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Germany Stack: Telekom und SAP bauen staatliche KI-Plattform auf

27.05.2026 - 18:18:37 | boerse-global.de

Deutsche Telekom und SAP erhalten Auftrag fĂŒr eine staatliche KI-Plattform, die die AbhĂ€ngigkeit von US-Technologien reduzieren soll.

Adidas Shares Slump as Tariff Concerns Overshadow Record Performance - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Adidas Shares Slump as Tariff Concerns Overshadow Record Performance - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Deutsche Telekom und SAP haben den Zuschlag fĂŒr den Aufbau einer staatlichen KI-Plattform erhalten – ein Projekt, das die AbhĂ€ngigkeit von US-Technologien reduzieren soll.

Am 26. Mai 2026 wurde der Auftrag offiziell vergeben. Die Plattform ist das HerzstĂŒck des sogenannten „Germany Stack", einer Cloud-Infrastruktur speziell fĂŒr die öffentliche Verwaltung. Erster konkreter Anwendungsfall: der KI-Assistent KIPITZ, der kĂŒnftig Verwaltungsmitarbeiter bei Routineaufgaben entlasten soll.

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Digitalminister Karsten Wildberger sprach von einem „entscheidenden Schritt fĂŒr die Sicherheit der digitalen Infrastruktur". Zuvor hatten Wettbewerber wie Google und Adesso ihre Einspruche gegen die Vergabe zurĂŒckgezogen.

Unternehmen ĂŒberschĂ€tzen ihre digitale UnabhĂ€ngigkeit

WÀhrend der Staat auf zentrale Lösungen setzt, sieht die Lage in der Privatwirtschaft anders aus. Eine Studie von Adesso zeigt: Viele deutsche Firmen wiegen sich in falscher Sicherheit.

Zwar geben 64 Prozent der Unternehmen an, bei KI-Implementierungen auf SouverÀnitÀt zu achten. Doch nur 28 Prozent zÀhlen digitale Autonomie tatsÀchlich zu ihren strategischen Top-PrioritÀten. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist betrÀchtlich.

Besonders aufschlussreich: Die Zahlungsbereitschaft fĂŒr souverĂ€ne Lösungen variiert stark. Bauunternehmen akzeptieren AufschlĂ€ge von bis zu 26 Prozent – Finanzdienstleister dagegen nur acht Prozent. Ein deutliches Indiz dafĂŒr, dass der Preis fĂŒr digitale UnabhĂ€ngigkeit branchenabhĂ€ngig ist.

Die Studie des Bitkom zur Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) untermauert das Problem: 69 Prozent der deutschen Unternehmen sehen die DSGVO als Bremse fĂŒr KI-Entwicklung. Und trotz aller SouverĂ€nitĂ€tsdebatten ĂŒbertragen 61 Prozent weiterhin Daten zur Verarbeitung in die USA.

Neue Standards fĂŒr Cloud-SouverĂ€nitĂ€t

Der Bitkom reagiert mit einem Positionspapier. FĂŒnf Kernforderungen sollen den europĂ€ischen Markt fĂŒr Cloud-Dienste neu ordnen:

  • Risikobasierter Umgang mit Daten
  • Offene MĂ€rkte erhalten
  • Technische Schutzmaßnahmen anerkennen
  • EU-weite Harmonisierung
  • Multi-Cloud-Strategien fördern

Zentrales Ziel: Vermeidung von „Vendor Lock-in" – der gefĂ€hrlichen AbhĂ€ngigkeit von einem einzigen Anbieter. Offene Standards sollen PortabilitĂ€t und Resilienz sichern.

Parallel dazu vereinfacht die Telekom den Zugang fĂŒr Behörden. Seit dem 26. Mai ist „T Cloud Public" im GovTech-Rahmenvertrag fĂŒr Cloud- und KI-Dienste gelistet. Ämter können nun souverĂ€ne Cloud-Dienste beschaffen, ohne jedes Mal eine neue Ausschreibung starten zu mĂŒssen. Die Dienste laufen in deutschen Rechenzentren und erfĂŒllen BSI C5, ISO 27001 und DSGVO. In Baden-WĂŒrttemberg wurde bereits die Moodle-Plattform fĂŒr 1,5 Millionen SchĂŒler migriert.

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Großprojekt Berliner BĂ€der: Migration auf Schiene

Ein Paradebeispiel fĂŒr den Wandel: Die Berliner BĂ€der Betriebe (BBB) stehen kurz vor dem Abschluss ihrer S/4HANA-Migration. 67 SchwimmbĂ€der, 850 Mitarbeiter, rund sechs Millionen GĂ€ste jĂ€hrlich – das 2022 gestartete Projekt lĂ€uft im Budget und im Zeitplan.

Der Implementierungspartner COMLINE SE setzte auf einen „Greenfield"-Ansatz, bei dem die Finanzprozesse komplett neu aufgesetzt wurden. Die letzten Phasen sind fĂŒr 2026 geplant, danach folgt die integrierte Budgetplanung.

EuropÀische Allianzen gegen US-Dominanz

Im ersten Quartal 2026 haben BSI Software und T-Systems eine Partnerschaft geschlossen. Ihr Ziel: eine europÀische SaaS-CRM- und Customer-Experience-Plattform auf der T Cloud. Die Lösung richtet sich gezielt an regulierte Branchen wie Banken, Versicherungen und Energieversorger.

Der Clou: Die Plattform schĂŒtzt vor dem Zugriff durch den US Cloud Act und erfĂŒllt gleichzeitig EU AI Act und DORA. Ein starkes Signal fĂŒr Unternehmen, die ihre Daten nicht in amerikanischen HĂ€nden wissen wollen.

Hardware-Riesen investieren in Open Source

Auch die Hardware-Hersteller ziehen mit. Lenovo, Dell und HP haben sich als Hauptsponsoren des Linux Vendor Firmware Service (LVFS) verpflichtet – mit jeweils 100.000 US-Dollar jĂ€hrlich. Der Dienst ermöglicht Firmware-Updates auf Linux-Systemen und war bisher deutlich geringer finanziert.

Schattenseite: AMD erschwert Linux-Entwicklern das Leben

Doch nicht alle Entwicklungen sind positiv. AMD hat seine Lizenzpolitik geĂ€ndert: Die Software Vivado 2026.1 bleibt fĂŒr Windows-Nutzer kostenlos, Linux-Anwender brauchen dagegen ein „Core"-Abonnement fĂŒr 1.200 bis 1.800 US-Dollar pro Jahr.

Die BegrĂŒndung: 70 Prozent der Nutzer arbeiten mit Windows. Wettbewerber wie Intel und Lattice bieten ihre Tools weiterhin kostenlos fĂŒr Linux an – ein Standortnachteil fĂŒr deutsche Entwickler, die auf Open Source setzen.

KI-Reife: Vertrauen ja, Können nein

Veeam hat am 26. Mai ein „Data and AI Trust Maturity Model" vorgestellt. Die Ergebnisse sind ernĂŒchternd: 80 Prozent der FĂŒhrungskrĂ€fte sind ĂŒberzeugt, KI skalieren zu können. Die tatsĂ€chlichen technischen FĂ€higkeiten hinken dieser SelbsteinschĂ€tzung jedoch hinterher.

Praxis-Wissen gefragt

Der „Open Source Day 2026" an der FH SĂŒdwestfalen in Meschede zeigte im MĂ€rz, wie es geht. Unter dem Motto „Digitale SouverĂ€nitĂ€t fĂŒr regionale Unternehmen" ging es um Migration zu Open-Source-BĂŒrolösungen, ERP-Systemen und KI-gestĂŒtzter Bilderkennung. Beteiligt waren die Ruhr-UniversitĂ€t Bochum und EGroupware.

Ausblick: Der doppelte Wandel

Deutschland navigiert durch eine zweigleisige Transformation: Der „Germany Stack" fĂŒr den öffentlichen Sektor entsteht parallel zur Suche nach souverĂ€nen Alternativen in der Privatwirtschaft. Der Erfolg der staatlichen KI-Plattform wird zum Maßstab fĂŒr kĂŒnftige Großprojekte.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen. EU AI Act und NIS2-Richtlinie zwingen viele Firmen, ihre Cloud- und KI-Partnerschaften neu zu bewerten. Die Bereitschaft, einen „SouverĂ€nitĂ€tsaufschlag" zu zahlen, mag branchenabhĂ€ngig sein – doch die Modernisierung von Finanz- und Verwaltungsprozessen auf Plattformen wie S/4HANA zeigt: Der Strukturwandel ist in vollem Gange.

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