Genetik, Lebensstil

Genetik bestimmt nur 20-30%: Lebensstil prÀgt Alterungstempo

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung und Umfragen zeigen: Alterung verlĂ€uft individuell, wĂ€hrend Bewegung, soziale Kontakte und mentale AktivitĂ€t die Gesundheit unterstĂŒtzen können.

Älterwerden neu betrachtet: Emotionale StĂ€rke und Lebensstil zĂ€hlen
Ein sonnendurchfluteter Gartenweg mit herbstlich gefÀrbten BÀumen, der Gelassenheit und Lebensreife symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der demografische Wandel rĂŒckt die individuelle Auseinandersetzung mit dem Alterungsprozess verstĂ€rkt in den Fokus psychologischer und medizinischer Forschung. Aktuelle Expertenmeinungen und Studien verdeutlichen, dass das Älterwerden nicht ausschließlich als Abbauprozess zu verstehen ist, sondern erhebliche Potenziale fĂŒr emotionale StabilitĂ€t und persönliches Wachstum bietet.

Psychologische Perspektiven auf Verluste und Gewinne

Professor Jana Nikitin von der UniversitĂ€t Wien betont in verschiedenen Ratgeber-Interviews Anfang September 2026, dass das Altern untrennbar mit einer Bilanz aus Verlusten und Gewinnen verbunden sei. Ein zentraler Befund ihrer Arbeit ist, dass Ă€ltere Menschen hĂ€ufig ĂŒber eine höhere emotionale StabilitĂ€t und Ausgeglichenheit verfĂŒgen als jĂŒngere Generationen. Sie seien demnach besser in der Lage, ihre GefĂŒhle zu regulieren.

In ihrem im Jahr 2026 im Hogrefe-Verlag erschienenen Buch „Die sieben Mythen des Alterns“ setzt sich Nikitin mit gĂ€ngigen Stereotypen auseinander. Sie vertritt die Ansicht, dass der Kontakt zu verschiedenen Altersgruppen dazu beitragen könne, Vorurteile abzubauen.

Eine realistische EinschĂ€tzung des Prozesses sei entscheidend, wobei das Altern maßgeblich von den individuellen Voraussetzungen und dem eigenen Handeln geprĂ€gt werde. Um Sorgen vor dem Älterwerden entgegenzuwirken, empfiehlt die Expertin eine Kombination aus regelmĂ€ĂŸiger Bewegung, gesunder ErnĂ€hrung und der Pflege sozialer Kontakte.

Resilienz und aktive Gestaltung des Lebensabends

ErgÀnzend zur psychologischen Einordnung betonen Fachleute die Bedeutung der Resilienz. Professor Dr. Undine Lang von den UniversitÀren Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel erlÀutert die Notwendigkeit, in Krisen die eigene Perspektive aktiv zu steuern und einen persönlichen Wertekompass zu definieren. Sie nennt Faktoren wie Humor, Dankbarkeit, Neugier und soziale Einbindung als wesentliche SÀulen. Zur Förderung der psychischen und physischen Gesundheit rÀt sie zudem zu sportlicher BetÀtigung, idealerweise dreimal pro Woche.

Praktische AnsĂ€tze zur Auseinandersetzung mit dem Lebenssinn und der inneren Entwicklung im Alter werden zudem in Workshop-Formaten angeboten. Ein Beispiel hierfĂŒr ist das Online-Angebot der Praxis Frank Ulbrich in Mainz, das unter dem Titel „Goldener Herbst“ die Möglichkeiten des persönlichen AufblĂŒhens im höheren Alter thematisiert.

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Zur BewĂ€ltigung akuter Ängste werden zudem Atemtechniken empfohlen. Wie Fachleute von gam-medical.de erlĂ€utern, könne eine gezielte Stimulation des Vagusnervs durch verlĂ€ngertes Ausatmen, etwa im Rhythmus 4:8 oder durch die 4-7-8-Methode, beruhigend wirken.

Einstellungen der Bevölkerung und prĂ€ventive Maßnahmen

Eine im August 2026 durchgefĂŒhrte DAK-Forsa-Umfrage unter mehr als 1000 Befragten im Alter zwischen 18 und 70 Jahren gibt Aufschluss ĂŒber die Einstellung der Deutschen zum Älterwerden. Demnach betrachten 49 Prozent der BundesbĂŒrger das Altern als einen natĂŒrlichen Vorgang.

Um die eigene Langlebigkeit (Longevity) zu fördern, zeigten sich viele Befragte bereit, aktiv zu werden: 74 Prozent setzen auf Sport, 71 Prozent auf die Pflege sozialer Kontakte und 62 Prozent auf Gehirntraining. 59 Prozent sehen verbesserten Schlaf als Faktor, wĂ€hrend 44 Prozent moderne Hilfsmittel wie Smartwatches oder Apps nutzen wĂŒrden.

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Als grĂ¶ĂŸte Hindernisse fĂŒr eine gesundheitsbewusste Lebensweise identifizierte die Umfrage Zeitmangel (40 Prozent) und mangelnde Motivation (35 Prozent). Dabei zeigten sich geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Motivation: 40 Prozent der MĂ€nner, aber nur 30 Prozent der Frauen nannten diesen Punkt als HĂŒrde. Weitere Barrieren sind hohe Kosten (22 Prozent) sowie grundsĂ€tzliche Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen (16 Prozent).

Biologische IndividualitÀt und der Einfluss des Lebensstils

Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die These, dass der Alterungsprozess höchst individuell verlĂ€uft. Eine im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Studie des King’s College London untersuchte 335 Frauen im Alter zwischen 32 und 80 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von bis zu acht Jahren.

Die Forscher stellten VerĂ€nderungen bei ĂŒber 5000 Genen und 181 Metaboliten fest. Ein wesentliches Ergebnis ist, dass die biologische Alterung selbst bei eineiigen Zwillingen entgegengesetzt verlaufen kann. WĂ€hrend die adaptive Immunabwehr tendenziell abnimmt, bleibt die angeborene Immunabwehr stabil oder nimmt sogar zu.

Zudem belegen Daten der Rotterdam-Studie, dass das wahrgenommene Alter ein Indikator fĂŒr den allgemeinen Gesundheitszustand sein kann. Menschen, die jĂŒnger aussehen, verfĂŒgen demnach oft ĂŒber lĂ€ngere Telomere und altern langsamer. Die Genetik bestimmt dabei laut wissenschaftlichen SchĂ€tzungen lediglich 20 bis 30 Prozent des Alterungstempos; der verbleibende Anteil wird maßgeblich durch den individuellen Lebensstil und Umweltfaktoren beeinflusst.

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de | wissenschaft | 70071197 |