Gehirnalterung: KI misst biologisches Alter von Organen mit 4,9 Jahren Genauigkeit
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bestimmung des biologischen Alters von Organen gewinnt in der medizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung, da das chronologische Alter eines Menschen oft nur bedingt RĂŒckschlĂŒsse auf den tatsĂ€chlichen Zustand seiner Gewebe zulĂ€sst.
Eine Mitte August 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Studie des CeMM Forschungszentrums fĂŒr Molekulare Medizin, des Ludwig Boltzmann Instituts fĂŒr Netzwerkmedizin (LBI-NetMed) und der UniversitĂ€t Wien stellt hierfĂŒr nun ein neues Verfahren vor.
Mittels kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) ist es der Forschungsgruppe gelungen, sogenannte Gewebeuhren zu entwickeln, die das biologische Alter einzelner Organe anhand von Bilddaten und genetischen Markern analysieren können.
Datengrundlage und methodische PrÀzision der KI-Modelle
Die wissenschaftliche Untersuchung basiert auf einer umfangreichen Datengrundlage. Das internationale Team analysierte insgesamt 25.712 Gewebebilder, die von 983 verstorbenen Personen stammten. Dabei wurden 40 verschiedene Gewebearten aus insgesamt 29 Organen untersucht. Ziel war es, die KI darauf zu trainieren, spezifische Alterungsmuster in der Struktur dieser Gewebe zu erkennen und einem biologischen Alter zuzuordnen.
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Wie die Studienergebnisse zeigen, erreichen die entwickelten Modelle eine beachtliche Genauigkeit. Der durchschnittliche Vorhersagefehler der KI-basierten SchÀtzung liegt bei 4,9 Jahren.
Ein wesentlicher Aspekt der Forschungsarbeit von AndrĂ© Rendeiro und seinen Kollegen war zudem der Abgleich dieser Gewebedaten mit genetischen Markern im Blut. Dies soll die Grundlage dafĂŒr schaffen, das Alter innerer Organe kĂŒnftig ohne invasive Eingriffe bestimmen zu können.
Korrelation zwischen Organalterung und chronischen Erkrankungen
Ein zentraler Fokus der Analyse lag auf dem Zusammenhang zwischen einer beschleunigten Organalterung und spezifischen Krankheitsbildern. Die Forscher stellten fest, dass bestimmte Erkrankungen mit einem signifikant höheren biologischen Alter der betroffenen Organe korrelieren.
Bei Patienten mit Alzheimer oder nach einem Schlaganfall wies das Gehirngewebe beispielsweise ein höheres biologisches Alter auf, als es gemÀà dem chronologischen Alter zu erwarten gewesen wÀre.
Ăhnliche Muster lieĂen sich auch fĂŒr andere Krankheitsfelder nachweisen. So identifizierte die KI alterungsspezifische Abweichungen bei Morbus Crohn im Verdauungstrakt sowie bei Mukoviszidose, Vaskulitis, Diabetes und anderen systemischen Erkrankungen.
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Besonders deutlich zeigte sich die Ăbereinstimmung zwischen Blutmarkern und dem tatsĂ€chlichen Gewebealter beim Verdauungssystem und der Milz. Dies deutet darauf hin, dass blutbasierte Tests in der Zukunft als Indikatoren fĂŒr die Gesundheit spezifischer Organsysteme dienen könnten.
Perspektiven fĂŒr die klinische Anwendung und Forschung
Trotz der prĂ€zisen Ergebnisse betonen die Autoren der Studie, dass die Methode derzeit noch nicht fĂŒr die klinische Anwendung bereit ist. Die aktuellen Daten stammen aus einer begrenzten Stichprobe und basieren primĂ€r auf posthumen Gewebeanalysen. Es bedarf weiterer Validierungen, um die ZuverlĂ€ssigkeit der Tests an lebenden Patienten und in einem breiteren medizinischen Umfeld sicherzustellen.
Fachleute wie AndrĂ© Rendeiro gehen davon aus, dass bis zu einer flĂ€chendeckenden klinischen Nutzung etwa zehn Jahre vergehen könnten. Ein potenzielles Einsatzgebiet wĂ€re die FrĂŒherkennung von Risiken fĂŒr neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer durch einfache Bluttests.
Bis dahin dient das Verfahren vor allem der Grundlagenforschung, um die Mechanismen der menschlichen Alterung auf Ebene einzelner Organe besser zu verstehen und langfristig prÀventive medizinische Strategien zu entwickeln.
