Gefühlskarten aus Dortmund: 39 Standard- und 80 Emotionskarten für Kinder
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 18:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeues Dortmunder Material für pädagogische Einrichtungen
Laut einem Bericht aus Dortmund stellt das dortige Jugendamt ein neues Gefühlskarten-Set für Fachkräfte bereit. Das Instrumentarium umfasst 39 Standardkarten sowie 80 ergänzende Emotionskarten. Entwickelt wurde das Material gemeinsam vom Bereich Psychologische Dienste und Eingliederungshilfe sowie dem Stab für strategische Planung und Qualitätsentwicklung der Stadtverwaltung.
Die Karten sind flexibel angelegt und eignen sich für den Einsatz im Morgenkreis, in allgemeinen Gruppenangeboten oder in vertiefenden Einzelgesprächen. Während Grundschulen und Jugendhilfedienste gedruckte Exemplare in begrenzter Stückzahl direkt erhalten, steht die Sammlung allen weiteren Interessierten kostenfrei zum Herunterladen und Ausdrucken zur Verfügung, vorausgesetzt, sie wird in ihrer ursprünglichen Form weitergegeben.
Wachsender Bedarf an emotionaler Begleitung im Alltag
Die Bereitstellung solcher Hilfsmittel erfolgt vor dem Hintergrund spürbarer emotionaler Belastungen bei jungen Menschen. Nach Angaben der Beratungsstelle für Erziehungs-, Familien- und Lebensfragen Roth-Schwabach, die sich auf eine Erhebung der DAK stützt, haben in Deutschland rund 230.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 17 Jahren eine Angststörung. Bei Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren verzeichnete die Untersuchung dabei einen Anstieg um 53 Prozent gegenüber dem Jahr 2019.
Dass emotionale Reaktionen im Alltag oft tieferliegende Ursachen haben, verdeutlichte auch ein Elternabend im Familienzentrum Waldnest der Lebenshilfe Gießen in Annerod. Die Referentin Annette Deibel legte dar, dass Verhaltensweisen wie Hauen, Kratzen, Beißen oder Wutausbrüche häufig ein Ausdruck von Überforderung, Frustration oder unerfüllten Bedürfnissen seien.
Eine bedürfnisorientierte Begleitung setze daher auf Verständnis bei gleichzeitiger Wahrung klarer Grenzen. Die Koordinatorin Katja Kuhl verzeichnete angesichts eines vollständig besetzten Saals großes Interesse an solchen methodischen Ansätzen.
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Praktische Förderansätze und methodische Vielfalt
Um Kindern den Zugang zur eigenen Gefühlswelt zu erleichtern, greifen Bildungseinrichtungen vermehrt auf visuelle und spielerische Methoden zurück. In Weil der Stadt übergab Jürgen Katz vom Lions Club Johannes Kepler Fördermaterialien an die Schulsozialarbeiterin Olga Klessig und Fachgebietsleiterin Domenica Walter.
An der Heinrich-Steinhöwel-Schule sowie der Schule am Schafberg werden nun Emotionsbälle, Lernspiele und Bildkarten eingesetzt. Diese dienen unter anderem dem Sozialkompetenztraining, der gewaltfreien Kommunikation sowie Ruhephasen mithilfe einer Zungentrommel.
Wissenschaftlich gestützt werden solche praktischen Werkzeuge durch Ansätze wie das Emotionscoaching nach Dr. John Gottman. Dieses sieht fünf methodische Schritte vor: das Wahrnehmen von Gefühlen, deren Nutzung als Lernchance, empathisches Zuhören, das präzise Benennen von Emotionen sowie das Setzen von Grenzen bei der gemeinsamen Problemlösung.
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Fachleute betonen, dass Heranwachsende dadurch eine bessere Stressbewältigung und Konzentrationsfähigkeit ausbilden können. Visualisierende Materialien wie das Dortmunder Kartenset bilden in diesem Rahmen ein niedrigschwelliges Werkzeug, um Gefühle überhaupt erst begreifbar und besprechbar zu machen.
