI-gestützte Systeme erobern den Praxisalltag

Die großen Player der Branche arbeiten daran, die bisher oft lückenhafte Kommunikation zwischen Arztpraxen und Apotheken zu schließen. Der bestehende NCPDP-SCRIPT-Standard übermittelt häufig nicht alle notwendigen klinischen Informationen – ein Problem, das zu Brüchen in der Patientenversorgung führt.

Amazon Pharmacy hat sich daher mit eNavvi zusammengetan. Ziel der Kooperation: Echtzeit-Informationen zu Medikamentenpreisen und Verfügbarkeit direkt in die Verschreibungssoftware von Ärzten einbinden. Der Patient soll künftig schon beim Arzt erfahren, was sein Medikament kostet und wo es vorrätig ist.

Auch CVS Health setzt auf digitale Helfer. Der Konzern entwickelt mit Google den digitalen Assistenten Health100. Das System, das sich derzeit in einer ersten Testphase mit einer begrenzten Nutzergruppe befindet, soll Terminbuchungen, Rezepteinlösungen und Versicherungsprüfungen bündeln. Die Führung von CVS zeigt sich ambitioniert: Health100 könnte sich zum Branchenstandard entwickeln.

Automatisierung entlastet Apothekenpersonal

Besonders zeitraubende Verwaltungsaufgaben rücken in den Fokus der Digitalisierung. TJM Labs hat mit dem Vaccine Bot ein KI-Tool auf den Markt gebracht, das die manuelle Erfassung von Impfstoffverschreibungen automatisiert. Über 450 Apotheken nutzen den Dienst bereits – zu einem Preis von rund einem Euro pro Impfrezept.

Parallel testen einige Anbieter KI-gestützte Online-Programme, die Patienten ermöglichen, bestimmte Rezepte ohne Arztbesuch zu verlängern. Ein Modell, das besonders für chronisch Kranke interessant sein dürfte.

Deutschland: Neues Digitalgesetz bringt weitreichende Änderungen

Der deutsche Gesundheitssektor erlebt einen grundlegenden Wandel. Mitte Juli 2026 verabschiedete das Bundeskabinett das Gesundheitsdigitalisierungsgesetz (GeDIG) – ein Paket mit weitreichenden Folgen:

  • Apotheken erhalten künftig sieben statt drei Tage Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA)
  • Der Zugang erfolgt über E-Rezept-Token
  • Die KIM-Kommunikation (Kommunikation im Medizinsektor) wird verpflichtend
  • Faxgeräte werden für Leistungserbringer und Kostenträger verboten

Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Apotheken zudem unterstützte telemedizinische Leistungen anbieten. Konkret bedeutet das: Apotheker können eigene Räume für Videosprechstunden mit Ärzten bereitstellen. Das soll die Notaufnahmen entlasten – ein dringend benötigter Schritt.

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Streit um Kosten und Reformen

Doch nicht alle geplanten Änderungen stoßen auf Gegenliebe. Die AOK Baden-Württemberg übt scharfe Kritik am Apothekenvergütungs- und Versorgungsgesetz (ApoVWG) . Die Krankenkasse rechnet vor:

  • Die geplante Erhöhung der Fixhonorare auf 9,00 Euro (Juli 2026) und 9,50 Euro (Januar 2027) kostet die gesetzliche Krankenversicherung rund 875 Millionen Euro jährlich
  • Das Verbot von exklusiven Biosimilar-Rabattverträgen könnte Einsparpotenziale von 500 Millionen Euro zunichtemachen

Auch die Abda, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, geht auf Konfrontationskurs. Der Entwurf zur Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) sei rechtlich unsicher und lasse praktische Regelungen zur Korrektur von Fehlern auf elektronischen Formularen vermissen.

Traditionsapotheken unter Druck – Versandhändler boomen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jede fierte deutsche Apotheke hat seit 2013 geschlossen. Parallel dazu wachsen die digitalen und Versandapotheken rasant.

Redcare Pharmacy, früher bekannt als Shop Apotheke, bedient inzwischen 14 Millionen aktive Kunden in sieben Ländern. Der Umsatz 2025 lag bei 2,9 Milliarden Euro, die Marktkapitalisierung bei rund 1,3 Milliarden Euro.

Rossmann mischt den Markt auf

Der Druck auf traditionelle Apotheken wächst weiter. Rossmann plant die Eröffnung einer eigenen Apotheke im niederländischen Emmen – der Start ist für Ende 2026 vorgesehen. Die Drogeriekette will ihre App mit 12 Millionen Nutzern als zentrale Schnittstelle für das Einlösen elektronischer Rezepte nutzen.

Die Expansion ausländischer Versandapotheken sorgt intern für Spannungen. Erik Tenberken, selbst Apotheker, ist aus dem Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) ausgetreten. Sein Vorwurf: Der Verband übe zu wenig Kritik an den Praktiken großer internationaler Anbieter.

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Internationale Perspektiven: Indien und Griechenland

In Indien setzt Zeelab Pharmacy auf einen Omnichannel-Ansatz. Das Unternehmen betreibt inzwischen über 300 eigene Filialen und wickelt täglich 5.000 Online-Bestellungen ab. Das ambitionierte Ziel: Bis März 2027 sollen es 15.000 Online- und 35.000 Offline-Bestellungen pro Tag sein.

Griechenland zeigt, wie staatliche Programme funktionieren können. Der staatliche Krankenversicherer EOPYY hat ein Heimlieferprogramm für hochpreisige Medikamente gestartet. Bisher wurden über 83.000 Lieferungen verschickt – rund 10.000 pro Monat. Geplant ist die Einbindung der Nachbarschaftsapotheken.

Spezialisierte Telemedizin-Dienste

Die Telemedizin öffnet auch Türen zu speziellen Behandlungen. Plattformen wie Brightmeds vermitteln Zugang zu GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid und Tirzepatid – Wirkstoffe, die etwa bei Diabetes und Adipositas eingesetzt werden. Das Modell verbindet die Plattform, Arztpraxen und Apotheken. Der Dienst ist in den meisten US-Bundesstaaten verfügbar, mit Ausnahme von Alabama, Arkansas und Mississippi.

Für Notfälle hat Williams Brothers Health Care Pharmacy den ChatRx-Service eingeführt. Der virtuelle 24/7-Dienst ist an acht Standorten aktiv und bietet Symptombewertungen sowie Arztkonsultationen – oft in unter zehn Minuten. Das Rezept geht direkt an die Apotheke der Wahl des Patienten.

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