Gefäßmessung: ROC-AUC von 0,457 bis 0,549 zeigt geringe Aussagekraft
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deHerkömmliche anthropometrische Messwerte reichen bei jüngeren Menschen offenbar nicht aus, um frühe Anzeichen von Gefäßerkrankungen verlässlich aufzuspüren. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachjournal Endocrinology, Diabetes & Metabolism (Band 9, Ausgabe 6, e70369, 2026) veröffentlichte Querschnittsanalyse im Rahmen der langfristig angelegten Tehran Lipid and Glucose Study (TLGS).
Wie aus einem Bericht von scienmag.com vom 25. Oktober 2026 hervorgeht, liefern etablierte Indizes wie der Body-Mass-Index (BMI) oder der Taillenumfang bei dieser Bevölkerungsgruppe kaum verwertbare Hinweise auf strukturelle Gefäßveränderungen.
Keine Korrelation mit der Carotis-Intima-Media-Dicke
Im Zentrum der Untersuchung stand die sogenannte Carotis-Intima-Media-Dicke (cIMT), ein etablierter Marker für subklinische Gefäßveränderungen an der Halsschlagader. Das Forscherteam untersuchte 572 Erwachsene im Alter von 20 bis 40 Jahren. Die finale Stichprobe setzte sich aus 308 Männern und 264 Frauen zusammen, wobei das mittlere Alter der Probanden bei 28,55 Jahren lag.
Keiner der getesteten anthropometrischen Indizes war in der Lage, Personen mit einer erhöhten Intima-Media-Dicke von Gleichaltrigen ohne entsprechende Auffälligkeiten zu unterscheiden. Dies betraf neben dem klassischen BMI und dem Taillenumfang auch das Verhältnis von Taille zu Körpergröße (Waist-to-Height Ratio) sowie neuere Berechnungsmodelle wie den Body Roundness Index (BRI) und den A Body Shape Index (ABSI).
Statistische Aussagekraft kaum besser als der Zufall
Wer sich mit der Früherkennung von Gefäßrisiken befasst, sollte die Bedeutung seiner Blutwerte genau kennen. Dieser kostenlose Report erklärt, welche Werte wirklich wichtig sind – und welche oft überbewertet werden. Was verraten Ihre Blutwerte wirklich? Jetzt gratis nachlesen
Die diagnostische Trennschärfe der verschiedenen Messparameter erwies sich als äußerst gering. Bei der statistischen Auswertung lagen die Werte für die Fläche unter der ROC-Kurve (ROC-AUC) lediglich zwischen 0,457 und 0,549. Zum Vergleich: Ein Wert von 0,5 entspricht der reinen Zufallswahrscheinlichkeit.
Die relativ höchsten Resultate erzielten noch das Taille-zu-Größe-Verhältnis und der BRI mit jeweils 0,549. Beide Messgrößen zeigten zudem mit einem Korrelationskoeffizienten von r = 0,997 einen nahezu deckungsgleichen Zusammenhang.
Auffällig war zudem der Befund beim ABSI-Wert: Bei Teilnehmern, deren Gefäßdicke oberhalb des 75. Perzentils lag, fiel dieser Index sogar signifikant niedriger aus (p < 0,0001). Die Studienautoren führen diese scheinbare Gegenläufigkeit auf ein statistisches Phänomen zurück, das vermutlich als Simpson-Paradox durch geschlechtsspezifische Unterschiede in den Teilstichproben zustande kam.
Grenzen der Stichprobe mahnen zur Vorsicht
Da herkömmliche Messungen oft unzureichend sind, um die eigene Gesundheit objektiv zu beurteilen, bietet dieser Leitfaden eine verständliche Hilfe zur Selbstanalyse. Vitalstoffexperte Dr. Fricke gibt darin praxisnahe Tipps, die sogar Ärzte überraschen. Kostenlosen 25-Seiten-Report zu Laborwerten anfordern
Trotz der deutlichen Zahlen weisen die beteiligten Wissenschaftler auf methodische Einschränkungen hin. Mit lediglich 89 Teilnehmern in der Gruppe mit erhöhter Gefäßdicke fiel die Basis für diesen spezifischen Vergleich verhältnismäßig klein aus. Aus diesem Grund stuften die Autoren die Gesamtergebnisse als vorerst nicht schlüssig ein.
Die Ergebnisse verdeutlichen jedoch die diagnostische Herausforderung, subklinische Gefäßveränderungen bei jungen Erwachsenen frühzeitig zu erfassen. Standardisierte Messungen der Körperform spiegeln das individuelle Gefäßrisiko in dieser Altersgruppe womöglich nur unzureichend wider, was den Bedarf an differenzierteren Screening-Methoden unterstreicht.
