Gehtest, Exosuit

Gehtest mit Exosuit: Energieaufwand sinkt bei Senioren im Schnitt um 13,6 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Test mit zehn Erwachsenen zeigte mehr Sitz-Steh-Wiederholungen und einen geringeren Energiebedarf beim Gehen mit dem Exosuit.

TUM-Exosuit unterstützt ältere Menschen beim Aufstehen und Gehen
Ein heller, minimalistischer Forschungsraum mit einem leeren Stuhl in der Mitte, der eine Atmosphäre der klinischen Forschung vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse verdeutlichen das Potenzial assistiver Technologien zur Unterstützung der Mobilität im Alter. Forschende der Technischen Universität München (TUM) haben im Rahmen einer Machbarkeitsstudie nachgewiesen, dass ein weicher Exosuit die Hüftstreckung beim Aufstehen und Gehen signifikant unterstützen kann.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht und stützen sich auf Tests mit zehn Erwachsenen im Alter zwischen 69 und 85 Jahren.

Steigerung der Leistungsfähigkeit beim Aufstehen und Gehen

In der Untersuchung, an der sechs Frauen und vier Männer mit einem Durchschnittsalter von 77,7 Jahren teilnahmen, wurden spezifische Mobilitätstests durchgeführt. Beim sogenannten Ein-Minuten-Aufstehtest erzielten die Probanden mit Unterstützung des Exosuits durchschnittlich 18,6 Sitz-Steh-Zyklen pro Minute.

Ohne das System lag der Wert bei 16,8 Zyklen. Dies entspricht einer Steigerung um 1,8 Wiederholungen pro Minute, wobei ein Teilnehmer bis zu vier zusätzliche Wiederholungen erreichte. Die durchschnittliche Dauer eines Zyklus verkürzte sich dabei um 9 %.

Auch beim Sechs-Minuten-Gehtest zeigten sich deutliche Effekte auf die Energieeffizienz. Der metabolische Transportaufwand sank im Mittel um 13,6 %. Sieben von neun ausgewerteten Personen verbrauchten mit dem System weniger Energie, wobei vier Teilnehmer eine Reduktion von über 20 % verzeichneten.

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Der Spitzenwert bei der Verringerung des Energieaufwands lag bei 27,5 %. Bei zwei Personen stieg der Aufwand hingegen um 9,9 bzw. 18 %. Die selbst gewählte Gehgeschwindigkeit veränderte sich statistisch nicht signifikant und war mit Unterstützung sogar geringfügig niedriger.

Technische Spezifikationen und Nutzerakzeptanz

Das untersuchte System der TUM weist ein Gewicht von 2,86 kg auf. Die Steuerung erfolgt über Sensoren an beiden Oberschenkeln. Zur Schätzung der Gangphasen nutzt das Gerät ein Random-Forest-Modell, das zuvor mit Daten von acht jungen Erwachsenen trainiert wurde. Die Erkennung des Aufstehvorgangs basiert auf einem regelbasierten Verfahren.

Ein wesentlicher Aspekt der Studie war die Wahrnehmung der Eigenwirksamkeit durch die Senioren. Auf einer 7-Punkte-Skala bewerteten die Teilnehmer den sogenannten Sense of Agency im Durchschnitt mit 6,07 Punkten. Dies deutet auf eine hohe Akzeptanz und ein natürliches Empfinden der maschinellen Unterstützung hin.

Technologische Assistenzsysteme im breiteren Branchenkontext

Die Entwicklung der TUM reiht sich in eine Vielzahl technologischer Fortschritte für die Seniorenbetreuung ein. So bereitet die Berliner Initiative ANDYKLA derzeit Pilotanwendungen humanoider Assistenzsysteme in Pflegeeinrichtungen vor.

Ziel ist die Erprobung von vier Systemen im Langzeitbetrieb, wobei Kriterien wie Nutzungsdauer, Akzeptanz und eingesparte Personalzeit bewertet werden sollen. Auch hier stehe laut den Verantwortlichen die Entlastung des Personals und nicht dessen Ersatz im Vordergrund.

Ähnliche Ansätze verfolgen die Zieglerschen in ihren 25 Seniorenzentren. Dort übernehmen digitale Helfer bereits Routineaufgaben wie die Dokumentation von Temperaturen oder die Bodenreinigung. Im Bereich der sozialen Interaktion wird zudem der Einsatz von Robotern wie „Anni“ in Bernburg erprobt, die Pflegekräfte bei der Betreuung unterstützt und für Unterhaltung sorgt.

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Mobilität und medizinische Versorgung

Über tragbare Systeme hinaus entwickeln Hersteller wie Volkswagen Nutzfahrzeuge Konzepte für die autonome Mobilität von Senioren und Menschen mit Behinderungen. Ein Funktionsmodell des Projekts „Autonomous Wheelchair Mobility“ sieht ein fahrerloses Shuttle vor, das Rollstuhlfahrende per App buchen können und das über einen automatisierten Hublift sowie einen Roboterarm zur Sicherung verfügt.

Ergänzt wird das Spektrum technologischer Unterstützung durch Fortschritte in der Gefäßchirurgie. Das Klinikum Görlitz meldete Ende September 2026 den erstmaligen Einsatz einer biologischen Gefäßprothese aus einer aufbereiteten Rinder-Halsschlagader. Diese wurde bei einem Patienten eingesetzt, dessen Gewebe durch Vorerkrankungen vernarbt war, um die Durchblutung nachhaltig zu sichern.

Solche spezialisierten Eingriffe sollen künftig verstärkt auch regional angeboten werden, wie im Rahmen der medizinischen Fachberatung in Görlitz betont wurde.

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