Geldentscheidungen, Effekte

Geldentscheidungen: 90,5 Prozent der Effekte halten international stand

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 14:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Untersuchung in 21 Ländern bestätigt die meisten Muster, während die Effekte schwächer ausfallen als in älteren Studien.

Mentale Buchführung: Internationale Studie bestätigt sieben Effekte
Symbolbild: Schachbrett mit Figuren Illustration mit AI erstellt.

Wie Menschen mit Geld umgehen, folgt selten rein rationalen mathematischen Regeln. Stattdessen ordnet das menschliche Gehirn finanzielle Mittel oft unbewusst unterschiedlichen geistigen Kategorien zu. Dieses als „Mental Accounting“ oder mentale Buchführung bekannte Phänomen stand nun im Zentrum einer großangelegten internationalen Replikationsuntersuchung.

Ein Team aus 102 Forschenden überprüfte klassische Experimente dieser verhaltensökonomischen Theorie mit 5.589 Erwachsenen in 21 Ländern. Wie Berichte von mdr.de und fr.de darlegen, traten alle sieben getesteten Effekte länderübergreifend in der ursprünglich postulierten Richtung auf.

Hohe statistische Beständigkeit bei geringerer Effektstärke

Das Konzept der mentalen Buchführung geht maßgeblich auf den Ökonomen Richard Thaler zurück, der die Mechanismen in den 1980er Jahren beschrieb und dafür im Jahr 2017 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Die aktuelle Überprüfung lieferte bemerkenswert stabile Resultate: Auf Länderebene erwiesen sich 133 von 147 Einzeleffekten als statistisch bedeutsam, was einer Quote von 90,5 Prozent entspricht. Damit liegt die Bestätigungsrate deutlich über dem in den Sozialwissenschaften üblichen Durchschnitt von rund 70 Prozent.

Gleichzeitig beobachteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine historische Verschiebung. Zwar ließen sich die Grundmuster verlässlich nachweisen, die gemessenen Effekte fielen insgesamt jedoch schwächer aus als in den Originalstudien vor 40 Jahren.

Vom Ticketverlust bis zur Rabattwahrnehmung

Im Rahmen der Erhebung wurden sieben typische Szenarien analysiert, die Verzerrungen bei alltäglichen Entscheidungen sichtbar machen. Unter anderem zeigte sich, dass derselbe absolute Preisnachlass bei einem günstigeren Produkt von Konsumenten systematisch stärker gewichtet wird als bei einem teuren Artikel. Zudem richtet sich die Zahlungsbereitschaft für ein Getränk stark nach dem Verkaufsort, an dem es angeboten wird.

Anzeige

Die internationale Replikationsstudie mit 5.589 Erwachsenen in 21 Ländern zeigt: 90,5 Prozent der Mental-Accounting-Effekte halten stand — unser Gehirn verbucht Geld also verlässlich nach eigenen Regeln. Wer diese Muster kennt, trifft Kaufentscheidungen bewusster. Kostenlosen Leitfaden zu Mental Accounting anfordern

Ein weiterer Klassiker der Verhaltensforschung betrifft die Reaktion auf Verluste: Ein verlorenes Veranstaltungsticket beeinflusst die Bereitschaft zu einem erneuten Kartenkauf anders als der Verlust des identischen Geldbetrags in bar. Dieser spezifische Ticketverlust-Effekt fiel in der internationalen Überprüfung allerdings weniger universell aus als andere Muster und ließ sich nur in 15 der 21 untersuchten Länder nachweisen.

Einfluss von Wohlstand und makroökonomischem Umfeld

Neben der reinen Replikation untersuchte die Arbeit den Zusammenhang zwischen ökonomischen Rahmenbedingungen und der Ausprägung der mentalen Buchführung. In wirtschaftlich schwächeren Ländern fielen die Effekte im Durchschnitt geringer aus.

Anzeige

Derselbe Rabatt wirkt bei einem günstigen Produkt stärker als bei einem teuren, und ein verlorenes Ticket beeinflusst die Zahlungsbereitschaft anders als der gleiche Betrag in bar. Solche Verzerrungen kosten Rendite — der Leitfaden zeigt, wie Sie sie bei Ihren eigenen Entscheidungen entschärfen. Checkliste rationale Kaufentscheidungen jetzt abrufen

Die Tendenz zu Mental Accounting nahm mit steigendem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bis zu einem Wert von etwa 50.000 US-Dollar zu, bevor der Zusammenhang abflachte. Die Forschenden stufen diese Verknüpfung mit dem nationalen Wohlstandsniveau jedoch als vorläufig ein.

Auf der Individualebene zeigte sich ein differenziertes Bild: Das persönliche Haushaltseinkommen der Befragten lieferte keine verlässliche Erklärung für die beobachteten Unterschiede im Entscheidungsverhalten. Dennoch belegt die Untersuchung, dass kognitive Verzerrungen bei Finanzen ein weltweites Phänomen bleiben, das moderne Konsummuster über Kulturgrenzen hinweg prägt.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70292896 |