GefĂ€Ăverkalkung bei Frauen: Schon 20 Prozent Verengung erhöhen das Risiko
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKardiologische Untersuchungen weisen zunehmend darauf hin, dass sich GefĂ€Ăverkalkungen bei Frauen und MĂ€nnern grundlegend unterschiedlich auswirken. Eine im Fachjournal Circulation: Cardiovascular Imaging veröffentlichte Untersuchung der American Heart Association zeigt, dass Frauen bei kardiovaskulĂ€ren Ereignissen ein erhöhtes Risiko tragen können, obwohl sich in ihren HerzkranzgefĂ€Ăen im Schnitt deutlich weniger arterielle Ablagerungen nachweisen lassen als bei MĂ€nnern.
Geringere Plaque-Mengen fĂŒhren frĂŒher zu Komplikationen
FĂŒr die Erhebung der American Heart Association wurden 4.267 Personen mit stabilem Brustschmerz ohne zuvor bekannte koronare Herzkrankheit ĂŒber einen Zeitraum von rund zwei Jahren beobachtet. Die Kohorte wies ein Durchschnittsalter von 60 Jahren auf, der Frauenanteil lag bei 51 Prozent.
Bei den Untersuchungen zeigten sich klare geschlechtsspezifische Unterschiede im GefĂ€Ăstatus: WĂ€hrend bei 75 Prozent der MĂ€nner Plaques in den Koronararterien festgestellt wurden, waren es bei den Frauen 55 Prozent. Auch das mediane Plaquevolumen fiel bei den Frauen mit 78 mmÂł nur halb so groĂ aus wie bei den MĂ€nnern mit 156 mmÂł.
Schwere Komplikationen â definiert als Tod, nicht-tödlicher Infarkt oder eine damit verbundene Krankenhausaufnahme â traten im Beobachtungszeitraum bei 2,3 Prozent der Frauen und 3,4 Prozent der MĂ€nner auf.
Bemerkenswert ist dabei die Schwelle, ab der die GefĂ€Ăverengung das Risiko messbar ansteigen lĂ€sst: Bei Frauen setzte dieser Risikoanstieg bereits ab einer Verengung der Arterien um 20 Prozent ein, wohingegen die Schwelle bei MĂ€nnern erst ab einem Stenosegrad von 28 Prozent lag. Als physiologische Ursache hierfĂŒr fĂŒhren die Mediziner unter anderem die anatomisch kleineren Koronararterien von Frauen an.
Anatomische und hormonelle Faktoren im Krankheitsverlauf
Die Erkenntnisse decken sich mit klinischen Beobachtungen aus dem Behandlungsalltag. Der Kardiologe Giuseppe De Luca verweist darauf, dass Frauen nach einem akuten Herzinfarkt hÀufiger sterben als MÀnner.
Bei Frauen steigt das Herzrisiko bereits ab einer Verengung der HerzkranzgefĂ€Ăe um 20 Prozent â bei MĂ€nnern erst ab 28 Prozent. Genau diese Schwelle macht den Unterschied, den viele ĂŒbersehen. Der kostenlose Leitfaden zeigt, welche Warnzeichen Frauen ab 40 kennen sollten und welche Fragen beim Kardiologen weiterhelfen. Kostenlosen Herz-Leitfaden fĂŒr Frauen anfordern
Neben kleineren Koronararterien und instabileren Plaques spielen demnach auch das höhere Alter bei Erstmanifestation sowie Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und HypercholesterinÀmie eine Rolle.
Eine weltweite Untersuchung von 2019 bis 2020 an ĂŒber 16.000 Infarktpatienten in mehr als 80 Zentren belegte zudem, dass atypische Symptome bei Frauen regelmĂ€Ăig zu einer verzögerten Einlieferung in die Klinik fĂŒhren.
Auch hormonelle ĂbergĂ€nge beeinflussen den GefĂ€Ăstatus maĂgeblich. Vor den Wechseljahren sorgt das Ăstrogen fĂŒr einen relativen Schutz der GefĂ€Ăe, der nach der Menopause entfĂ€llt.
Wie Daten des Nationalen Herz-Kreislauf-Zentrums in Japan belegen, lag die 30-Tage-Sterblichkeit nach einem akuten Myokardinfarkt im Jahr 2023 bei Frauen bei 11,7 Prozent und fiel damit etwa 1,5-mal höher aus als bei MÀnnern mit 7,7 Prozent. WÀhrend das durchschnittliche Infarktalter der MÀnner bei rund 65 Jahren lag, betrug es bei den Frauen etwa 75 Jahre.
FrĂŒhe GefĂ€ĂverĂ€nderungen bleiben hĂ€ufig unerkannt
Dass die zugrundeliegende GefĂ€Ăverkalkung oft unbemerkt ĂŒber Jahrzehnte voranschreitet, verdeutlichen auch europĂ€ische Daten. In der REACT DETECT Studie mit 16.808 erwachsenen Teilnehmenden im Alter von 18 bis 70 Jahren in Spanien und DĂ€nemark wurden bei fast 60 Prozent der Untersuchten arterielle Plaques identifiziert.
Nach der Menopause fĂ€llt der natĂŒrliche GefĂ€Ăschutz weg â und zwischen 40 und 60 Jahren steigt die Plaquebildung bei Frauen am stĂ€rksten. Wer das weiĂ, kann frĂŒher handeln. Der kostenlose Leitfaden erklĂ€rt, welche atypischen Symptome Sie richtig einordnen und wie Sie das GesprĂ€ch mit Ihrer Ărztin vorbereiten. Jetzt Herz-Risiko-Checkliste fĂŒr Frauen ab 40 sichern
Zwar setzte der PrĂ€valenzanstieg bei MĂ€nnern im Schnitt fĂŒnf bis zehn Jahre frĂŒher ein, doch verzeichneten Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr den stĂ€rksten Zuwachs an Ablagerungen. Die Befunde unterstreichen, dass herkömmliche Risikobewertungen die GefĂ€ĂgefĂ€hrdung bei Frauen aufgrund der anderen Schwellenwerte und GefĂ€Ădimensionen leicht unterschĂ€tzen.
