Gentherapie-Skandal: Kind stirbt nach Baseneditierung in Shanghai
Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 14:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein sechsjĂ€hriges MĂ€dchen stirbt nach einer experimentellen Gentherapie â die Forscher verschweigen den Vorfall in einer Publikation. Der Fall erschĂŒttert die Wissenschaftsgemeinde.
Tödliche Komplikationen vertuscht?
Im MĂ€rz 2025 erhielt ein sechsjĂ€hriges MĂ€dchen im Xinhua-Krankenhaus in Shanghai eine experimentelle Baseneditierungstherapie gegen das Snijders-Blok-Campeau-Syndrom. Nur wenige Tage spĂ€ter war das Kind tot. Die Ethikkommission stellte fest: Eine thrombotische mikrovaskulĂ€re Erkrankung, ausgelöst durch die Behandlung, fĂŒhrte zum Tod.
Doch in einer im Februar 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichten Studie fehlte jeder Hinweis auf den tödlichen Verlauf. Recherchen von Journalisten deckten auf: Auch die Ergebnisse einer Affenstudie, die erst nach dem Start der Patientenbehandlung abgeschlossen wurde, tauchten in dem Artikel nicht auf. In dieser Vorstudie hatten alle vier Tiere mittelschwere bis schwere LeberschÀden erlitten.
Die Shanghai Jiao Tong UniversitĂ€t leitete im Juli 2026 eine offizielle Untersuchung gegen die beteiligten Forscher ein. Die Familie des MĂ€dchens zahlte Berichten zufolge rund 860.000 US-Dollar fĂŒr die experimentelle Behandlung.
Das Problem mit den GenfÀhren
Im Zentrum der Kritik stehen Adeno-assoziierte Viren (AAV) â die Transportvehikel fĂŒr das genetische Material. Sie können Immunreaktionen, Leberversagen sowie SchĂ€den an Nerven und Herz auslösen. Besonders in hohen Dosierungen, wie sie bei Eingriffen am zentralen Nervensystem nötig sind, steigt das Risiko massiv.
Ein sechsjĂ€hriges MĂ€dchen stirbt nach einer experimentellen Gentherapie â die Forscher verschweigen den Vorfall. Der Fall zeigt: Eltern mĂŒssen selbst kritisch nachfragen. Unser Leitfaden hilft Ihnen, die richtigen Fragen zu stellen. Sicherheits-Leitfaden jetzt anfordern
Deutsche Experten bewerten den Fall kritisch: Die Komplikationen seien aufgrund der prĂ€klinischen Datenlage vorhersehbar gewesen. Als sicherere Alternative gelten Lipidnanopartikel (LNP). Sie lösen schwĂ€chere Immunantworten aus, sind aber bislang nur fĂŒr bestimmte Gewebetypen geeignet. Im Mai 2025 kam diese Technik erfolgreich bei einem SĂ€ugling in Philadelphia zum Einsatz.
FDA bremst Gentherapie aus
Auch etabliertere TherapieansĂ€tze kĂ€mpfen mit Sicherheitsbedenken. Ende Juli 2026 Ă€uĂerten FDA-Mitarbeiter erhebliche Zweifel an der DatenqualitĂ€t einer Therapie gegen Duchenne-bedingte Herzerkrankungen. Der Börsenwert des verantwortlichen Unternehmens Capricor brach daraufhin massiv ein.
Positive Signale gibt es dagegen bei der Genomeditierung gegen erhöhte Cholesterinwerte: Eine einmalige Infusion senkte das LDL-Cholesterin ĂŒber viele Monate. Forscher warnen jedoch: Die Langzeitrisiken solcher dauerhaften Eingriffe in den Leberstoffwechsel sind noch unzureichend erforscht.
Fortschritte jenseits der Gentherapie
Hohe Kosten, ungewisses Risiko: Bei Gentherapien zahlen Familien oft sechsstellige BetrĂ€ge â wie die Eltern des MĂ€dchens in Shanghai. Bevor Sie eine solche Behandlung in ErwĂ€gung ziehen, sollten Sie die Risiken kennen. Unser kostenloser Report zeigt, worauf Sie achten mĂŒssen. Risiko-Check zur Gentherapie sichern
WĂ€hrend die Gentherapie kĂ€mpft, verzeichnen angrenzende Bereiche Erfolge. Ein neuartiges Netzhautimplantat gegen trockene Makuladegeneration erhielt kĂŒrzlich die CE-Kennzeichnung. In einer Studie zeigten 80 Prozent der 38 Patienten eine deutliche Verbesserung der SehfĂ€higkeit â allerdings bleiben Risiken wie Netzhautrisse oder erhöhter Augeninnendruck.
In der Grundlagenforschung lieferte eine Nature-Studie unter Beteiligung des Deutschen Krebsforschungszentrums neue Erkenntnisse: Die individuelle Genetik beeinflusst Mutationsprozesse in Tumoren maĂgeblich. Das könnte kĂŒnftig helfen, Therapierisiken besser einzuschĂ€tzen und Behandlungen individueller abzustimmen.
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