Gestagene, EMA

Gestagene: EMA warnt vor erhöhtem Meningeom-Risiko bei Langzeitnutzung

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 21:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur warnt vor leicht erhöhtem Meningeom-Risiko durch bestimmte Gestagene. DĂ€nische Langzeitstudie zeigt Risikonormalisierung erst nach fĂŒnf Jahren.

EMA-Studie: Gestagene erhöhen Hirntumorrisiko bei Langzeitanwendung
Ein steriler, modern eingerichteter medizinischer Untersuchungsraum mit einem klinischen Instrumententablett auf einem Tisch. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen zur Arzneimittelsicherheit haben in den vergangenen Monaten zu neuen Erkenntnissen ĂŒber den Zusammenhang zwischen der Anwendung bestimmter Gestagene und der Entstehung von Meningeomen gefĂŒhrt. Diese meist gutartigen Hirntumoren stehen verstĂ€rkt im Fokus der europĂ€ischen Aufsichtsbehörden und der Wissenschaft, nachdem Daten auf ein leicht erhöhtes Risiko bei einer Langzeitanwendung hindeuten.

Sicherheitsbewertung durch die EuropÀische Arzneimittel-Agentur

Die EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat nach der Auswertung französischer Studien eine Warnung bezĂŒglich der Wirkstoffe Desogestrel und Etonorgestrel herausgegeben. Den Analysen zufolge könne eine dauerhafte Anwendung dieser Gestagene die Wahrscheinlichkeit fĂŒr die Entwicklung eines Meningeoms geringfĂŒgig steigern.

Die Behörde quantifizierte dieses Risiko Anfang August 2026 genauer: Statistisch gesehen trete ein zusĂ€tzlicher Fall eines Hirntumors auf 67.300 Frauen auf, welche diese spezifischen Gestagene ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum einnehmen oder anwenden.

Als Konsequenz aus diesen Erkenntnissen wurden die Behandlungsempfehlungen prÀzisiert. Sollte bei einer Patientin ein Meningeom diagnostiziert werden, sei die Therapie mit den betroffenen PrÀparaten umgehend abzubrechen.

Eine weitere Anwendung gilt in einem solchen Fall als Kontraindikation. Ein positiver Aspekt der Sicherheitsbewertung betrifft die ReversibilitĂ€t des Risikos. Laut EMA sinkt die Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Erkrankung bereits innerhalb eines Jahres nach dem Absetzen der Gestagene wieder ab.

Langzeitstudie liefert differenzierte Daten zur Risikodauer

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ErgĂ€nzend zu den behördlichen Warnungen lieferte eine dĂ€nische Untersuchung, die im Sommer 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht wurde, tiefergehende Einblicke ĂŒber einen Beobachtungszeitraum von 25 Jahren. Die Forscher bestĂ€tigten, dass Progestogen-Kontrazeptiva das Meningiom-Risiko beeinflussen können. Besonders hervorgehoben wurden dabei orale Kontrazeptiva sowie injizierbares Medroxyprogesteron.

Im Gegensatz zu der Ein-Jahres-Frist der EMA-Meldung deutet die dÀnische Langzeitstudie darauf hin, dass eine vollstÀndige Normalisierung des Risikoprofils einen lÀngeren Zeitraum in Anspruch nehmen könnte.

Den Studienergebnissen zufolge glich sich das Risiko erst nach fĂŒnf Jahren ohne Anwendung der Progestogen-Kontrazeptiva wieder dem Niveau der Nicht-Anwenderinnen an. Diese Diskrepanz in den Zeitangaben verdeutlicht die KomplexitĂ€t der statistischen Erfassung von Langzeitfolgen hormoneller PrĂ€parate.

Medizinische Einordnung und Empfehlungen fĂŒr die Praxis

Trotz der statistisch belegbaren Risikoerhöhung stufen medizinische Experten die Gefahr fĂŒr die einzelne Anwenderin weiterhin als gering ein. Ein wesentlicher Faktor fĂŒr diese Bewertung ist die sehr niedrige MortalitĂ€tsrate im Zusammenhang mit diesen Tumoren. Fachleute beziffern die Sterblichkeit auf weniger als 1 zu 500.000 FĂ€llen.

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FĂŒr die klinische Praxis bedeutet dies eine verstĂ€rkte Sensibilisierung bei der Verschreibung von Gestagenen fĂŒr die Langzeitanwendung. WĂ€hrend das absolute Risiko niedrig bleibt, wird eine sorgfĂ€ltige Anamnese und die Beachtung von Kontraindikationen bei bestehenden Diagnosen wichtiger.

Die aktuellen Datenlagen der EMA und aus der Wissenschaft bieten hierfĂŒr eine fundierte Grundlage, um Patientinnen ĂŒber das Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis aufzuklĂ€ren, insbesondere wenn hormonelle Kontrazeptiva ĂŒber viele Jahre oder Jahrzehnte eingesetzt werden sollen.

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