GeDIG: KBV fordert Korrekturen fĂŒr rechtssichere und praktikable Umsetzung
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 20:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) dringt auf deutliche Korrekturen am geplanten Gesundheits-Digital-Gesetz (GeDIG). In einem Schreiben an das Bundesministerium fĂŒr Wirtschaft und Energie sowie das Bundesgesundheitsministerium mahnte die Ărztevertretung Anpassungen an dem Gesetzesvorhaben an.
Wie aus einem Bericht von aerzteblatt.de vom 28. Oktober 2026 hervorgeht, stuft die KBV entsprechende Ănderungen als unverzichtbar ein, um eine rechtssichere und in der Praxis tragfĂ€hige Umsetzung zu gewĂ€hrleisten.
Kritik an Kassenmonopolen und Vorgaben fĂŒr Praxissoftware
Im Zentrum der Ă€rztlichen Kritik steht die Ausgestaltung des digitalen Versorgungseinstiegs ĂŒber die elektronische Patientenakte (ePA). Dieser dĂŒrfe nach Ansicht der KBV nicht ausschlieĂlich ĂŒber Anwendungen der gesetzlichen Krankenkassen gesteuert werden. Stattdessen mĂŒssten diskriminierungsfreie Zugangswege wie der Ă€rztliche Terminservice 116117 gleichberechtigt fortbestehen.
Als besonders kritisch bewertet die Vereinigung zudem die geplante gesetzliche Vorgabe, nach der die KBV gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband einheitliche Vorgaben fĂŒr private und digitale Terminsysteme in Arztpraxen festlegen soll. Die Streichung dieses Passus sei unerlĂ€sslich.
Diese Haltung hatte KBV-Vorstand Sibylle Steiner bereits Mitte Oktober 2026 im Rahmen einer Anhörung vor dem Bundesgesundheitsausschuss dargelegt. RĂŒckendeckung erhĂ€lt die KBV dabei von der BundesĂ€rztekammer (BĂK) und dem Spitzenverband FachĂ€rzte Deutschlands (Spifa).
Auch die EU-Kommission sehe laut den Berichten im Notifizierungsverfahren vor, dass der Zugang zur medizinischen Versorgung unabhĂ€ngig von digitalen Angeboten der Krankenkassen erfolgen mĂŒsse.
Krankenkassen drÀngen auf zentrale Plattformen
Dem VorstoĂ der Ărzteschaft stehen unterschiedliche Forderungen der KassenverbĂ€nde gegenĂŒber. Der Verband der Ersatzkassen (vdek), der sechs Ersatzkassen mit mehr als 29 Millionen Versicherten vertritt, plĂ€diert fĂŒr eine BĂŒndelung des digitalen Zugangs ĂŒber die ePA-Apps der Krankenkassen ohne parallele Sonderwege.
Der GeDIG-Entwurf steht, beschlossen ist er noch nicht â und die KBV mahnt in ihrem Schreiben an die Ministerien deutliche Korrekturen an. FĂŒr Praxismanager und MVZ-Leiter heiĂt das: Wer die Streitpunkte jetzt kennt, kann Terminsysteme und Praxissoftware rechtzeitig prĂŒfen, statt spĂ€ter unter Zeitdruck nachzurĂŒsten. Unser kostenloser Leitfaden fĂŒhrt Sie in drei Schritten durch die offenen Punkte. Kostenlosen Praxis-Leitfaden jetzt anfordern
Der Verband verlangt ein Monopol fĂŒr die Kassenanwendungen und den Ausschluss kommerzieller Anbieter. Vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner argumentierte, dass die ErsteinschĂ€tzung, Terminbuchungen und das E-Rezept in einer gemeinsamen Anwendung vereint werden sollten, um Doppelstrukturen auf Kosten der Beitragszahler zu vermeiden.
Auch der GKV-Spitzenverband spricht sich fĂŒr eine neutrale Terminvergabe unabhĂ€ngig vom Versicherungsstatus ĂŒber eine tagesaktuelle Plattform mit festen Kontingenten aus. Nach Angaben der Bundesregierung mussten gesetzlich Versicherte im Jahr 2024 durchschnittlich 42 Tage auf einen Facharzttermin warten, wĂ€hrend es 2019 noch 33 Tage waren.
Die KBV warnt ihrerseits vor zusĂ€tzlichem bĂŒrokratischem Aufwand und Eingriffen in die Praxisorganisation, wĂ€hrend FachĂ€rzte eine VerdrĂ€ngung der Versorgung von Chronikern und Nachsorgepatienten befĂŒrchten.
Streit ĂŒber Datenbefugnisse und Systemsteuerung
Auch die Betriebskrankenkassen unterstĂŒtzen Teile des Gesetzesentwurfs, etwa die erweiterte Risikoerkennung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie beanstanden jedoch, dass die KBV das digitale BedarfseinschĂ€tzungs-System allein betreiben und die Dienstleister steuern soll, obwohl der GKV-Spitzenverband die Finanzierung zur HĂ€lfte trage.
Bleiben 44 Prozent der ĂŒber die Terminservicestellen bereitgestellten Termine ungebucht, wĂ€hrend Praxen neue Pflichten fĂŒrchten â dann liegt der Hebel zuerst in der eigenen Terminorganisation. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie bestehende Strukturen ausschöpfen und Ihren Zugang fĂŒr alle Versicherten diskriminierungsfrei aufstellen, bevor neue Vorgaben greifen. Compliance-Audit Terminzugang jetzt sichern
Bei der Techniker Krankenkasse (TK) wirbt Vorstandschef Dr. Jens Baas wiederum fĂŒr ein PrimĂ€rversorgungssystem nach dem Prinzip digital vor ambulant vor stationĂ€r.
Das Zentralinstitut fĂŒr die kassenĂ€rztliche Versorgung (Zi) mahnt hingegen eine intensivere Nutzung bestehender Terminstrukturen an. Eine Zi-Analyse der Terminservicestellen fĂŒr den Zeitraum von Oktober 2025 bis September 2026 zeigt, dass von rund 3,58 Millionen bereitgestellten Terminen nur rund 2,0 Millionen gebucht wurden, womit 44 Prozent ungenutzt blieben. Zi-Chef Dominik von Stillfried forderte, etablierte Prozesse konsequenter auszuschöpfen, bevor den Praxen weitere Pflichten auferlegt wĂŒrden.
